Der Rausch im Schuldenmachen

Schuldenaufnahme ist für amtierende Politiker ein bequemer Gegenwartsvorteil – Schulden schönfärberisch hingestellt als „Sondervermögen“ – Regierungen denken immer nur an Weiterverschuldung – Die EU mit 2,5 Billionen Euro Schulden, obwohl sie keine aufnehmen darf – Die bisher größte Verschuldung Deutschlands mit Merz als Kanzler – Die Folgen von Überschuldung müssen stets die Bürger tragen, nicht ihre Politiker – Die Überlastung mit Schulden überlastet auch deren Zins- und Rückzahlung – Eines ist sicher: Schuldensucht endet wie Drogensucht, nämlich fürchterlich – Finanzieller Sprengstoff: die Sozialsysteme und die Finanzindustrie – Schulden sind keine „Vermögen“, sondern Rückzahlungsverpflichtungen

 Von Prof. Dr. Eberhard Hamer

Warum nehmen die Menschen Drogen? Sie wollen sich damit in einen Rausch versetzen, künstlich fröhlich sein, ihre Sorgen und Mühsal vorübergehend vergessen.  Und warum verschulden wir uns? Um uns jetzt Dinge leisten zu können – Urlaub, Einrichtung, Auto o. a. –, für die wir eigentlich kein Geld haben, deren Genuss wir aber jetzt wollen. Und warum verschulden sich Staaten? Regierungen kommen ins Amt und bleiben nur im Amt, wenn sie Wohltaten an ihre Anhänger und Wähler verteilen oder angeblich höhere Staatsziele (wie z.B. Ökologie, Krieg, Umverteilung, Konzernsubventionierung oder anderes) finanzieren können, die aus den normalen Einnahmen nicht mehr finanzierbar sind. In allen drei Fällen wird Gegenwartskonsum und ein vorübergehend leichteres Leben mit Zukunftsbelastungen erkauft: den Zinsen, der Rückzahlung.

Schuldenaufnahme für amtierende Politiker ein bequemer Gegenwartsvorteil

Nach dem Drogen- oder Schuldenrausch kommt immer die Ernüchterungsphase des Entzugs oder der Schuldenrückzahlung. Da aber unsere Politik nur in Vier-Jahres-Zyklen (Legislaturperioden) denkt und auch die Wähler immer kurzfristiger (und kurzsichtiger) reagieren, erscheint die Befriedigung kurzfristiger Bedürfnisse oder die Überwindung kurzfristiger politischer Schwierigkeiten durch Schuldenaufnahme ein Gegenwartsvorteil, dessen Folgen erst eine nächste Regierung bewältigen muss.

Schulden schönfärberisch hingestellt als „Sondervermögen“

Inzwischen ist Schuldenaufnahme so häufig und so groß und so üblich, dass sie von den Schuldenpolitikern bereits als „Sondervermögen“ hingestellt wird, also eigentlich nicht als fremde Ansprüche gegen den Schuldner, sondern als Ansprüche der Schuldner, das „Vermögen“ flott auszugeben. Der amerikanische Finanzier Georges Soros und das Großkapital sehen die Schulden sogar als dauernd an und sprechen von „ewigen Schulden“, deren Rückzahlung nie mehr geschieht, sondern entweder durch Systemänderung (Finanz-Crash) oder durch Kriege beseitigt werden sollten.

Regierungen denken immer nur an Weiterverschuldung

Die USA haben 37 Billionen Dollar Schulden, die kontinuierlich um 2 Milliarden jährlich wachsen und denen der amerikanische Kongress immer zustimmt. Allein die Zinszahlungen machen jährlich über eine Billion Dollar aus. Dennoch denkt keine Regierung an eine Bereinigung, sondern immer nur an Weiterverschuldung. Die Ukraine ist mit mehr als 1 Billion Euro überschuldet[1]. Diese Ukraine-Schulden werden von westlichen Banken, Hedgefonds und Anlegern als Wertpapiere gehalten. Würde die längst überschuldete Ukraine die Zinsen nicht mehr aus neuen Krediten zahlen können, wäre sie bankrott und ihre Schulden wertlos, was ein Finanzbeben in Europa und darüber hinaus auslösen würde. Deshalb fühlen sich die kriegswilligen Europäer gezwungen, der Ukraine ständig Gelder nachzuschießen, um deren Zinszahlungen und damit den Scheinwert ihrer Schulden aufrechtzuerhalten.

