Ein schleichender Staatsstreich

Die Klimaschutz- und Energiewendepolitik nimmt immer groteskere Formen an – Deutschland ein Irrenhaus – Das Irrationale dieser Politik und ihre absurd hohen Kosten – Wie will Fi­nanz­mi­nis­ter Scholz das fi­nan­zie­ren? – Die Sprücheklopfer Ziemiak, Söder und Altmaier – Die Entfremdung zwischen den „Eliten“ und ihren Opfern – Der Kohleausstieg trifft vor allem strukturschwache Gebiete und finanzschwache Autofahrer – Die Kosten der Energiewende sind nicht bloß „ärgerlich“, sondern katastrophal hoch – Der Kohleausstieg beruht auf einer bloßen Fiktion

Haben die nicht mehr alle? Sind die nicht mehr bei Trost? Sind die bescheuert? Ja, sie sind es und zwar völlig bescheuert. Die Klimaschutz- und Energiewendepolitik nimmt immer groteskere Formen an. Groteskes kann lustig sein, aber dieses Groteske richtet Schaden an, unermesslichen. Es ist für Deutschland, seine Industrie, seine Beschäftigten, für alle seine Bürger hochgefährlich. Diese ganze Energiewende-Politik ist seit ihrem Beginn (und im Zusammemhang mit der „Großen Transformation“) ein schleichender Staatsstreich gegen die eigene Bevölkerung. Wann wird diese das kapieren? Wann wie in Frankreich mit gelben Westen massenweise auf die Straße ziehen und den Irrsinn stoppen? Alles in allem: Man fühlt sich wie im Irrenhaus. Warten, bis dieses Gefühl vorbei ist? Lieber nicht, denn wir   s i n d   im Irrenhaus.

Das Irrationale dieser Politik und ihre absurd hohen Kosten

Nicht nur das gänzlich Irrationale dieser Politik lässt am Zustand der deutschen Altparteien und ihrer Politiker verzweifeln, dieser Politik, die rational nur dann wäre, wenn eben das ruinöse Ergebnis ausdrücklich gewollt ist, aber nur verschwiegen wird, um das Volk nicht schon jetzt aufzuwiegeln. Auch die Kosten dieser Politik werden in absurde Höhen getrieben, die Land und Volk dem Ruin preisgeben. Selbst die FAZ, die sonst die Klimaschutz- und Energiewendepolitik voranbringen hilft und sich allenfalls zur Kritik an der Ausführung bemüßigt fühlt, also am technischen Klein-Klein, serviert ihren Lesern gelegentliche Lichtblicke – so, wie jetzt in ihrer Druckausgabe vom 29. Januar im Wirtschaftsteil mit dem Bericht „Kohleausstieg löst enorme Kostenwelle aus – Die Rech­nung ist erst teil­wei­se zu über­se­hen und birgt ge­wal­ti­ge Ri­si­ken“. Darin ist unter anderem zu lesen:

Die veranschlagten Kosten – aber die wirklichen stehen in den Sternen

„Über die kom­men­den zwan­zig Jah­re sind ins­ge­samt 40 Mil­li­ar­den Eu­ro an Bun­des­hil­fen für die be­trof­fe­nen Bun­des­län­der vor­ge­se­hen, au­ßer­dem soll der Bund zur Ent­las­tung von Un­ter­neh­men und Ver­brau­chern für rund 2 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr ei­nen Teil der Um­la­gen für die Strom­net­ze über­neh­men. Aber die Ex­per­ten be­zwei­feln schon, dass das rei­chen wird, um be­son­ders en­er­gie­in­ten­si­ve Be­trie­be vor ei­nem zu star­ken An­stieg der Strom­prei­se zu be­wah­ren: Für sie sind zu­sätz­li­che Ab­ga­be­er­leich­te­run­gen im Ge­spräch. Ei­ne völ­lig un­be­kann­te Grö­ße sind die Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen an die Be­trei­ber­kon­zer­ne: Sie wer­den auf Mil­li­ar­den­be­trä­ge für den vor­zei­ti­gen Ab­schied von Kraft­wer­ken und Ta­ge­bau­en po­chen und dürf­ten da­für, wie schon nach dem Atom­aus­stieg, not­falls auch die Ge­rich­te be­mü­hen.“ Kurzum, nichts Genaues weiß man nicht. Die wirklichen Kosten stehen in den Sternen.

Die FAZ: Wie will Fi­nanz­mi­nis­ter Scholz das fi­nan­zie­ren?

