Subventionen passé

Autohersteller in Australien machen dicht, weil ihnen die neue Regierung die bisherigen Hilfsgelder streicht – Wie es vor Ort der deutsche Unternehmer Frank Abels sieht

Australien ist weit, weit weg – down under, so gesehen jedenfalls vom oberen Teil der Nordhalbkugel aus. Für Australien ist Down Under ein Synonym geworden, nicht nur für die Nordlichter, auch die Australier selbst akzeptieren es. Gleichwohl klingt es doch sehr von oben herab und ziemlich abfällig, wenn Nicht-Australier dieses Land so nennen, obwohl es meist wohl nicht so gemeint ist. Dazu gibt es auch keinen Anlass, und Australien selbst muss ohnehin keine Minderwertigkeitskomplexe haben. Aber weil es aus hiesiger Sicht so weit weg ist, erfahren wir von den täglichen Geschehnissen in diesem Land nicht gerade sehr viel – es sei denn, dass sich dort etwas Spektakuläres ereignet. Zum Beispiel ein Regierungswechsel. Den hat es im vergangenen Jahr gegeben. Der deutsche Unternehmer Frank Abels, der halbjahresweise dort lebt,*) macht hierzu seine Beobachtungen und berichtet darüber seinen Freunden in Deutschland. So zum Beispiel auch das Folgende.

Was deutsche Medien über das Land berichten und was nicht

„Seit Jahrzehnten beobachten wir, besonders während unserer Aufenthalte in Australien, Berichte in der deutschen Presse über das Land. In der Vergangenheit war da meist wenig, oft genug Banales. Gelegentlich Meldungen über sportliche Ereignisse. Seitdem aber Tony Abbot Premierminister einer stramm konservativen Regierung ist, gibt es über Australien in Deutschland öfter Nachrichten, die fast immer negativ kommentiert werden. Wie schon berichtet: Unzutreffende Wettermeldungen über extreme Hitze, Waldbrände, die in Australien seit Urzeiten nichts Ungewöhnliches sind, nun aber dem Klimawandel zugeschrieben werden, die Jagd auf Haie, die angeblich neu eingeführt wurde, und dann noch die Asylantenprobleme mit den „boat people“. Aktuell in diesem Sinne textete Focus Online am 10. Februar Endzeitstimmung in Australien: „Autoindustrie verlässt Land komplett“ (hier). Was ist da geschehen?

Produktion unrentabel, aber die sozialistische Vorgänger-Regierung zahlte

In der Vergangenheit hat die sozialistische Regierung von Julia Gillard immer wieder mit Subventionen die großen Autokonzerne General Motors (GM), Ford, Toyota davon abgehalten, die unrentabelen Werke Australiens zu schließen. Durch die extrem hohen Löhne in Australien (allein der gesetzliche Mindestlohn liegt bei etwa 13 Euro) ist eine Fertigung von Autos in Australien nicht mehr wirtschaftlich möglich, besonders auch deswegen, weil Indonesien mit 10 Prozent der australischen Löhne nicht weit ist, und z.B. Toyota nun dorthin geht. Das war seit Jahren bekannt, aber die Schließungen wurden durch immer neue Subventionen aufgeschoben. Nun wollte GM für den weiteren Betrieb ihrer Marke HOLDEN eine Subvention von 50 Millionen australische Dollar haben, andernfalls würden 2500 Autowerker arbeitslos.

Regierungschef Abbot: Wer keine Gewinne macht, muss ausscheiden

Da aber waren GM, auch Ford und Toyota, bei Tony Abbot an der falschen Adresse. Als streng marktwirtschaftlich orientierter Regierungschef erklärte er, grundsätzlich keiner privaten Firma irgendwelche Subventionen zu geben. Jede Firma muss für sich ein positives Ergebnis erwirtschaften oder aus dem Markt ausscheiden. Anlass für diese klare Ansage – gewissermaßen „der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“ – war der Subventionsantrag ausgerechnet von Coca Cola, die vom Staat Geld forderten, um die Schließung eines Abfüllbetriebes zu verhindern. Abbot sagte: „Wenn wir anfangen einer Firma etwas zu geben, gibt es bald keine Grenze mehr. Warum sollten dann nicht schließlich alle Firmen Subventionen fordern, um Arbeitsplätze zu erhalten?“

