Noch mehr Ethanol ins Benzin

Der staatliche Beimischungszwang ist kontraproduktiv und für das mit ihm vorgeblich Gewollte untauglich

Bescherung zu Weihnachten ist etwas Schönes. Aber wenn man sagt „Das ist ja eine schöne Bescherung“ bedeutet sie das Gegenteil. Zwar blüht so eine jetzt zu Weihnachten noch nicht, dafür aber kurz danach mit Jahresbeginn 2011, nämlich den Autofahrern. Dann beginnen die Tankstellen in Deutschland ein Benzin mit dem Beinamen „E10“ zu verkaufen. Das E steht für „Ethanol“ und die 10 bedeutet „10 Prozent“, denn diesem neuen Benzin sind 10 Prozent Ethanol beigemischt – aber alles andere als freiwillig, sondern staatlicherseits, zwangsweise.

Die Zwangsbeglückung aus der EU-Befehlszentrale

Dieser Beimischungszwang kommt aus der besserwisserischen und die Menschen zwangsbeglückenden EU-Befehlszentrale in Brüssel, enthalten in einer Richtlinie, vorgelegt von der EU-Kommission, gebilligt und verabschiedet von der politischen Führung der Mitgliedstaaten im Europäischen Rat und Ministerrat sowie vom EU-Parlament. Diese Richtlinie wird nun umgesetzt in ein deutsches Gesetz, ebenfalls zwangsweise, denn Bundestag und Bundesrat müssen den EU-Richtlinien folgeleisten, sie sind verbindliche Vorgaben.

Die verführerische „Erneuerbarkeit“

Gewonnen wird dieses Ethanol durch alkoholische Gärung aus stärke- und zuckerhaltigen Agrarprodukten wie Mais, Getreide, Zuckerrohr und Zuckerrüben, also aus Rohstoffen, die nachwachsen. Daher wird Ethanol schönfärberisch auch gern als „Bio-Treibstoff“ dargestellt und damit gleichsam heilig gesprochen – ein falscher Heiligenschein, denn Erdöl ist ebenfalls biologischen Ursprungs. Und wegen seiner Herkunft aus nachwachsen Rohstoffen wird Ethanol zugleich mit dem verführerischen Prädikat „erneuerbare Energie“ versehen. Das soll besagen: Diese Energiequelle ist nicht endlich wie der fossile Rohstoff Erdöl, sondern dauerhaft verfügbar, als sei sie also unerschöpflich. Wenn allerdings der Bedarf für solche Energie wächst, braucht man für sie immer mehr Anbauflächen. Die aber sind auf der Erde keineswegs unerschöpflich. Das Gleiche gilt auch und besonders für den Flächenbedarf bei der Stromerzeugung mittels Wind- und Sonnenkraft, weil ihre Leistungsdichte zu gering ist.

Umsonst vorhanden, aber nicht umsonst nutzbar

Überhaupt: „Die Natur kennt keine Erneuerbarkeit. Sie kennt nur den ständigen Wandel. Während Sie diese Zeilen lesen, hat die Sonne mal eben zehn Millionen Tonnen an Masse ’verbrannt’. Die sind weg und erneuern sich nicht.“*)  Auch soll das Wort „erneuerbare Energie“ suggerieren, sie sei unentgeltlich zu haben. Das ist Irreführung, denn: „Energieträger sind zwar umsonst vorhanden, aber nicht umsonst nutzbar.“**)  Was für die Energieträger Erdöl, Erdgas und Uran gilt, gilt auch für die Energieträger Sonne und Wind: nicht umsonst nutzbar, sogar besonders teuer, zu teuer.