Der FAZ-Bericht weiter: „Da­mit nicht ge­nug: Der ver­gol­de­te Ab­schied von der Koh­le kommt den Bund noch teu­rer zu ste­hen. Für das so­zi­al­ver­träg­li­che Glei­ten in den Ru­he­stand wer­den 5 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­an­schlagt. Für jun­ge Ar­beit­neh­mer ist mit Mil­li­ar­den für die Wei­ter­bil­dung und den Aus­gleich von Lohn­ein­bu­ßen zu rech­nen. Tau­sen­de Stel­len sol­len mit neu­en Bun­des­in­sti­tu­ten und For­schungs­ein­rich­tun­gen in den be­trof­fe­nen Re­gio­nen ge­schaf­fen wer­den. Und das So­fort­pro­gramm Ver­kehr schlägt mit 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro zu Bu­che – es ver­schlingt al­so al­lein die be­ste­hen­de Vor­sor­ge in der Fi­nanz­pla­nung. Der gan­ze So­li­dar­pakt Koh­le wird so­mit ver­mut­lich mehr als 80 Mil­li­ar­den Eu­ro in den nächs­ten zwan­zig Jah­ren ver­schlin­gen. Wie will Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) das fi­nan­zie­ren?“ (FAZ vom 29., Oktober 2019, Seite 15). Ja, wie will er das? Mit höheren Steuern natürlich. Wohlgemerkt, diese vielen Milliarden kommen zu den immensen bisherigen Kosten von Energiewende- und Klimaschutzpolitik, den direkten und indirekten, noch hinzu.

Die Sprücheklopfer Ziemiak, Söder und Altmaier

Auch die Unionsparteien CDU und CSU scheinen aufgewacht zu sein. Sie warnen davor, den Industriestandort zu gefährden.1) Jetzt plötzlich. Klar, im Mai ist die Wahl zum EU-Parlament. Doch welche Konsequenzen ziehen sie daraus. Nach der EU-Wahl bestimmt nicht mehr. Sie klopfen nur Sprüche. CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Paul Zie­mi­ak: Beim Um­set­zen des ge­fun­de­nen Kom­pro­mis­ses sei dar­auf zu achten, „dass wir Prei­se sta­bil hal­ten, aber dass wir auch als In­dus­trie­na­ti­on in Deutsch­land Ver­sor­gungs­si­cher­heit ga­ran­tie­ren“. Bayerns Mi­nis­ter­prä­si­dent und CSU-Vor­sit­zen­der Mar­kus Sö­der: Kei­ner wol­le ei­ne Zu­kunft der Koh­le, „aber klar ist auch, das Ver­spre­chen von Preis­si­cher­heit und Ver­sor­gungs­si­cher­heit muss fach­lich hin­ter­legt wer­den“. Deutsch­land sei das ein­zi­ge Land, das gleich­zei­tig aus Kern- und Koh­le­kraft aus­stei­ge und „je­den­falls der­zeit kei­nen ernst­haf­ten Er­satz“ da­für zu bie­ten ha­be. „Wir wol­len kei­ne De­indus­tria­li­sie­rung.“  Bundeswirtschaftsminister Altmaier: Die Bun­des­re­gie­rung wer­de al­les tun, um die Ver­brau­cher vor ei­nem An­stieg der Strom­prei­se durch den Um­stieg von Koh­le auf er­neu­er­ba­re En­er­gi­en zu schüt­zen. Zwei „gro­ße Ge­set­ze“ kündigte er an: das eine dafür, wie den be­trof­fe­nen Re­gio­nen ge­hol­fen und neue Jobs ge­schaf­fen wer­den könn­ten, das andere dafür, wann wel­ches Kraft­werk vom Netz ge­he. In der Ei­ni­gung über den Kohleausstieg sieht er einen „Rie­sen­fort­schritt“. Da kann man, wäre es nicht so ernst, nur verbittert lachen. Riesenfortschritt stimmt zwar, aber einer ins Unglück und Verderben.

