Wenn “bad news” auch “good news” sind

2019 war ein Jahr mit den wenigsten neuen Windstrom-Anlagen seit über zwei Jahrzehnten – Für die Stromverbraucher ein Hoffnungsschimmer, für die einschlägige Branche Anlass zu Krisenrufen – Die Energiewende: Schicksalsschlag, Verhängnis, Heimsuchung – Die subventionierte Windstrom-Branche ist zu Recht gefährdet und sollte ihr nicht entrinnen dürfen – Die unterschiedlichen Wahrnehmungen

Es gibt gelegentlich auch gute Nachrichten, also Nachrichten, die erfreulich sind, aber leider selten. Eine solche ist die, dass in Deutschland der Bau neuer Land-Windstromanlagen im abgelaufenen Jahr 2019 „auf den tiefsten Stand seit mehr als zwanzig Jahren eingebrochen“ ist. Nur noch 297 Anlagen seien in Betrieb genommen worden (gegenüber 762 im Vorjahr), meldet – nach vorläufigen Zahlen – die Fachagentur Windenergie an Land. Bezogen auf die damit installierte zusätzliche Nennleistung von 940 Megawatt sei das gegenüber 2018 ein Rückgang von mehr als 60 Prozent. Das sind allerdings immer noch 297 Monster und 940 Megawatt zuviel; mit ihrem Bau muss es endlich ganz aufhören. Gleichwohl ist die Nachricht eine erfreuliche, denn der tendenzielle Rückgang macht Hoffnung auf mehr Rückgang, Hoffnung jedenfalls für die Bürger. Sie werden von den Folgen der Klimaschutz- und Energiewende-Politik immer mehr gebeutelt.

Die Energiewende: Schicksalsschlag, Verhängnis, Heimsuchung

Für die deutschen Stromverbraucher ist der von ihnen zwangsweise hochsubventionierte Strom mittels Wind, Sonnenschein und pflanzlichem Gärungsgas ein politisch herbeigeführter Schicksalsschlag, ein Verhängnis, eine Heimsuchung.*) Für Elek­tri­zi­tät müssen sie so viel be­zah­len wie nie zu­vor. Der Strompreis habe das neue Jahr mit ei­nem Re­kordstand be­gon­nen meldete jüngst die FAZ.**). Danach kostet ei­ne Ki­lo­watt­stun­de jetzt durch­schnitt­lich erstmals 30 Cent. Die Windkraft-Branche rührt das nicht. Sie selbst sieht den Rückgang – versteht sich – als Krise und schlägt Alarm. Sie beklagt lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Rechtsverfahren, denn überall gibt es Bürgerinitiativen, die das Errichten von immer mehr Windstromtürmen verhindern wollen, jedenfalls bei sich vor Ort.

Die subventionierte Windstrom-Branche ist zu Recht gefährdet und sollte ihr nicht entrinnen dürfen

Der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers, sorgt sich um das Klimaschutzziel, das Deutschland verfehlen werde, und fabuliert hochgestochen vom „Wertschöpfungsnetzwerk“ der deutschen Windenergie-Branche, das gefährdet sei. Aber eine Branche wie diese ist stets gefährdet und muss es auch sein. Verirrte und verantwortungslose Politiker aller Altparteien haben sie dem Wettbewerb entzogen. Nur durch Subventionierung konnte sie überhaupt entstehen, und nur durch Subventionierung kann sie überhaupt bestehen. Möge sie bitte gefährdet sein und dieser Gefahr nicht entrinnen. Um sie ist es nicht schade. Mit ihr wird per Gesetzeskraft Geld verschleudert, das einzel- und gesamtwirtschaftlich anders weit sinnvoller angelegt wäre als in diesen überaus vielen, überdimensionierten, viele Branchen umfassenden Fehlinvestitionen.

Die unterschiedlichen Wahrnehmungen

Bekanntlich lautet ein etwas zynischer Merksatz unter Journalisten „Good news are bad news“. Übersetzt in den gemeinten Sinn bedeutet der Spruch: Als Nachricht taugen nur Berichte über Unerfreuliches, andere Berichte finden bei den Empfängern kein Interesse, erregen kein Aufsehen und sind Aufreger schon gar nicht. Nachricht ist das Zugunglück, sind nicht die täglich unfallfreien Züge. Nachricht ist der Mord, nicht der unversuchte, ungeschehene. Aber wie passt in dieses Schema die Nachricht vom tiefsten Neubaustand der Windstrom-Monster auf dem Festland? Gehört sie zu den „bad news“ oder zu den „good news“? Sie ist eine Art Zwitter. Ob gute oder schlechte Nachricht, hängt davon ab, wer wie von ihr betroffen ist. Für die Windstrom-Branche ist es eine schlechte. Eben als solche, nämlich wie eine Katastrophe, präsentiert sie sie, und die Mainstream-Medien übernehmen das so, weil sie sich mit Klimaschutz, Energiewende und daher auch mit der Branche identifizieren. Für die Stromverbraucher ist es eine gute Nachricht, weil sie Hoffnung verheißt (wenn wohl auch eine vergebliche). Jeder sieht die Sache aus seiner Perspektive. Der norddeutsche Volksmund sagt zu solchen unterschiedlichen Wahrnehmungen auf Platt: „Wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall.“ ***)

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*) Warum, will ich hier nicht abermals näher ausführen, weil schon oft genug geschehen. Wen das trotzdem interessiert, kann die einschlägigen Beiträge von dieser Web-Seite aus leicht aufrufen. Er muss in der ersten Spalte der Seite unter „Archive“ nur die „Kategorien“ (= Stichworte) Energiewende und/oder Klimaschutzpolitik anklicken. Dann wird ihm alles hingeblättert.

**) FAZ vom 9. Januar 2019, Seite 18.

***) Der Spruch stammt aus dem Buch „Ut mine Stromtid“ des plattdeutschen Schriftstellers Fritz Reuter, der von 1810 bis 1874 lebte.

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Ein Kommentar zu „Wenn “bad news” auch “good news” sind“

  1. Das Ausschreibungsverfahren für Windkraftwerke ist der geniale Trick, um ohne Gesichtsverlust aus der staatlichen Förderung auszusteigen.

    Der Unsinn, dass Windräder nach Ablauf der Förderung abgerissen werden, sollte ebenfalls eingestellt werden. Die sind nach 20 Jahren Betriebszeit und Zwangseinspeisung plus vergütetem NICHT EINGESPEISTEM STROM immer noch unwirtschaftlich!

    Was für ein Narrenschiff !!!

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