Mutter sein, madig gemacht

Was es Frauen kostet, Mutter zu sein – Eine Studie aus dem Haus Bertelsmann – Der fatale Vergleich der Lebenserwerbseinkommen von Müttern und kinderlosen Frauen – Kinder nicht als Segen, sondern als Verlustgeschäft – Die „Mutterschaftsstrafe“ – Was die Studie ausklammert

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Kinder versauen ihren Müttern das Einkommen. So drastisch und brutal drückt es die neue Studie nicht aus, aber das ist ihre Botschaft, wenn auch freundlicher formuliert. Eine neue Erkenntnis verkündet sie damit allerdings nicht: Wenn Frauen Mütter sind, stecken sie im Beruf zwangsläufig zurück, entweder teilweise oder ganz. Das ist, seit auch Frauen berufstätig und nicht mehr wie dereinst nur auf die Mutterrolle fixiert sind, schon immer so. Es ist ein ganz natürlicher und nachvollziehbarer Vorgang. Und sehr vernünftig. Kinder haben Vorrang, mütterliche Betreuung brauchen sie. Wenn Frauen so denken und handeln, ist das schön und für eine stabile Gesellschaft notwendig. Doch den selbsternannten Umerziehern mit Ambitionen für eine andere Gesellschaft und Politikern mit ebenfalls abartigen Zielen gefällt das nicht. Daher werden wir mit solchen Studien traktiert, gerichtet vor allem an die Frauen. In der jüngsten wird ihnen vorgerechnet, was es sie kostet, Mutter zu sein.

Der Vergleich der Lebenserwerbseinkommen von Müttern und kinderlosen Frauen

Verfasst haben die Studie zwei Frauen: Manue­la Barišić und Valen­ti­na Sara Consi­glio. Entstanden ist sie in der Bertelsmann-Stiftung. Ihr Titel lautet „Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt – Was es sie kostet, Mutter zu sein“. Darin geht es zum einen darum, dass Frauen während des Erwerbslebens weniger als Männer verdienen, was weder überraschend noch neu ist. Zum anderen aber vergleichen die Autorinnen nicht nur die Lebenserwerbseinkommen von Frauen und Männer, sondern die von Frauen mit und von Frauen ohne Kinder, also von Müttern und Nicht-Müttern.

Mütter haben 43 bis 68 Prozent weniger Erwerbseinkommen als Nicht-Mütter

Danach verdienen Mütter auf das gesamte Erwerbsleben gerechnet deutlich weniger als kinderlose Frauen. Aber eine neue Erkenntnis ist auch das nicht. Das Neue sind die Angaben darüber, welches Ausmaß die Erwerbseinkommenslücke zwischen Müttern und kinderlosen Frauen erreicht. Danach verdienen zum Beispiel Frauen in Westdeutschland, die 1982 geboren und kinderlos sind, im Lauf ihres Erwerbslebens durchschnittlich 1,3 Millionen Euro. Gleichaltrige Mütter dagegen bekommen mit einem Kind 43 Prozent weniger. Mit dem zweiten Kind sind es 54 Prozent, mit drei und mehr Kindern 68 Prozent weniger. Für Mütter in Ostdeutschland lauten die Zahlen 37, 48 und 63 Prozent.