Das modernste Kohlekraftwerk von Uniper würde zur Investitionsruine

Ebenfalls in ihrer Ausgabe vom 29. Januar berichtet die FAZ, das Stein­koh­le­kraft­werk von Uni­per in Dat­teln könn­te zu ei­ner gi­gan­ti­schen In­ves­ti­ti­ons­rui­ne wer­den.2) „Mehr als zehn Jah­re Bau­zeit, Kos­ten von 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. … Im Som­mer kom­men­den Jah­res könn­te der Mei­ler ans Netz ge­hen – wä­re da nicht die Koh­le­kom­mis­si­on.“ Für be­reits ge­bau­te, aber noch nicht im Be­trieb be­find­li­che Kraft­wer­ke emp­fehle die Koh­le­kom­mis­si­on ei­ne Ver­hand­lungs­lö­sung zu su­chen, um die­se Kraft­wer­ke nicht in Be­trieb zu neh­men. Es folgt im Bericht die rhetorische Frage, ob da­mit das Schick­sal von Dat­teln 4 be­sie­gelt sei, um dann fortzusetzen: „Uni­per wehrt sich. ‚En­er­gie- und kli­ma­po­li­tisch ist es nicht sinn­voll, das mo­derns­te Kraft­werk nicht ans Netz zu brin­gen und da­für al­te und deut­lich stär­ker CO2-aus­sto­ßen­de Kraft­wer­ke wei­ter zu be­trei­ben’, sagt Kraft­wer­ke­vor­stand Eck­hardt Rümm­ler. Doch dass die­ses Ar­gu­ment den Gang der Din­ge noch auf­hal­ten wird, glaubt er ver­mut­lich selbst nicht. Weil es beim Koh­le­aus­stiegnicht un­be­dingt ra­tio­nal zu­geht, wird es wohl nur noch dar­um ge­hen, die Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen in die Hö­he zu trei­ben, so dass nun die ers­ten Preis­schil­der ge­klebt wer­den.“

Die Entfremdung zwischen den „Eliten“ und ihren Opfern

Zutreffend weist der Leitartikel im FAZ-Wirtschaftsteil darauf hin, dass ri­go­ro­se Um­welt­po­li­tik vor al­lem den ar­men Men­schen in Deutsch­land zusetzt.3) In der Umweltpolitik sehe man die Ent­frem­dung zwi­schen den Eli­ten und den Be­trof­fe­nen der­zeit be­son­ders gut.  Das grif­figs­te Bei­spiel seien die Fahr­ver­bo­te: „Das Ziel ist eh­ren­wert, al­ler­dings wird es in na­her Zu­kunft so­wie­so er­reicht, weil die Ab­gas­tech­nik bes­ser wird, die Fahr­zeug­flot­ten auch oh­ne äu­ße­ren Druck er­neu­ert wer­den und an­de­re Um­welt­schutz­maß­nah­men grei­fen. Den Kli­ma­schüt­zern und lei­der auch vie­len Rich­tern ge­nügt das aber nicht, die Mess­wer­te sol­len jetzt so­fort mit der Brech­stan­ge er­reicht wer­den, sprich mit Fahr­ver­bo­ten. Da­bei wird viel zu sel­ten da­nach gefragt, wen Fahr­ver­bo­te am här­tes­ten tref­fen. Die Ant­wort dar­auf ist ein­deu­tig: Ei­ne ri­go­ro­se Um­welt­po­li­tik setzt vor al­lem den ar­men Men­schen im Land zu. Wer fährt denn die äl­te­ren Die­sel?“

Der Kohleausstieg trifft vor allem strukturschwache Gebiete und finanzschwache Autofahrer

Weitere drei Beispiele folgen, und Autor Chris­toph Schä­fer schreibt ferner: „Die Lis­te der für är­me­re Haus­hal­te be­son­ders teu­ren Kli­ma­maß­nah­men lässt sich na­he­zu be­lie­big er­wei­tern. Der mit dem Kom­pro­miss der Koh­le­kom­mis­si­on nun in Gang ge­setz­te Aus­stieg aus der Koh­le trifft vor al­lem struk­tur­schwa­che Ge­bie­te. Und die in der Ex­per­ten­kom­mis­si­on im Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um dis­ku­tier­te Idee, den Li­ter Treib­stoff um 52 Cent zu ver­teu­ern, wür­de vor al­lem die fi­nanz­schwa­chen Au­to­fah­rer aus dem Ver­kehr drän­gen.“

Eine Fehlinformation und ein unangebrachter Euphemismus

Allerdings, gleich der Anfang in diesem Leitartikel ist abstoßend politisch korrekt: „In die­sen Ta­gen und Jah­ren stei­gen zwei Din­ge gleich­zei­tig: zum ei­nen die durch­schnitt­li­che Tem­pe­ra­tur der erd­na­hen At­mo­sphä­re, zum an­de­ren der Är­ger über die Eli­ten in die­sem Land. Be­le­ge für die Ent­täu­schung gro­ßer Be­völ­ke­rungs­grup­pen gibt es in Hül­le und Fül­le.“ Der er erste Teil über die Temperatur ist eine Fehlinformation, der zweite mit den Worten „Ärger“ und „Enttäuschung“ ein unangemessener Euphemismus. Angebracht wären „Entrüstung“ und „Wut“. Und „ehrenwert“ ist das Ziel der Fahrverbote deswegen nicht, weil die Klimaschutzpolitik zum Bereich des Irrealen gehört und die Angstmache vor dem Feinstaub zu einem Wahn hochgetrieben wird.