Die EU mit 2,5 Billionen Euro Schulden, obwohl sie keine aufnehmen darf

Die EU hat auf der Einnahmeseite nur die Beiträge der Mitgliedsstaaten zur Verfügung, nicht aber eigene Steuern. Sie darf also nach ihrer Satzung auch keine Schulden aufnehmen. Dennoch haben Macron/Merkel der EU schon 2013 die Aufnahme von 500 Milliarden Euro „Green Deal“-Schulden genehmigt, für welche die Mitgliedsstaaten haften. Das Ganze wurde noch einmal mit einem European Monetary Fonds (EMF) verschleiert. Bei den nächsten Schuldenaufnahmen der EU mit über 1 Billion wurde dieses Feigenblatt schon nicht mehr bemüht. Inzwischen hat die EU 2,5 Billionen Schulden, ohne zu wissen, von wem und woraus sie je zurückzuzahlen wären. Im Gegenteil: Sie will weitere 720 Milliarden Schulden für Kriegskosten in der Ukraine aufnehmen. Nach dem ersten Sündenfall der Verschuldung 2013 geht die Verschuldung immer schneller, immer höher, immer hemmungsloser weiter. Dies gilt auch für die meisten EU-Länder selbst. Griechenland war bereits mehrmals pleite und musste immer wieder gerettet werden. Italien, Spanien, Frankreich sind bereits ebenfalls mit mehr als zweieinhalb Billionen Euro verschuldet und können nur überleben, weil die EU ihnen – aus deren Schulden – jährlich Liquiditätshilfen leistet.

Die bisher größte Verschuldung Deutschlands mit Merz als Kanzler

Deutschland hatte bisher relativ weniger Schulden als die anderen EU-Länder, weil es eine Schuldenbremse besaß. Am „nicht weiter Schulden Aufnehmen-Können“ von nur 13 Milliarden Euro ist die Ampel-Regierung unter Kanzler Scholz gescheitert: Nachfolgekanzler Merz hat deshalb sowohl die Schuldenbremse aufgelöst als auch die größte Verschuldung Deutschlands mit mehr als 1 Billion Euro beschließen lassen. Er will als fröhlicher Schuldenkanzler mehr als 500 Milliarden in unproduktive Rüstung versenken, mit 100 Milliarden ebenso unsinnige Öko-Projekte subventionieren und unsere Großunternehmen mit Subventionen sowie Abschreibungsgeschenken beglücken. Dabei hat er vergessen, dass die Sozialsysteme vor dem Zusammenbruch stehen und ebenso viele Milliarden brauchen und dass ein Wirtschaftsaufschwung nicht durch Subventionen an Konzerne und Sozialleistungen an Bürgergeldbezieher entsteht, sondern nur durch einen zahlreichen und starken Mittelstand, den er nicht fördert.

Die Folgen von Überschuldung müssen stets die Bürger tragen, nicht ihre Politiker

Ebenso wie der Drogensüchtige nicht selbst an die Folgen seiner Sucht denkt, sondern nur seine Familie und die Therapeuten die Entzugsfolgen voraussehen, glauben auch die Schuldenpolitiker (weil sie ja mit Schulden vermeintlich „Vermögen“ schaffen) nicht an ein bitteres Ende ihrer Schuldenorgie, zumal sie nicht persönlich haften und nach vier Jahren sogar mit Maxi-Pensionen lebenslang für ihre Untaten belohnt werden. Die Folgen der Geldentwertung durch Verschuldung – steigende Inflation – haben die Bürger zu tragen. Und wenn ein Staat bankrottgeht, verlieren nur die Bürger ihren Wohlstand und ihr Vermögen, nicht aber die Politiker ihre Pensionen. Für Politiker ist es daher einseitiger Vorteil, den Staat weiter zu verschulden, wenn auch bisher keiner Deutschland so rücksichtslos verschuldet hat wie Merz.

Die Überlastung mit Schulden überlastet auch deren Zins- und Rückzahlung

Zwangsläufige Folge weiterer Verschuldung ist eine zwangsläufig steigende Zinslast. Für 2,7 Billionen Euro (2024) deutsche Staatsschulden müssen schon jetzt rund 40 Milliarden Zinsen bezahlt werden. Durch die Maxi-Verschuldung von Merz würde sich dieser Betrag auf über 60 Milliarden erhöhen – ohne Rückzahlung, die künftig noch hinzuzurechnen wäre. Aber darüber hinaus hat bei einem Bundeshaushalt von rund 400 Milliarden die Merz-Regierung auch noch Nato-Beiträge von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) = 225 Milliarden jährlich zugesagt. Die Schuldenregierung-Merz zahlt für alles, zahlt am meisten[2] und kennt keine Schuldengrenzen mehr.