Kinder nicht als Segen, sondern als Verlustgeschäft

Solche rein finanziellen Vergleiche vermitteln den Frauen Fatales: Kinder sind kein Segen, sie sind ein Verlustgeschäft. Wenn sie sich für Kinder entscheiden, ist der Einkommensverzicht in ihrer Erwerbsfähigkeitszeit immens, nun belegt mit errechneten Zahlen. Verzicht auf Einkommen bedeutet in der Regel auch Verzicht auf Wohlstandsannehmlichkeiten. Die Studie erweckt mit ihrer Kernaussage – Was es Frauen kostet, Mutter zu sein – den Anschein, als müssten Frauen eine Entweder-Oder-Entscheidung treffen: entweder Kinder oder gewaltige finanzielle Einbußen. Eine Ermunterung, Kinder zu bekommen und eine Familie durch das Leben zu bringen, ist diese Studie jedenfalls nicht. Die traditionelle Familie ist unerwünscht: „Eine ‚Retraditionalisierung‘ darf sich die Gesellschaft nicht leisten, Frauen und Mütter am wenigsten.“ Dahinter stecken die Vorstellung und das Ziel, Frauen sollten ebenso berufstätig sein wie Männer. Dürfen sollen sie es. Natürlich. Aber sie indoktrinierend dahin zu drängen, ist, weil besserwisserisch, anmaßend und schränkt die Entscheidungsfreiheit von Frauen ein.

Was die Studie ausklammert

Die Studie klammert aus, dass ohne Kinder das menschliche Leben nicht weitergehen würde, dass Kinder den Lebenssinn ausmachen und Lebenserfüllung bedeuten. Nutzenabwägungen zwischen dem Entweder-Oder finden in der Studie nicht statt – weder für die Frauen und Familien noch für die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit, noch für ein Volk. Sie beklagt, „dass sich Frauen zunehmend einer doppelten Ungleichheit der Einkommen gegenübersehen: jener im Verhältnis zu Männern sowie jener zwischen Müttern und kinderlosen Frauen“. Die Studie sieht die Frauen nur als Arbeitskräftepotential für den Arbeitsmarkt: „Wenn Frauen – und insbesondere Mütter – nur rund die Hälfte der für Männer möglichen Lebenserwerbseinkommen erwirtschaften, obwohl sie ihnen in Leistungsfähigkeit und Bildung in nichts nachstehen, wird ein großer Teil des Arbeitskräftepotenzials nicht ausgeschöpft.“ Anders ausgedrückt: Frauen als Mütter sind nichts oder wenig wert, erwünscht nur als Nachschub für den Arbeitsmarkt.

Was es Frauen kostet, Mutter zu sein, gilt als „Mutterschaftsstrafe“

Für den kurzen Begriff, für das Schlagwort, was es Frauen kostet, Mutter zu sein, bedient sich die Studie lieber der englischen Sprache. Sie nennt es „Motherhood Penalty“ und „Motherhood Lifetime Penalty“. Das klingt nicht so unschön wie „Mutterschaftsstrafe“ oder „Mutterschafts-Lebenszeit-Strafe“. Aber abschreckend genug wirkt es trotzdem. Und abwertend ebenfalls. Die finanziellen Einbußen, die Frauen als Mütter hinzunehmen bereit sind, bestehen in ihrer unbezahlten Arbeit für Kinderbetreuung, für den Haushalt und für die Pflege von kranken oder alten Angehörigen. Diese Einbußen verdienen höchste Wertschätzung anstatt abfälliger Einstufung als „Penalty“. Nach wie vor allerdings dominiert auch in Deutschland, was herkömmlich ist und sich bewährt hat: Der Mann sorgt für den Hauptverdienst, die Frau ist überwiegend Mutter. Feministinnen passt das nicht.

Das Muttersein wird geradezu madig gemacht

Den großen Unterschied zwischen den Lebenszeit-Erwerbseinkommen von Müttern einerseits und kinderlosen Frauen andererseits als Strafe oder Bestrafung zu sehen, ist bezeichnend für eine Haltung, die Frauen, die Kinder kriegen und aufziehen, die nötige Anerkennung versagt und sie überwiegend als vorerst nicht mehr verfügbaren Nachschub für den Arbeitsmarkt sieht (und damit auch als Einnahmeausfall für den Staat aus deren sonst möglicher Einkommensteuer). Die lebenslange „Bestrafung“ der Mutterschaft habe sich im Durchschnitt sogar vergrößert, ist der Studie zu entnehmen. So wird das Muttersein geradezu madig gemacht.

Den Text der Studie finden Sie hier.

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