Die Beimischung als Klimaschutz – eine fixe Idee

Die EU-Richtlinienvorgabe für Deutschland lautet, der Anteil der „erneuerbaren Energien“ am Energieverbrauch sei bis 2020 auf mindestens 18 Prozent zu bringen (für die anderen EU-Länder sollen es 20 Prozent sein). Zu dieser Vorgabe gehört auch die Beimischung von Ethanol. Sie soll den Verbrauch von Benzin aus Erdöl um 10 Prozent verringern und damit dem Umweltschutz dienen. Die Idee dahinter: Anders als beim Verbrennen des Erdölprodukts wird bei dem von Ethanol nur so viel CO2 freigesetzt, wie die betreffenden Pflanzen zuvor aus der Luft gebunden haben. Da nun die CO2-Emission aus Erdöl-Benzin als vermeintliches „Treibhausgas“ vorgeblich das Erdklima aufheizen hilft, soll der Beimischungszwang das Aufheizen vermindern. Eine fixe Idee. Denn Beweise für das Aufheizen gibt es nicht, nur Modelle, jedoch überzeugende Belege für das Gegenteil, die ich, gestützt auf Naturwissenschaftler, an dieser Stelle schon verschiedentlich vorgetragen habe.

Keine Entlastung der Umwelt, sondern eine Belastung

Doch anders, als es die CO2-Alarmisten und Klimaschützer darstellen, trägt Ethanol zum Umweltschutz nicht bei, sondern belastet die Umwelt auf andere Weise, nämlich vorher, wenn die nachwachsenden Rohstoffe angebaut und verarbeitet werden. Stichworte dafür sind Überdüngung, Versauerung des landwirtschaftlich genutzten Bodens, Verlust der Artenvielfalt, Brandrodungen in tropischen Ländern großen Mengen CO2, Luftverschmutzung durch Russ, Stickoxide, Aerosole und Dioxine. Auch der Naturschutzbund NABU hat gewarnt: „Das könnte dazu führen, dass deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als später durch Biokraftstoffe eingespart wird.“ „Das könnte dazu führen, dass deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als später durch Biokraftstoffe eingespart wird.“ Die Schlussfolgerung lautet: Bio-Treibstoffe sind bei der Lösung des Energieproblems und für den Klimaschutz kontraproduktiv.*)

Die Versorgungssicherheit als Ziel

Das Einsparen von CO2 und der vorgebliche Klimaschutz taugen also als Begründung für den Ethanol-Beimischungszwang nicht. Ohnehin ist seit Jahren bekannt, dass die Treibstofferzeugung aus Pflanzen eine schlechtere Klima- und Ökobilanz hat als im anfänglichen Hochgefühl und politisch grünen Überschwang gedacht. Wenn etliche Staaten trotzdem diese Erzeugung betreiben und ausbauen, dann weil Erdöl nicht unbegrenzt zu haben sein wird und sie beizeiten eine Alternative zur Verfügung haben wollen.

Der Konflikt: Agrarprodukte zur Ernährung oder für den Autotank?

Das immerhin ist nachvollziehbar. Dann aber hat man immer noch dieses Problem am Hals: Der Pflanzenanbau für Treibstoffe steht in Konkurrenz zu dem Anbau für die Ernährung. Der Bedarf an die dafür nötigen Anbauflächen lässt sich nicht unbegrenzt decken. Auch wenn dafür immer mehr tropische Wälder gerodet werden: die Flächen sind endlich. Bei weiter zunehmender Erdbevölkerung sind steigende Preise für Nahrungsmittel die unausweichliche Folge. Daher sind die Ethanolbeimischung und zumal der staatliche Beimischungszwang schon aus diesem Grund höchst fragwürdig und grundsätzlich abzulehnen.

10 Prozent Ethanol vertragen nicht alle Autos

Trotzdem wird es ihn nun geben, die Torheit der Regierenden hat sich wieder einmal durchgesetzt. Zulässig im Benzin ist Ethanol schon seit 1989, wenn auch höchstens mit einem Anteil von 5 Prozent. Aber nun 10 Prozent, zwangsweise. Das freilich vertragen nicht alle Automotoren. Sie stecken in mehr als drei Millionen Autos in Deutschland. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums sollen es bis zu zehn Prozent des deutschen Fahrzeugbestandes ein, die dieses Zeug nicht tanken können. Welche Typen das sind, geht es aus Listen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) und des ADAC auf ihren Web-Seiten hervor.

