Investitionen, die sich nur durch Krieg rentieren

F u n d s a c h e

„Es darf in Deutschland nie wieder ein System entstehen, das seine Bürger in den Krieg hetzt. Aber es scheint, als würde es gerade aufgebaut – weil der Kapitalismus in dem Maße zum Krieg tendiert, wie Kapital statt in rentierliche Investitionen der Friedenswirtschaft ins Militär fließt. Tötungsgerät ‚rentiert‘ sich nur, wenn es irgendwann abgefeuert wird und ersetzt werden muss.“

(Michael Andrick, Philosoph und Autor in der Berliner Zeitung vom 20. Dezember 2025 in seiner Kolumne „Warum ich meinen Kindern erkläre, was in Deutschland schiefläuft – Funktionäre ignorieren das Wahlergebnis, schüchtern das Volk ein und rüsten das Land sinnlos zum Krieg. Zeit, die Kinder aufzuklären.“ Der ganze Kolumnentext hier).

Eine klare Botschaft: Ohne Krieg kein Rüstungsgeschäft; es erschlafft wie ein Ballon, der seine Luft verliert. Und ohne Geschäft bricht die Rüstungsindustrie zusammen, verschwindet von der Bildfläche oder stellt um auf eine Produktion für den friedlichen Bedarf. Schlussfolgerung: auf Krieg verzichten, Krieg abschaffen. Schön wär’s. Leider wissen wir: reine Utopie. Der Stellvertreterkrieg „des Westens“ mittels der Ukraine, in der Ukraine und um die Ukraine gegen Russland ist das in Europa seit 24. Februar 2022 aktuelle, entsetzliche Beispiel. Er mästet die Rüstungsindustrie. Die Aktienkurse der Rüstungskonzerne sind in die Höhe geschossen, wenn auch seit den Friedensverhandlungen aus „Friedensangst“ der Börsianer etwas zurückgegangen.

Angst vor Frieden ist natürlich grotesk. Aber die Rüstungsindustrie wird sie haben müssen, denn nur von Kriegen auf unserem Globus lebt sie. Also müsste sie an Kriegen interessiert und an Frieden desinteressiert sein. Ob und inwieweit sie dementsprechenden Einfluss nimmt, lässt sich schwerlich belegen. So bleibt es beim bloßen Verdacht, dass sie zu Kriegen anstachelt oder sie anstacheln hilft. Begeistert sein jedenfalls wird sie über die Verhandlungen wohl kaum.

Roland Tichy macht (hier) darauf aufmerksam, dass fast die Hälfte der Rüstungsausgaben in die USA fließt, weitere Teile neuerdings auch nach Israel oder anderswohin. Das gigantische Rüstungsprogramm sei damit ein Konjunkturprogramm allenfalls für die US-Rüstungsfirmen in Kalifornien und Texas oder anderen Bundesstaaten, auf die ein warmer Geldregen aus Germany niedergehe. „Dort mag die Wirtschaft dann wachsen – in Deutschland verhungert sie unter dem Druck von Abgaben und Steuern, die ihr entzogen werden.“

Anfängliche Kriegstreiber in Sachen Ukraine waren die Vereinigten Staaten mit der Nato – ausgerechnet mit der Nato, die ein Verteidigungsbündnis ist, kein Angriffsbündnis. Es sollte Westeuropa gegen mögliche Angriffe der einstigen Sowjetunion verteidigen (und den USA in Westeuropa Stützpunkte verschaffen), ein solches Defensivbündnis seinerzeit auch war. Das hat sich geändert. Aggressiv hat sich die Nato seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Richtung des heutigen Russlands ausgedehnt, so dass sich Russland unter seinem Präsidenten Putin mehr und mehr bedroht fühlte und schließlich präventiv vorging.

USA-Präsident Donald Trump hat die Friedensverhandlungen angestoßen. Die EU mit Merz-Deutschland und der EU-Deutschen von der Leyen dort als Kommissionspräsidentin an der Spitze sowie Großbritannien mussten missvergnügt kapieren, wie ihre Felle davonschwimmen. Offiziell können sie nicht gegen Frieden in der Ukraine sein, versuchen daher, auf den fahrenden Zug aufzuspringen, an den Verhandlungen teilzunehmen und eigene Vorstellungen durchzusetzen. Doch daneben ist sie dabei, sich das in der EU konfiszierte russische Zentralbankgeld trotz der hohen Risiken (siehe FAZ vom 18. Dezember, Seite 2 und 16, und vom 19. Dezember, Seite 2) einzuverleiben, eignet sich die Zinserträge daraus schon an, hat der Ukraine gerade wieder einen zinslosen Kredit von 90 Milliarden Euro eingeräumt und scheut sich noch immer nicht, die Ukraine weiterhin militärisch zu unterstützen. Das wirkt kriegsfördernd, nicht friedliebend.

Klaus Peter Krause: Copyright, Haftungsausschluss, Impressum hier.

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