Irres mit Wasserstoff

Die Firma Gascade hat im Dezember 2025 eine 400 Kilometer lange einstige Erdgasleitung mit Wasserstoff gefüllt und keine Kundschaft dafür – Wenn’s schiefgeht, und das wird es, springt der Bund mit uns Steuerzahlern ein – Warum Wasserstoff für die Energiewende untauglich ist

Zugegeben: Der militärische Überfall der USA unter Donald Trump in Venezuela mit der Festnahme und Entführung von dessen Präsidenten Maduro und dessen Frau samt Verstoß gegen Völkerrecht und amerikanisches Gesetz ist derzeit weit wichtiger und folgenreicher als das Thema Wasserstoff. Aber in den Medien ist die Gewalttat der jetzt beherrschende Nachrichten- und Kommentarstoff ohnehin. Deshalb soll er derzeit den Kundigeren und wohl auch besser Informierten vorbehalten sein. Und so greife ich ein ganz anderes schlimmes Thema auf.

Wirklich irre. Man reibt sich die Augen, weil man nicht glauben kann, was da zu lesen ist: Die Gascade Transport GmbH in Kassel – sie betreibt den Auf- und Ausbau eines Wasserstoff-Netzes – hat im Dezember 2025 eine 400 Kilometer lange Rohrleitung mit Wasserstoff gefüllt. Das schon ist abenteuerlich genug. Aber mehr noch: Sie hat mit möglichen Abnehmern keinen einzigen Vertrag. Das berichtet der Online-Info-Dienst Blackout-News*) hier. Und Peter Boehringer von der AfD, über den ich von diesem Vorgang erfahren habe, kommentiert so zutreffend wie kurz und knapp: „Schilda lebt. … Gascade hat als größtes Schildbürgerunternehmen ein von niemandem nachgefragtes Angebot dennoch realisiert. Gut möglich aber, dass Habeck, Lindner, Scholz und Merz hier auch eine gewaltige Steuersubvention angeboten haben. Planwirtschaftlich kann man alles machen. Das ist wie Fliegenpilze essen: EINMAL geht es.“ Warum Wasserstoff für die Energiewende untauglich ist, wie es schon die ganze Energiewende-Politik selbst ist, habe ich auf dieser Blog-Seite als Hirngespinst der Klimaschützer ausführlich hier beschrieben.

Gascade meldet: Erdgas-Leitungen erfolgreich auf Wasserstoff-Transport umgestellt

Darüber, was sie da anrichtet, teilte Gascade bereits am 11. Dezember 2025 selbst mit: „Die GASCADE Gastransport GmbH (GASCADE) hat einen entscheidenden Meilenstein beim Aufbau des deutschen Wasserstoff-Netzes erreicht: Rund 400 Kilometer bestehender Erdgas-Leitungen wurden erfolgreich auf den Transport von Wasserstoff umgestellt. Mit der initialen Befüllung der ersten Pipeline-Abschnitte im Rahmen des Programms Flow – making hydrogen happen ist eine Nord-Süd-Achse vom Ostseeraum bis nach Sachsen-Anhalt entstanden, die einen zentralen Teil des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes bildet. Die Wasserstoff-Infrastruktur ist für den Markt ab sofort verfügbar und damit Grundlage für den erfolgreichen Wasserstoff-Hochlauf.“

„International einzigartig, eine technische Pionierleistung“

Gascade weiter: Dieses international einzigartige Projekt zeige, wie bestehende Infrastruktur schnell und kosteneffizient für den Wasserstoff-Transport bereitgestellt werden könne. Damit schafft Gascade Planungssicherheit für den Wasserstoff-Hochlauf und leiste einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion von CO₂-Emissionen der deutschen Industrie. Dann folgt ein Zitat von Geschäftsführer Ulrich Benterbusch: „Mit der erfolgreichen Umstellung von 400 Kilometern Leitung stellen wir verlässlich großvolumige und zentrale Wasserstoff-Infrastruktur zur Verfügung. Die Umstellung bestehender Erdgasleitungen mit einem Durchmesser von 1,4 Metern auf Wasserstoff ist eine technische Pionierleistung. Dieses Projekt ist ein starkes Signal für die deutsche Wasserstoffwirtschaft und den Industriestandort Ostdeutschland.“ Die ganze Mitteilung hier.

