Mit Geld zur Weltherrschaft

Aha, Verschwörungstheorie. Leider nein – Unser beliebig vermehrbares Geld aus dem Nichts – Entkommen möglich, aber nur vielleicht – Wenn es einen freien Markt für Geld gäbe – Was alle Staaten eint: der demokratische Sozialismus – Die Privatrechtsgesellschaft als Gegenentwurf – Ein staatliches Monopol für Recht und Sicherheit ist nicht zwingend notwendig – Über das richtige Denken und das Glück der Ungleichheit – Was mit einem einheitlichen Fiat-Weltgeld droht –  Das neue Buch des Ökonomen Thorsten Polleit

Steter Tropfen höhlt den Stein. Immer mehr Menschen geht ein Licht darüber auf, was mit unserem Geldsystem los ist: Nichts ist mit ihm los, gar nichts. Es sind aufgeweckte Bürger, die dieses Licht sehen, aufgeweckt im wahrsten Sinn des Wortes. Einer von denen, die sich am Aufwecken beteiligen, ist der Ökonom Thorsten Polleit. Ein höhlender Tropfen ist auch sein jüngstes Buch.*) Ein Tropfen? Nein, ein Wasserschwall, ein Hochdruckreiniger.

Unser beliebig vermehrbares Geld aus dem Nichts

Durch Polleit und viele andere Aufklärer erfahren und wissen immer mehr Menschen: Unser Geld entsteht durch Kreditvergabe aus dem Nichts und auf Knopfdruck per Computer. Jeder zur Verfügung gestellte Kredit ist sofort Geld und Kaufkraft. Münzen aus Metall prägen und Geldscheine („Banknoten“) drucken, ist gar nicht mehr nötig, es geht auch ohne. Aus dem einst sachwertgedecktem Geld ist Schuldgeld geworden. Dieses Geld, auch Fiat-Geld genannt, ist beliebig vermehrbar und kann nachfragewirksam verwendet werden. Die Geldmenge lässt sich ins Astronomische steigern. Weil das Gleiche mit der Gütermenge nicht geht und schon gar nicht so schnell, baut sich durch das Aufblähen der Geldmenge auf lange Sicht ein gewaltiges Inflationspotential auf. In dieser Lage sind wir jetzt. Global.

Das Coronavirus als Brandbeschleuniger und ausersehener Prügelknabe

Als Brandbeschleuniger und ausersehener Prügelknabe zugleich fungiert derzeit auch die „Plandemie“ des Coronavirus‘ mit den staatlich überall angeordneten, freiheitsbeschränkende Schutzmaßnahmen. Diesem Virus soll der letztlich unausweichliche und der prognostizierte, in Bälde bevorstehende Zusammenbruch des Schuldgeldsystems mit seinen für die Menschen desaströsen wirtschaftlichen und politischen Folgen augenscheinlich in die Schuhe geschoben werden (siehe u.a. hier, hier und hier). Die führenden Figuren und Gruppierungen in Finanzwelt und Politik wollen als Unschuldslämmer ungeschoren davonkommen.

Aha, Verschwörungstheorie? Leider nein

Aber um diese ganz offensichtlich konstruierte Corona-Pandemie geht es in Polleits Buch nicht, sie kommt darin mit keinem Wort vor. Sie ist aber Teil des großen Zusammenhangs und spielt die ihr zugewiesene Rolle. In seinem Buch geht es sogar um mehr als „nur“ um den vorhersehbaren Zusammenbruch des Schuldgeldsystems, es geht um die durch dieses System drohende Weltherrschaft. Aha, Verschwörungstheorie. Leider nein. Nicht –theorie, sondern Verschwörungspraxis.

Entkommen möglich, aber nur vielleicht

Können wir dem Drohenden noch entkommen? Vielleicht. Hoffnungsvoll nämlich klingt im Untertitel des Buches die Formulierung „… und wie wir mit besserem Geld eine bessere Welt schaffen können“. Also immerhin können. Aber schaffen wir das? Können wir es durchsetzen? Dafür müsste eine wirklich große Mehrheit von Bürgern dieses Buch und andere einschlägige Aufklärungen lesen und verstehen. Vor allem verstehen wollen. Daran noch hapert es. Zuversichtliche Zeichen immerhin sind in Deutschland die beiden großen „Querdenken“-Demonstrationen als „Tag der Freiheit“ am 1. und 29. August 2020 in Berlin. Denn unsere Freiheit steht in der Tat auf dem Spiel, jedenfalls das, was von ihr noch übrig ist.