Abbot: Die Arbeitsplätze vernichtet haben die Gewerkschaften

Natürlich warfen die Gewerkschaften dem Premierminister sofort vor, dass er Arbeitsplätze vernichte. Dem widersprach aber Tony Abbot geschickt, indem er darauf hinwies, dass die Gewerkschaften während der sechs Jahre sozialistischer Regierung unter Führung der Premierministerin Julia Gillard, die vorher Gewerkschaftsfunktionärin war, die Löhne der Automobilwerker derart in die Höhe getrieben hätten, dass nun australische Autos auf dem Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig seien. Also hätten die Gewerkschaften und nicht die konservative Regierung die Arbeitsplätze vernichtet. Es sei nun nicht Aufgabe der Steuerzahler, den Fehler der Gewerkschaften zu korrigieren. Die von GM jetzt geforderten 50 Millionen Dollar entsprechen nicht durch Zufall den Lohnmehrkosten der letzten Jahre. Umgerechnet auf die 2500 Autowerker von GM sind das etwa 20 000 Dollar pro Mann und Jahr, der Betrag, um den die Einkommen der Arbeiter bei GM während der sozialistischen Regierungszeit gestiegen sind. Am Rande sei dazu bemerkt, dass GM nicht in Gänze Australien verlässt. Der Vertrieb von HOLDEN, Service und Logistik, wird von Opel, ebenfalls eine GM-Tochter, übernommen. Opel fertigt nicht in Australien, aber seit einiger Zeit wird hier versucht, Opel als deutsche Edelmarke mit hohem Prestigewert zu vermarkten.

Die „Aussies“ werden das durchstehen

Die Information über den eigentlichen Grund für die Schließung der Autowerke stand, soweit ich das übersehe, nicht in den deutschen Medien. Könnte ja „Schule“ machen, was der Abbot da veranstaltet. Der Verlust der Arbeitsplätze ist natürlich nicht erfreulich aber ganz gewiss keine Katastrophe in einem Land von der wirtschaftlichen Kraft Australiens. Mit einer der niedrigsten Verschuldungsraten der Welt und auf Platz 5 der Länder mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung (hinter Luxemburg, Katar, Norwegen und der Schweiz) werden die „Aussies“ das durchstehen. (Quelle: Schätzungen des IWF für 2013, Wikipedia) In dieser Liste steht übrigens Deutschland auf Platz 18.“

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*) Wer ist Frank Abels? Er ist ein erfolgreicher mittelständischer Unternehmer. Er lebt jeweils ein halbes Jahr in Australien (Perth, Rockingham am Cockburn Sound) und das andere halbe Jahr in Deutschland (Munster, Lüneburger Heide), wo der Betrieb seiner Frank Abels Consulting & Technology GmbH (FAC) steht. Wer wissen will, womit sich das Unternehmen befasst, wird hier fündig: http://www.fac-gmbh.de/fac-gmbh.php Privat schreibt Abels an Freunde, Verwandte und Bekannte regelmäßig Briefe, in denen er anschaulich das Leben in Australien und die Besonderheiten dort schildert. Seine bisherigen Berichte sind hier zu finden:

http://kpkrause.de/2013/11/26/drei-politische-schlaglichter-aus-australien/
http://kpkrause.de/2013/11/18/leute-entspannt-euch/
http://kpkrause.de/2013/11/13/wahlkampfthemen-mit-zugkraft/#more-3179
http://kpkrause.de/2013/09/10/bitte-abkupfern/
http://kpkrause.de/2013/08/03/auch-die-einwanderung-konnte-ein-wahlthema-sein/
http://kpkrause.de/2013/12/13/wie-man-ein-held-wird/#more-3282
http://kpkrause.de/2013/12/19/wenn-schnee-fehlt/
http://kpkrause.de/2013/12/30/chinas-riesen-getreidefarm-in-australien/

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