Wasserstoff soll die „Energiewende“ retten

Ein starkes Signal gewiss: ein Pleitesignal. Warum? Und warum Wasserstoff? Zur Erinnerung: Mit ihm wollen die vorgeblichen und daher faktenresistenten Klimaschützer ihre „Energiewende“ retten. Energiewende? So nennen sie die Stromversorgung ganz ohne Erdöl, Erdgas, Kohle und Kernenergie, sondern fast nur mit Windkraft und Sonnenschein. Das hat aber einen Haken. Dummerweise gibt es Tages- und Jahreszeiten mit geringem Stromverbrauch, aber gleichzeitig mit zu viel Wind und zu viel Sonne. Dann schießt die Erzeugung von Wind- und Solarstrom über den Bedarf hinaus. Dieses Ungleichgewicht zwischen eingespeister und entnommener Leistung stört die Frequenzstabilität des Stromnetzes bis zum Netzzusammenbruch ganz gewaltig. Und wenn das Netz zusammenbricht, bricht auch die Stromversorgung zusammen.

Wasserstoff als Speichermedium, wenn es zuviel Wind- und Solarstrom gibt

Was mit dem zeitweilig überschüssigen Energiewende-Strom also tun? Werden Kohle, Erdöl und Erdgas zeitweilig nicht gebraucht, kann man sie bis zur weiteren Verwendung irgendwie aufbewahren, sprich: auf Lager nehmen, speichern. Mit Strom geht das nicht. Erzeugter Strom muss aus technisch-physikalischen Gründen immer gleich verbraucht werden. Das hat der eine und andere Klimaschutzpolitiker anfangs gar nicht gewusst. Jedenfalls kann man Strom nicht direkt speichern. Das geht nur indirekt. Will man ihn also lagerfähig machen, muss man ihn in ein anderes energiehaltiges Element umwandeln – zum Beispiel in energiereichen Wasserstoff.  Es ist eine Umwandlung von elek­tri­scher Ener­gie in die chemi­sche Ener­gie des Wasser­stoffs.

Die Rückverwandlung des Wasserstoffs in Strom

Mit dem überschüssigen Strom aus Wind- und Sonnenkraft lässt sich Wasserstoff im Elektrolyseverfahren herstellen. Dabei ist allerdings Tatsache, dass sich eine Elektrolyse bei häufigem Stromstärkenwechsel als Folge unbeständigen Windes und Sonnenscheins nur sehr bedingt eignet. Immerhin, der so gewonnene Wasserstoff ist speicherfähig – sei es als Gas, sei es extrem tiefgekühlt in flüssiger Form – und soll dann¸ wenn Strom aus Wind- und Solarkraftwerken nicht ausreichend zur Verfügung steht (zu wenig Wind, zu wenig Sonne, Dunkelflaute), in Strom zurückverwandelt werden, soll also in Kraftwerken (als Beimischung zu Erdgas) verbrannt werden, Wasser aufheizen, Dampf erzeugen, Turbinen antreiben, Stromgeneratoren in Bewegung setzen. Man kann dann mit ihm wieder Strom erzeugen – je nach Bedarf.

Aber Wasserstoff soll inzwischen auch mehr sein als nur Speichermedium

Längst aber ist Wasserstoff auch zur direkten und ständigen Nutzung vorgesehen. Er soll mehr sein als nur Speichermedium für Stromausfälle bei Flaute und fehlendem Sonnenschein. Der mit Wind-, Solar- und „Biogas“strom erzeugte Wasserstoff soll fossile Treibstoffe (wie Benzin und Diesel) ohnehin weitestgehend ersetzen. Dieser so genannte „grüne“ Wasserstoff soll künftig auch Autos, Züge und Flugzeuge antreiben sowie Wohnungen warmhalten. Er soll also ersetzen, was für die Netzstabilität bisher die herkömmlichen Kraftwerke leisten, und nicht bloß einspringen, sobald Wind und Sonne für den Strombedarf ausfallen.

Die Besonderheit des Wasserstoffs

Dummerweise ist Wasserstoff (H2) das bei weitem kleinste Molekül.  Deshalb dringt es überall durch, diffundiert also leicht. Diffusion ist ein Platzwechsel von Atomen oder von Molekülen durch Wärmeschwingung. Die kleinen Moleküle diffundieren in den Zwischenräumen der viel größeren Metallatome vom hohen Innendruck nach außen. Die kleinen Wasserstoffmoleküle diffundieren durch alle Metalle. Normale Metalltanks können so innerhalb von einigen Wochen mehr als die Hälfte ihres Wasserstoffinhalts verlieren. Deshalb wurden (für den Wasserstoffantrieb von Autos) aufwändige Tanks aus Werkstoffen entwickelt, die die Diffusion weitgehend verhindern, wenn auch nicht völlig. Folglich taugen bisherige Erdgasrohre für den Wasserstofftransport nicht. Allein schon das rechtfertigt meine Bezeichnung des Gascade-Projekts als „abenteuerlich“. Das bestehende Netz der Erdgas-Rohrleitungen ist also für den Wasserstofftransport wegen der Diffusion nicht verwendbar.