Wenn es einen freien Markt für Geld gäbe …

Wie der Buchtitel besagt, geht es um Geld. Und es geht um das überall herrschende Geldsystem. „Steilvorlagen“ für sein Buch, so Polleit in der Einleitung, seien die Vorstöße des Social-Media-Giganten Facebook, eine Weltwährung herausgeben zu wollen, und des Gouverneurs der britischen Zentralbank, Mark Carney, die Zentralbanken sollten eine gemeinsame digitale Weltwährung  ins Werk setzen. Schön, meint Polleit, wäre ein einheitliches Weltgeld durchaus – wenn es denn einen freien Markt für Geld gäbe und sich dieses Geld dort freiwillig herausbilden würde. Ökonomisch sei das optimal. Dann nämlich würde die produktive Wirkung des Geldes bestmöglich ausgeschöpft.

Was alle Staaten eint: der demokratische Sozialismus

Aber die irdische Wirklichkeit sieht anders aus. Weder gibt es auf dem Globus ein System wirklich freier Märkte noch – und das schon gar nicht – einen freien Markt für Geld. Die Staaten beanspruchen für sich das Geldmonopol und haben es sich verschafft: „Alles ist von den Staaten ganz maßgeblich (mit-)bestimmt und (mit-)gesteuert.“ Das sei kein Zufall, konstatiert Polleit: „Sie alle eint der demokratische Sozialismus. Er ist in den letzten Jahrzehnten zur weltweit mächtigsten politischen Ideologie aufgestiegen.“ Er halte alle, die ihm folgten, dazu an, das System der freien Märkte nach und nach aufzuheben und es durch staatliche Lenkungs- und Befehlswirtschaft, durch eine staatlich geplante Wirtschaft zu ersetzen. Hinter ihm versammelt seien viele Interessen, „die teilweise ganz unterschiedliche Ziele zu verfolgen scheinen“. Sein Programm sei nicht national oder auf Regionen beschränkt. Von seinem Wesen her beanspruche sein Programm weltweite Geltung. Es ziele ab auf Weltherrschaft, auf eine Weltregierung, auf einen Weltstaat.

Die Privatrechtsgesellschaft als Gegenentwurf

Der Gegenentwurf zum demokratischen Sozialismus ist für Polleit die „Privatrechtsgesellschaft“. Sie sei der konsequente Aus- und Lösungsweg, um dem zerstörerischen Wirken des demokratischen Sozialismus ein Ende zu setzen.  Aber Immerhin jedoch bedeute dessen Weltherrschaftsanspruch nicht, dass er notwendigerweise realisiert werden könne. Es gebe so gesehen keinen zwingenden Grund, in Pessimismus zu verfallen. Allerdings müsse sich Wesentliches im Denken und Handeln der Menschen ändern, damit der demokratische Sozialismus letztlich nicht doch den Sieg davontrage und zur Weltherrschaft gelange.

Ein staatliches Monopol für Recht und Sicherheit ist nicht zwingend notwendig

Diese Privatrechtsgesellschaft skizziert Polleit im letzten Buchkapitel, nachdem er dort – als „Lichtblick“ gegenüber dem staatlichen Geldmonopol – den freien Markt für Geld erklärt  hat. Sie sei zum „Staat (wie wir ihn heute kennen)“ der Gegenentwurf. Der Staat von heute sei kein unvermeidbares Übel, dass man notgedrungen und zähneknirschend hinnehmen müsse, weil es ohne ihn nicht gehe, weil es ohne ihn weder Recht noch Sicherheit geben könne. Zwar liege der Schluss nahe, dass der Staat unverzichtbar sei, aber: „Werden die Güter Recht und Sicherheit nachgefragt, weil sie als notwendig und unverzichtbar angesehen werden, heißt das noch nicht, dass nur der Staat (wie wir ihn heute kennen) diese Güter bereitstellen kann. Vielmehr können Recht und Sicherheit auch – und übrigens besser und wirtschaftlicher – im freien Markt organisiert und produziert werden.“ Ein Zwangsmonopol sei dafür nicht erforderlich. Näheres dazu möge man im Buch selbst lesen, es würde sonst den Platzrahmen einer Buchvorstellung sprengen. .