Eines ist sicher: Schuldensucht endet wie Drogensucht, nämlich fürchterlich

Bei einem Drogensüchtigen ist nie sicher, wie lange die Trance der Sucht dauert. Und auch bei galoppierender Schuldenaufnahme ist nicht klar, wie lange der Staat noch das Geld für seine Verschuldung bekommt. Sicher ist nur, dass die Schuldenaufnahme wie die Drogensucht irgendwann fürchterlich endet. Anzeichen dafür gab es bereits:  Im Herbst 2025 wollte die Bundesbank die „Digitalisierung der Währung“ prüfen, woraus eine Währungsreform werden könnte mit Abwertung der alten Währung und entsprechenden Vermögensenteignungen (Lastenausgleich). Es könnten aber auch außerdeutsche Ereignisse, etwa ein Finanzkollaps in den USA oder einem anderen wichtigen Industrieland Crash-Wellen durch die Welt schicken und wieder eine Generalabwertung mit Vermögensverlusten erzwingen. Auch Kriege sind bisher immer zu Generalabrechnungen benutzt worden, wenn die Kämpfer einseitig oder zweiseitig erschöpft waren. Kriegskanzler Merz wollte ja nicht nur „die Führung Europas im Ukraine-Krieg“, sondern auch die Finanzierung dieses Krieges führend übernehmen.

Finanzieller Sprengstoff: die Sozialsysteme und die Finanzindustrie

Und Sprengstoff für Staaten und Finanzsysteme liegen auch in allen Sozialsystemen, weil die Zahl der Anspruchsteller vor allem in Deutschland dramatisch steigt, die Zahl der zahlenden Leistungsträger aber abnimmt. Schon jetzt muss der Staat ein Drittel der Sozialkosten aus Steuern hinzufinanzieren (über 120 Milliarden Euro), und die Politiker trauen sich nicht an eine Reform der Sozialsysteme, weil sie dann deren drohenden Finanzkonkurs öffentlich bekennen müssten. Zusätzlich haben die Banken der Welt in den letzten Jahren üppig von Spekulationen gelebt. Allein in den USA sind die Derivatevolumengeschäfte – man nennt sie auch „Massenvernichtungswaffen der Finanzindustrie“ – auf 250 Billionen Dollar gestiegen bei nicht einmal 5 Prozent Eigenkapital der Banken, die diese Risiken halten.

Schulden sind keine „Vermögen“, sondern Rückzahlungsverpflichtungen

Eine plötzliche Zwangskorrektur unserer Weltschuldenorgie ist jederzeit möglich, sie ist auch irgendwann sicher und unvermeidlich. Schulden sind eben kein „Vermögen“, sondern Rückzahlungsverpflichtungen. Inzwischen ist Deutschland aber durch Haftungsübernahme für die Schulden Europas (2,5 Bio. Euro), der europäischen Mitgliedsländer, Target (1 Bio. Euro) und den Ukraine-Krieg (1 Bio. Euro) nicht mehr schuldenbegrenzt, sondern zwangsläufig in allen Krisen verhaftet. Unsere Politiker haben uns verantwortungslos in Vermögens- und Existenzrisiken getrieben, Merz sogar ins Maxi-Risiko. Wir haben es aber geschehen lassen und dürfen uns im Crash nicht beklagen, wenn wir dadurch Geld und Vermögen verlieren.

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[1] Allein 600 Milliarden Schulden hat Soros vor dem Krieg für 25 Milliarden Dollar aufgekauft und in hunderte Fonds der Welt eingeschleust

[2] Z.B. auch bei UNO und anderen internationalen Organisationen sowie Entwicklungshilfe

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Professor Dr. Eberhard Hamer, Mittelstandsinstitut Niedersachsen e.V., ist Autor von mehr als 30 Büchern und rund 1000 Aufsätzen. Er hat Volkswirtschaft, Rechtswissenschaften und Theologie studiert mit dem Abschluss als Dr. rer. pol. Danach ist er mit Zulassung als Rechtsanwalt in einem Unternehmen tätig gewesen. 1975 hat er das Mittelstandsinstitut Niedersachsen e.V. gegründet. Als er einen Ruf an die Fachhochschule Bielefeld erhielt, lehrte er dort als Professor für Wirtschafts- und Finanzpolitik bis zu seinem Ruhestand 1994. Er gilt als führender deutscher Mittelstandsforscher. – Die Zwischenüberschriften in seinem Beitrag sind von mir eingefügt.

Klaus Peter Krause: Copyright, Haftungsausschluss, Impressum hier.

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