Jetzt werden wir wieder „O Tannenbaum, o Tannenbaum“ singen, falls in den Familien am Heiligabend noch alter Brauch gepflegt wird, zumal wenn noch Kinder im Haus sind. Der Liedermacher, Schriftsteller und ehemalige DDR-Dissident Stephan Krawczyk hat den Text dieses Weihnachtsliedes umgedichtet und, bezogen auf die zu Weihnachten so gar nicht passende Lage in Wirtschaft und Gesellschaft, ins Politische gewendet. Die Umdichtung wurde mir gerade zugeschickt. Ich reiche sie hiermit weiter:
Aus der Traum, o aus der Traum,
es hat so schön begonnen –
jedoch im Marionettenland
fährt man den Karren an die Wand.
Aus der Traum, ja aus der Traum,
die Dummheit hat gewonnen.
Aus der Traum, o aus der Traum:
jetzt reden Krupp und Thyssen
Die deutschen Bonzen sind dabei,
beim Waffenklirren, Kriegsgeschrei
ich glaub es kaum, ich glaub es kaum,
dass die zum Kriegsdienst müssen.
Aus der Traum, o aus der Traum,
und auf zu neuem Hoffen
die Alten sitzen stumm zu Haus,
die jungen Männer müssen raus,
Aus der Traum, o aus der Traum,
Die Hölle steht weit offen.
Ich hab nicht vor den Russen Angst,
die tun mir nichts zu leide.
Jedoch im Marionettenland
fährt man den Karren an die Wand.
Wer einen Merz als Kanzler hat
braucht keine äuß‘ren Feinde.
Stephan Krawczyk war Mitte der 1980er Jahre einer der bekanntesten Oppositionellen der DDR. Er sang trotz Berufsverbot politisch aufmüpfige Liederwurde und wurde 1988 aus der DDR ausgewiesen. Er lebt in Berlin-Neukölln und auf Mallorca.
Geboren wurde er in Weida (Thüringen) am 31. Dezember 1955. Der Name Krawczyk ist ein polnischer Familienname und eine Verkleinerungsform des Namens „Krawiec“, was auf Deutsch „Schneider“ bedeutet. Einen Eindruck von ihm vermittelt sein Auftritt vor dem Hayek-Club Frankfurt am Main am 23. Oktober 2023 hier.
Nach dem Abitur und dem Studium der Konzertgitarre an der Franz-Liszt-Hochschule in Weimar hat er von 1980 an als freiberuflicher Sänger gearbeitet. 1981 gewann er den nationalen Chanson-Wettbewerb der DDR, zog 1984 nach Ost-Berlin. Im selben Jahr begann er zu schreiben. 1985 trat er aus der SED aus, ein Akt, den die SED in einen Parteiausschluss umwandelte. Ebenfalls 1985 verhängte die DDR über ihn ein Berufsverbot. Er trat dann nur noch in Kirchen auf und wurde zu einer der Symbolfiguren der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Die Staatssicherheit („Stasi“) überwachte und drangsalierte ihn.
Im November 1987 forderte Krawczyk zusammen mit seiner Frau Freya Klier in einem Brief an das SED-Politbüromitglied Kurt Hager die Achtung der Menschenrechte, die Rücknahme ihrer Berufsverbote und die Unabhängigkeit von Kunst und Kultur in der DDR. Am 8. November 1987 versuchte die Stasi, ihn und Freya Klier zu ermorden durch am Türgriff des Autos aufgebrachtes Nervengift. Am 17. Januar 1988 wurde er verhaftet und sechzehn Tage später mit Freya Klier in die Bundesrepublik abgeschoben.
Konzerttourneen führten ihn durch den deutschsprachigen westeuropäischen Raum sowie nach Nordamerika, Frankreich, Spanien und Italien. Seitdem hat er zahlreiche Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Bücher mit Liedertexten veröffentlicht. 1991 entstand die Erzählung „Mein Vater“. Für sie wurde Krawczyk 1992 mit dem Bettina-von-Arnim-Literaturpreis ausgezeichnet. 2019 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er ist zudem Träger der Verdienstmedaille des Landes Berlin (2001) und des Preises der Lutherstädte „Das unerschrockene Wort“ (2005). 2023 wurde ihm der Deutsch-Französische Chansonpreis verliehen. (Quelle: Funde im Internet). Ausführlicheres über ihn bei Wikipedia hier.
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