Über das richtige Denken und das Glück der Ungleichheit

Auch philosophiert wird in dem Buch, gleich in seinem ersten Teil. Dort werden für den Hauptteil ein paar Grundlagen gelegt. „Vorarbeiten“ nennt es Polleit in dessen Überschrift. Es sind die ersten elf Kapitel des Buches. Der Leser erfährt etwas über das richtige Denken (die Logik); über die Bedeutung der logisch unbestreitbar wahren Aussage „Der Mensch handelt“; über das Privateigentum, das sich nicht wegdenken lasse; über die Rolle der Theorie; über das Glück der Ungleichheit als Triebfeder der Zivilisation; über das Geld als Perfektionierung des Tausches; über den Staat als dezivilisierende Kraft; über die staatliche Geldverschlechterung (Ersatz des Warengeldes durch Fiat-Geld); über das, was das Fiat-Geld anrichtet; über die destruktive Ideologie des demokratischen Sozialismus; und schließlich im elften Kapitel über das verlässliche Abschätzen der Folgen menschlicher Handlungen. Jedes dieser Kapitel geht nahtlos und folgerichtig in das nächste über. Ein realistisches gedankliches Fundament.

Ein gescheiterter  und ein gelungener Versuch für ein Einheitsgeld

Elf weitere Kapitel bilden den Hauptteil des Buches. Erklärt wird der Drang des demokratischen Sozialismus zu einem einheitlichen Weltstaat, zu einer Weltregierung mit einheitlichem Fiat-Geld. Dem entgegenstehen aber die Nationen, die Sprach- und Wertegemeinschaften. Deshalb versuchen die demokratischen Sozialisten, die Nationen und das Nationalitätenprinzip zu überwinden. Dafür setzen sie auch die Migration ein. Eine oligarchische Führungsgruppe macht die Demokratie zur Illusion und ist beseelt von einen besonders großen Anreiz, einheitliches Fiat-Weltgeld zu schaffen, um damit dem Ziel einer Weltregierung in einem Weltstaat näherzukommen. Der erste, aber gescheiterte Versuch, ein solches Weltgeld zu schaffen, ist das System von Bretton Woods und der Dollar-Imperialismus. Gelungen dagegen ist der Feldzug gegen die Währungsvielfalt in der Europäischen Union, dessen Ergebnis das Einheitsgeld Euro mit seinen Folgeschäden ist. (Buchkapitel 12 bis 17).

Was mit einem einheitlichen Fiat-Weltgeld droht

Die restliche Hälfte es Hauptteils befasst sich mit der (un)heimlichen Macht des Welt-Zentralbanken-Kartells (Kapitel 18) sowie mit den Vorschlägen für ein Weltgeld wie Bancor, Unitas, US-Dollar, INTOR und Libra (Kapitel 19). Dann beschreibt Polleit die Folgen eines einheitlichen Fiat-Weltgeldes. Dabei verweist er auf die Erfahrungen mit dem einheitlichen Euro-Fiatgeld. Seine zusammenfassende Warnung für diese „Dystopie“: „Ein einheitliches Fiat-Weltgeld würde Freiheit und Prosperität auf diesem Planeten in einem Ausmaß bedrohen, wie es sich viele heute vermutlich noch gar nicht vorstellen können: Mit einem einheitlichen Fiat-Weltgeld wäre der Weg in einen totalitären Weltstaat offen.“ (Kapitel 20)  Dagegen könne das Aufkommen von Krypto-Währungen der entscheidende technische Aufbruch (Disruption) dahin sein, „einen freien Markt für Geld zu eröffnen und das Errichten eines Weltstaates unmöglich zu machen“. (Kapitel 21). Ein freier Markt für Geld stelle den Menschen das bestmögliche Geld bereit und würde eine Privatrechtsgesellschaft, in der für alle das gleiche Recht gelte, möglich machen. (Kapitel 22).

In einem  Anhang geht Polleit der Frage nach „Wie ist es möglich, dass die apriorischen Kategorien des menschlichen Handelns, die dem menschlichen Erkenntnisvermögen (Geist oder Verstand) entstammen, mit der wirklichen Lebenswelt übereinstimmen?“ Oder anders gefragt: Wie können diese Kategorien Erkenntnisse über die reale Lebenswelt bereitstellen?