Das bisherige Benzin nur noch bis 2013

„Bereits eine Tankfüllung kann zu Schäden führen,“ war vom Vorstandsvorsitzenden der europäischen BP Uwe Franke, zu vernehmen. Es könnten, so liest man, Motorschäden entstehen, im schlimmsten Fall könne ein Auto sogar in Brand geraten. Jüngere Fahrzeuge könnten ebenso betroffen sein wie ältere. Deren Fahrer müssen dann das bisherige Benzin mit allenfalls 5 Prozent „Bio-Anteil“ weiterhin tanken. Das aber soll nach den bisherigen Plänen nur noch bis 2013 verkauft werden dürfen. Und was dann? Kaufzwang für andere oder neue Autos? Diese Regierenden hierzuland’ und in der EU sind nicht ganz bei Trost.

Mit Ethanol wird mehr Sprit benötigt

Aber damit nicht genug. Das Fahren mit E10-Sprit wird teurer werden. Denn die Energiedichte von Ethanol ist geringer als die von herkömmlichem Benzin. Je höher dessen Anteil im Benzin, desto mehr Treibstoff benötigen die Motoren. Die Zwangsbeimischung ist also zusätzlich eine Zwangsentreicherung, ein Verlust an Effizienz. Folglich muss der Spritverbrauch zwangsläufig steigen. Aber nicht nur deswegen werden die Autofahrer mehr für Benzin zahlen müssen. Denn pflanzliches Ethanol ist in der Herstellung teurer als Benzin aus Erdöl.

Auch das bisherige Benzin droht, verteuert zu werden

Außerdem werden die Mineralölkonzerne ein starkes Interesse daran haben, den Verkauf des neuen E10-Sprit voranzutreiben. Sie haben sich nämlich der Politik gegenüber verpflichtet, einen höheren Anteil abzusetzen. Erreichen sie das Ziel nicht, droht ihnen zum Jahresende eine Strafzahlung (Quelle: Björn Dosch, Leiter der ADAC-Verkehrsabteilung). Sie könnten daher den Preis für das bisherige Benzin anheben, damit die Autofahrer dazu gedrängt werden, auf die neue zwangsentreicherte Sorte umzusteigen. Also droht sich auch und gerade das bisherige Benzin zu verteuern. Und die Versuchung, die Umstellung ohnehin zur Preisanhebung zu nutzen, ist nahezu unwiderstehlich. Und weil sowieso schon im Gesetzesantrag für den Bundesrat vorsorglich steht „Eine Preiserhöhung des Ottokraftstoffs mit zehn Volumenprozent Ethanol im Vergleich zum jetzigen Preis für Ottokraftstoff ist nicht auszuschließen“, wird es dazu mit großer Sicherheit auch kommen. Zusätzlich fällig werden dann höhere Steuern und Abgaben, mit denen Treibstoff belastet ist.

Eine weitere Anmaßung der politischen Klasse

Der scheinbar harmlose Beimischungszwang ist wieder einmal eine schlimme Anmaßung der politischen Klasse und ein weiteres Herumkommandieren der Bürger. Die werden darauf mit gesteigerter Animosität gegen „die in Brüssel“ und „die in Berlin“ reagieren. Mit der Hingabe der D-Mark für den Euro, dem Heraushauen von Banken und EU-Mitgliedstaaten in der gegenwärtigen Finanz- und Währungsunionskrise vor allem zu Lasten Deutschlands ist die EU bei den Deutschen schon übergenug in Misskredit geraten.

*) Heinz Horeis: Was Sie schon immer über Energie wissen wollten, aber nicht zu denken wagten. In: NovoArgummente 108/109, Ausgabe September-Dezember 2010, Seite 66.

**) Ebenda.

***) Aus: http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2007/nr23-vom-1162007/bioethanol-volle-tanks-und-leere-teller/ Bio-Ethanol? Volle Tanks und leere Teller. Von Reinhard Koradi, Dietlikon.

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