Ein Narr genügt

Einem Atomkrieg noch nie so nahe wie jetzt im Zusammenhang mit der Ukraine – Der Amerikaner Paul Craig Roberts über die Hybris der politischen Führung in den USA – Ihre Kriege haben die USA (mit zwei Ausnahmen) nur in anderen Ländern geführt – In der Ukraine einen Staatsstreich inszeniert, den Konflikt angeheizt, Russland dämonisiert – Der große globale Militarist und Kriegsbetreiber sind die USA

„Ein Narr genügt – und in Washington gibt es Tausende davon – um alles Leben auf der Erde in 45 Minuten auszulöschen. Der neokonservative Irrglaube, die USA seien das von der Geschichte auserwählte Land, das die Erde beherrschen müsse, ist ein von Arroganz und Hybris geprägter Wahn, der nur in den Krieg führen kann.“

(Paul Craig Roberts 2014 (Militarist Bunkum, Institute for Political Economy, 19. Mai 2014, hier). Der amerikanische Ökonom und Publizist Roberts war Mitherausgeber des Wall Street Journal und unter Ronald Reagan stellvertretender USA-Finanzminister).

Die Äußerung von Roberts hatte damals ebenfalls mit der Ukraine zu tun. Sie kennzeichnet eine Bedrohung, wie sie heute nun durch alle Kriegsbeteiligten in der und um die Ukraine auf beklemmende, angsterregende Weise sehr aktuell geworden und nahegerückt ist. Auch legt sie offen, wer der eigentliche Aggressor im Hintergrund ist.  Sie steht am Ende eines Artikels mit der Überschrift „Militarist Bumkum“, also „Militaristischer Humbug“. Treffender wären Worte wie Wahn, verantwortungsloser Leichtsinn und  Spiel mit dem Feuer.

Wieder einmal schlafwandelnd in den Krieg, diesmal in einen Nuklear-Krieg

Aber nur Spiel? Am 8. April 2022 hat Roberts in einem weiteren Beitrag abermals aufzurütteln versucht: „Nuclear War Is On The Horizon“. Darin schreibt er: „Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass die USA/die Nato einen Weg eingeschlagen haben, der direkt zu einem Atomkrieg führt. Da nichts, was außerhalb des Narrativs liegt, in der westlichen Welt veröffentlicht oder diskutiert werden kann, kann nichts getan werden, um diesen wahnsinnigen Drang in einen Atomkrieg zu stoppen. Es ist nicht einmal möglich, diese Bedrohung in westlichen außenpolitischen Kreisen zu diskutieren. Wieder schlafwandelt die Welt in den Krieg, aber dieser Krieg wird nuklear und der letzte Krieg sein.“ Der ganze Text des Beitrags hier.

Wer nicht schlafwandelt, sind die USA

Mögen andere in den Krieg „schlafwandeln“, die USA schlafwandeln nicht. Welche Rolle sie wirklich spielen, zeigt Roberts an ihren vielen kriegerischen Aggressionen der jüngeren Vergangenheit auf und zitiert die folgende Feststellung einer neunköpfigen amerikanischen Forschergruppe: „Die USA haben zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und 2001 insgesamt 201 Militäroperationen im Ausland durchgeführt, und danach machten sie weiter – nicht nur in Afghanistan und im Irak.“ (American Journal of Public Health, Juni-Ausgabe 2014). Roberts konstatiert: „Keiner dieser Kriege und keine dieser Militäroperationen hatte irgendetwas mit der Verteidigung der Bevölkerung der USA gegen Bedrohungen aus dem Ausland zu tun. Noch nicht einmal von Japan oder Deutschland ging eine Bedrohung für die USA aus. Keiner der beiden Staaten wollte in die USA einmarschieren; dafür gab es noch nicht einmal Pläne.“

Ihre Kriege haben die USA fast nur in anderen Ländern geführt

Roberts weiter: „Die USA haben ihre Kriege fast ausschließlich in anderen Ländern geführt – in Kuba, Haiti, Mexiko, auf den Philippinen, in Japan, Deutschland, Korea, Vietnam, Panama, Afghanistan, im Irak, in Libyen, Syrien und Somalia. Washington greift sogar Länder an, mit denen die USA nicht im Krieg liegen – wie Pakistan und den Jemen – und lässt in anderen Stell­vertreterkriege führen. … Das Imperium geht über Leichen. Das war schon immer das vorherrschende Prinzip Washingtons.“ Der einzige auf amerikanischem Boden ausgefochtene Krieg sei der Sezessionskrieg gegen die amerikanischen Südstaaten gewesen. Der andere Krieg auf eigenem Boden war die Ausrottung der heimischen Indianer.