Was die Mainstream-Volkswirtschaftslehre missachtet

„Eine bessere Welt ist möglich“, verspricht der Epilog. Das gehe nur mit Aufklärung. Polleit zitiert Kant: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Und dann  dessen bekannten Leitspruch „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Auf die Volkswirtschaftslehre übertragen und in die Tat umsetzen heiße das: „Mit unvoreingenommener logischer Denkarbeit zur Einsicht kommen, dass die Volkswirtschaftslehre keine Erfahrungswissenschaft, sondern eine apriorische Handlungswissenschaft ist.“ Sie gewinne ihre Theorien nicht durch ‚Testen‘, sondern durch strenges handlungslogisches Denken. Dieses Denken sei auch der Prüfmaßstab, um die Richtigkeit oder Falschheit von Theorie abschließend beurteilen zu können. Aber in den heutigen Sozial-  und Wirtschaftswissenschaften würden a priori-Erkenntnisse zurückgewiesen: „Man ignoriert oder verwirft die Einsicht, dass es im Bereich des menschlichen Handelns unumstößliche Gesetzmäßigkeiten gibt, die sich mit logischem Denken ergründen und begründen lassen.“ Verstehe und betreibe man die Volkswirtschaft in diesem Sinn, werde dem Treiben des demokratischen Sozialismus‘ der Boden entzogen. Polleits Buch steht ganz auf dem Boden der österreichischen oder Wiener Schule der Nationalökonomie, die in Politik und Lehre in Deutschland folgenschwer missachtet wird. Einer der ihren (Ludwig von Mises) kommt häufig zu Wort.**)

Die Adressaten des Buches

Das Buch richtet sich, wie Polleit schreibt an Nicht-Ökonomen, an interessierte Laien. Sie lernen von dem Buch viel, wenn sie das Lernangebot anzunehmen bereit sind. Polleit hofft aber auch auf Fachleute, „die sich den hier ausgebreiteten Argumenten gegenüber öffnen und sie dann weitertragen wollen“. Für den einfachen Normalbürger mag das Buch zu anspruchsvoll sein. Es träfe ihn auch völlig unvorbereitet. Er ist schon dauerhaft desinformiert; seine landläufigen Medien schwimmen mit im Strom des demokratischen Sozialismus und der Desinformation. Ohnehin wird das Buch kaum in seine Hände geraten. Dieser Normalbürger aber ist die Mehrheit, und nur mit dieser Mehrheit ließe sich das Fiat- und Schuldgeldsystem samt demokratischem Sozialismus zum Teufel jagen.

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*)  Thorsten Polleit:. Mit Geld zur Weltherrschaft. Warum unser Geld uns in einen dystopischen Weltstaat führt – und wie wir mit besserem Geld eine bessere Welt schaffen können. Finanzbuch Verlag, München 2020. 221 Seiten. 17,99 Euro.

Siehe ergänzend hierzu die Bücher Crashkurs Geld von Andreas Marquart (https://kpkrause.de/2019/09/09/das-bessere-geld/#more-9583) und Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden und welche Rolle der Staat und das Papiergeld dabei spielen von Philipp Bagus und Andreas Marquart (https://kpkrause.de/2014/12/07/dem-staat-das-geldmonopol-entreisen/).

**)  Näheres über Ludwig von Mises vermittelt das Ludwig-von-Mises-Institut Deutschland hier.

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Ein Kommentar zu „Mit Geld zur Weltherrschaft“

  1. Einstweilen werden andere Bücher benötigt. Bücher, die sich mit der Frage beschäftigen, wie wir durch Obstruktion die Neue Weltordnung aktiv zersetzen und zu einem grandiosen Misserfolg transformieren können. Dem Scheitern der Installation der Neuen Weltordnung scheinen mir zu viele „Wenn“ im Wege zu stehen. Mir begegnen im Alltag einfach viel zu viele Leute, die weder dieses Buch lesen werden, noch eine Ahnung von der Existenz eines existenziellen Problems unserer Gesellschaft haben. Versuche, an dieser Unwissenheit etwas zu ändern, führen meist schnell zu Widerstand. Man kommt da nicht weit.

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