Aber Gascade hält alte Erdgasleitungen für den Wasserstofftransport sogar für prädestiniert

Blackout-News zitiert Gascade-Bereichsleiterin Carina Gewehr sagt: „Die Herausforderung war letztendlich, dass wir das zum allerersten Mal gemacht haben.“ Früher floss Erdgas durch die Strecke. Gascade setzt auf Bestandsrohre. Gewehr: „Erdgasleitungen sind dafür sehr prädestiniert, auch den Transport von Wasserstoff zu übernehmen.“ Ebendas trifft das nicht zu. Blackout-News zitiert auch Unternehmensberater Matthias Deeg: „Im Moment sind die Preise für Wasserstoff brutal hoch, so dass wir teilweise Faktor drei gegenüber dem jetzigen Erdgaspreis zu bezahlen hätten.“ Zusätzlich konstatiert er: „Die Nachfrage nach Wasserstoff geht aktuell eigentlich gegen null. Das heißt, die Investitionen, die wir derzeit ins Kernnetz betreiben, sind im Moment noch ohne Verkäufer und Käufer.“

428 Milliarden Gesamtkosten, aber keine Kundschaft

Blackout-News konstatiert: „Selbst wenn H2 politisch gewollt ist, bleibt er für viele Standorte zu teuer, und die Pipeline wartet weiter auf Kunden.“ Für die drei Teilstränge der 400 Kilometer langen Rohrleitung ergeben sich Gesamtkosten von 428,5 Millionen Euro. Blackout-News ergänzt: „Gascade erhält nach eigenen Angaben Fördermittel, und zudem springt der Bund ein, falls die Leitung bis 2055 nicht genug Erlöse bringt. Das senkt zwar das Risiko für den Betreiber, aber es schafft keine Abnehmer. Das wirkt wie eine Sicherheitsleine, aber es löst das Abnehmer-Problem nicht.“ Der freundlich klingende Begriff Fördermittel sind nichts weiter als hässliche, verfehlte und überflüssige Subventionen.

Für die Versorgung mit Strom unwirtschaftlich

Ohnehin ist Wasserstoff für die Stromversorgung unwirtschaftlich, sonst würde er längst dafür eingesetzt worden sein. Verwendet wird er aber für viele chemische Prozesse, darunter zur Herstellung von Dünger und zum Härten von Fetten für Margarine. Notwendig ist er zur Kohlehydrierung, um flüssige Treibstoffe zu gewinnen. Dieser Prozess ist jedoch gegenüber Treibstoffen aus Erdöl unwirtschaftlich.

Die Hochentzündlichkeit von Wasserstoff, wenn er mit Luft zusammenkommt

Gerne verschwiegen wird in der öffentlichen Diskussion eine besondere Gefahr. Kommt der ohnehin hochentzündliche Wasserstoff mit Luft zusammen, entsteht ein hochexplosives Sauerstoff-Wasserstoff-Gemisch, Knallgas genannt. Diese Bezeichnung klingt viel zu harmlos. Denn wenn Wasserstoff schon nur 5 Prozent Sauerstoff enthält, kommt es bei einer Temperatur von 50 Grad Celsius zur Selbstentzündung. In  bleibender Erinnerung ist die katastrophale Explosion des Luftschiffes „Hindenburg“ 1937 in Lakehurst (hier). 2019 ist es in einer Tankstation im südkoreanischen Gangneung durch Diffusion in einem 40.000-Liter-Tank zu einer Knallgas-Explosion gekommen (hier). 2021 ist das erste Wasserstoff-Transportschiff „Suiso Frontier“ auf seiner Jungfernfahrt mit 1250 Kubikmeter Wasserstoff an Bord nur knapp einer Katastrophe entronnen; dank beherzt-schnellem Eingriff der Schiffsbesatzung ist das Unglück glimpflich verlaufen. Warum der Wasserstofftransport per Schiff keine gute Idee ist, ist hier zu lesen. Für den Transport von Wasserstoff nicht geeignet sind die „normalen“ LNG-Schiffe. Dieses Knallgas-Risiko ist auch beim Speichern des Wasserstoffs zu berücksichtigen wie beim Projekt „INES“ aller Kavernen-Speicher-Betreiber in Deutschland mit dem Plan, Wasserstoff großvolumig in Kavernen zu speichern wie bisher Öl und Gas.