„Die schlimmsten Feinde der Amerikaner, sind ihre eigenen Präsidenten“

Die schlimmsten Feinde der amerikanischen Bürger im 21. Jahrhundert seien, so Roberts, nicht Al-Qaida, Iran, Russland oder China, sondern:  „Unsere schlimmsten Feinde sind unsere eigenen Präsidenten, die sich schon wiederholt darauf berufen haben, dass ihnen der selbst inszenierte „Krieg gegen den Terror“ das Recht gibt, die Bürgerrechte außer Kraft zu setzen, die unsere Verfassung jedem US-Bürger garantiert.“

Eine Bedrohung für jeden Bewohner des Planeten Erde

Die unrechtmäßige Macht, die sich das Büro des Präsidenten angeeignet habe, sei nicht nur eine Bedrohung für alle amerikanischen Bürger, sondern für jeden Bewohner des Planeten Erde. Roberts zitiert jene neunköpfige Forschergruppe noch einmal: „Rund 17.300 US-Atomwaffen sind gegenwärtig in mindestens neun Ländern stationiert; viele davon sind einsatzbereit und könnten ihre Ziele innerhalb von 45 Minuten erreichen.“

Verabschiedet vom Einhalten der amerikanischen Gesetze und des Völkerrechts

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts – eigentlich schon seit Beginn des Clinton-Regimes Ende des 20. Jahrhunderts – habe sich die Exekutive von der Einhaltung der amerikanischen Gesetze und des Völkerrechts verabschiedet und habe auch die Achtung vor der Verfassung, dem Kongress und der Justiz aufgegeben. Zunehmend habe sich die Exekutive in eine Tyrannei verwandelt, die sich über die amerikanische Gesetze und das Völkerrecht stelle.

In der Ukraine einen Staatsstreich inszeniert, den Konflikt angeheizt, Russland dämonisiert

Die amerikanische Regierung habe in der Ukraine einen Staatsstreich inszeniert, um eine gewählte Regierung stürzen und ein Marionettenregime installieren zu können. Ihre  Handlanger hätten sofort Drohungen gegen Russland und die russisch sprechende Bevölkerung in der Ukraine ausgestoßen. Das habe dazu geführt, dass Teile der Ukraine, die früher zu Russland gehört hätten, ihre Unabhängigkeit erklärt hätten. Die amerikanische Regierung versuche Russland die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben und heize den Konflikt immer weiter an, indem es Russland dämonisiere und Truppen in die baltischen und andere osteuropäische Staaten entsende. Dies alles geschrieben im Mai 2014, nur wenig später, als sich Russland die Krim zurückgeholt hatte.

Der große globale Militarist und Kriegsbetreiber sind die USA

Es war schon immer so: Schöne neue Waffentechniken wollen ausprobiert,  produzierte Waffen „konsumiert“ sein, ausprobiert nicht nur auf militärischem Versuchsgelände, sondern an irgendwelchen Gegnern, wirklichen oder  auserkorenen, damit die einschlägige Industrie Nachschub produzieren kann. Oder in den Worten von Roberts: „Washington muss den Kalten Krieg wiederbeleben, um die vielen Milliarden Dollar zu rechtfertigen, die es dem militärisch-sicherheitstechnischen Komplex zukommen lässt und die zum Teil wieder als Wahlkampfspenden an die Politiker zurückfließen. Wer die Propaganda Washingtons durchschauen und sich einen Überblick über die tatsächlichen Ereignisse in der Ukraine verschaffen will, kann das unter press.com/LendmanIII.html tun.” Oder noch anders ausgedrückt: Der große globale Militarist und Kriegsbetreiber sind die Vereinigten Staaten von Amerika.

Krieg ist ein verbrecherisches Geschäft

Roberts zitiert den General der amerikanischen Marine-Infanterie Smedley Butler; Krieg sei „ein verbrecherisches Geschäft“. Damit habe Butler ausdrücken wollen, dass sich wenige Kriegsgewinnler am Tod von Millionen Menschen bereicherten. Die Teilnahme der USA am Ersten Weltkrieg habe 21.000 Amerikaner zu neuen Millionären und Milliardären gemacht. Roberts selbst fügt hinzu: Nach dem Artikel im American Journal of Public Health sind allein im 20. Jahrhundert 190 Millionen Menschen direkt und indirekt durch Kriegseinwirkung umgekommen. 190 Millionen Tote sind 60 Millionen mehr Menschen als die gesamte US-Bevölkerung in meinem Geburtsjahr zählte.“

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2 Kommentare zu „Ein Narr genügt“

  1. Und deswegen war der Einmarsch Putins in der Ukraine, mit all seinen entsetzlichen Folgen, gerechtfertigt? Die Ukraine ist defacto selbst schuld? Und, wer droht denn mit dem Einsatz von Kernwaffen in diesem Konflikt, Russland oder die USA?

  2. Verbindungen in die Ukraine
    Busbetreiber Flixbus fährt wieder nach Kiew
    So 17.04.22 | 17:48 Uhr
    rbb24.de/politik/thema/Ukraine/beitraege/flixbus-fahrten-ukraine-wiederaufnahme.html
    „Die Sicherheit unserer Fahrgäste und Fahrer hat für uns oberste Priorität“, erklärte der Regionalleiter Michal Lehmann. „Wir haben auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, um einige unserer Strecken, insbesondere in die ukrainische Hauptstadt, wieder aufzunehmen.“
    dz-g.ru/Und-woechentlich-gruesst-Benjamin-Fulford

    Offensichtlich handelt es sich weder um ein Ostermärchen noch um einen verspäteten Scherz zum 1. April, sondern um schlichte Wahrheit.

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