Der Energiewende-Fanatiker Deutschland verrennt sich

Deutschland als global einziger Energiewende-Fanatiker verrennt sich mit seinen Wasserstoffvorhaben gründlich und zusätzlich. Wasserstoff hat etliche Probleme wegen seiner physikalischen Eigenschaften. Es ist zu teuer, ihn zu produzieren. Es ist zu teuer, ihn zu speichern. Es ist zu teuer, ihn umzuwandeln. Es ist noch teurer, ihn sicher zu transportieren, weil er in flüssiger Form sehr tiefgekühlt sein muss. Dabei gibt es eine weit günstigere Alternative. Ebendie gibt Deutschland ohne Sinn und Verstand auf. Die CO2-Mär ist ein groß angelegter globaler Betrug, der vorgebliche Klimaschutz nicht möglich und ebenfalls ein Betrug.

Eine alte ökonomische Lehrweisheit zu staatlicher Intervention bestätigt sich aufs Neue

Wenn staatliche Politik in den Wirtschaftsablauf interveniert, bestätigt sich, was frühere Ökonomen einst warnend gelehrt haben: Der ersten Intervention folgen zwangsläufig immer weitere. Zu vieles bedenken die Interventionisten nicht und können es auch nicht bedenken. Stets ist ihr Wissen zu unvollständig, die Folgenabschätzung zu ungenau, nicht absehbar genug oder gar falsch oder gar nicht gewollt. Auf jede staatliche Intervention reagieren die Unternehmen und die Menschen in unterschiedlicher Weise. Sie nutzen sie aus oder weichen ihr aus oder reagieren überhaupt nicht. Und schon beeilen sich die Interventionisten nachzujustieren. So entsteht eine Maßnahme nach der anderen und wuchert aus zu einem bürokratischen Monster. Produktive Arbeitsplätze werden behindert bis zerstört, unproduktive Arbeitsplätze in der Bürokratie von Staat und Unternehmen breiten sich dagegen aus wie Metastasen bei Krebserkrankung, unnötig höhere Kosten sind die Folge – bis die Regulierung in sich zusammenbricht, aber erst eines fernen Tages.

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*) Impressum der Blackout News GmbH hier. Über sich selbst teilt sie mit: „Wir sind eine kleine Gruppe Ingenieure. Wir sind unabhängig und parteilos. Unser Interesse ist eine sichere und bezahlbare Stromversorgung für alle. Wir unterstützen grundsätzlich die Energiewende, sehen aber aufgrund der planlosen Umsetzung die Stromversorgung in naher Zukunft als massiv gefährdet an.

Außerdem berichten wir über aktuelle Themen rund um die Stromversorgung, über die Auswirkungen der Energiewende auf die Netzstabilität und die mit der Energiewende verbundene Strompreisentwicklung. Weiter berichten wir über die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, sowie über betroffene Unternehmen und Wirtschaftszweige.

Grundsätzlich sehen wir jahrelange Subventionen für nicht marktfähige Technik kritisch, da dadurch in erster Linie Innovationen verhindert und die Kosten zu Lasten sozial Schwacher erhöht werden. Außerdem wird durch die Subventionierung marktfähige, nicht subventionierte Technik benachteiligt und sogar aus dem Markt verdrängt. Aus unserer Sicht sollte die Politik nur übergeordnete Ziele definieren und keine technischen Konzepte vorgeben oder ausschließen. Nur durch die Konkurrenz unterschiedlicher technischer Konzepte kann sich die jeweils beste Lösung für ein Problem entwickeln. …

Aus unserer Sicht ist die Energiewende mit der umgesetzten try-and-Error-Strategie in weiten Teilen bereits gescheitert, während die Politik konzeptlos und mit immer weiteren kostentreibenden, aber oftmals wenig effektiven Maßnahmen versucht zu retten, was noch zu retten ist. …

Wir recherchieren unsere Artikel selbst. Wir finanzieren uns über Werbung.“

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Klaus Peter Krause: Copyright, Haftungsausschluss, Impressum hier.

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