Die Kosten der Energiewende sind nicht bloß „ärgerlich“, sondern katastrophal hoch

Zurück zu den Kosten von Kohleausstieg und Energiewende-Politik: Für den FAZ-Kommentator Jasper von Altenbockum4) sind sie bloß „ärgerlich“. Tatsächlich sind sie katastrophal hoch und wirtschaftlich unvertretbar, denn sie gehen in die Höhe von Billionen (siehe hier). Immerhin stellt Altenbockum zutreffend aber auch dies fest: „Es ist Au­gen­wi­sche­rei, dar­auf hin­zu­wei­sen, Deutsch­lands Strom be­ste­he ei­nes Ta­ges zu hun­dert Pro­zent aus Er­neu­er­ba­ren. Da gilt die Re­gel: Je mehr Er­neu­er­ba­re, des­to un­si­che­rer die Ver­sor­gung in der ‚Dun­kel­flau­te’. Schon jetzt be­ein­träch­ti­gen Ab­schal­tun­gen die In­dus­trie mehr als ge­nug.“  Aber ein anderer FAZ-Autor5) jubelt: „Die Koh­le­kom­mis­si­on hat ge­lie­fert. Es gibt jetzt ei­nen Fahr­plan für den Aus­stieg; al­lein das ist ein Er­folg, schließ­lich trägt er die ge­mein­sa­me Un­ter­schrift von Po­li­tik, Wis­sen­schaft, In­dus­trie und Um­welt­ver­bän­den. Läuft al­les nach Plan, ist in zwan­zig Jah­ren Schluss mit der Ver­stro­mung von Stein- und Braun­koh­le. Die kli­ma­schäd­li­chen En­er­gie­trä­ger sind zum Aus­lauf­mo­dell ge­wor­den.“

Der Kohleausstieg beruht auf einer bloßen Fiktion

Am 6. Januar schrieb der Bürger Dr. A. Chudy aus Neukalen den Ministerpräsidenten von Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt und erläuterte ausführlich, warum anthropogenes CO2 keine Ursache für einen Klimawandel sein kann und die Begründung für den Kohleausstieg auf einer bloßen Fiktion beruht. Weder sei der Ausstieg wissenschaftlich gerechtfertigt noch sei er notwendig. Der ganze Briefinhalt hier. Und seit es dem Auto und seinen Fahrern durch die getürkten Abgaswerte politisch an den Kragen geht – erst dem Diesel, dann dem Benziner – brodelt es im deutschen Autoland: Ein 26jähriger bringt Autofahrer in gelben Westen auf die Straße (hier). Ein Freund kommentiert: „Die Deutschen sind ja ein mehrheitlich sehr gutmütiges Volk. Lassen VIELES mit sich machen. Gehen zur Arbeit, statt zu murren. Es muss also schon viel passieren, dass sich Menschen in Deutschland  eine gelbe Weste überziehen. Eine Partei, die die Gesamtheit der Steuerzahler und mehr als 40 Millionen Autohalter als Zielgruppe ins Visier nimmt, kann sich strategisch eigentlich nicht breiter aufstellen.“  Dabei denkt er offenkundig an die AfD.

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1) FAZ vom 29. Januar 2019, Seite 1. Hintergrund: „Die Koh­le­kom­mis­si­on hat­te am Wo­chen­en­de vor­ge­schla­gen, die Koh­le­ver­stro­mung von 2022 an ab­zu­bau­en und spä­tes­tens 2038 aus­lau­fen zu las­sen. Den be­trof­fe­nen Re­gio­nen soll der Bund mit 40 Mil­li­ar­den Eu­ro hel­fen. Der Vor­stands­vor­sit­zen­de des En­er­gie­un­ter­neh­mens RWE, Rolf Mar­tin Schmitz, rech­net schon bis 2023 mit ei­nem ‚si­gni­fi­kan­ten Ab­bau’ von Stel­len. Der­zeit sind noch 20 000 Men­schen in der Koh­le­indus­trie be­schäf­tigt.

2)  FAZ vom 28. Januar 2019, Seite 22 („Uniper-Kraftwerk wird zur Investitionsruine“). Der Konzern Uniper ist eine Abspaltung der Eon AG. Er betreibt Stein­koh­le­kraft­wer­ke in Deutsch­land an fünf Standorten, daneben auch Gas-, Öl- und Was­ser­kraft­wer­ke. Er beschäftigt in Deutschland rund 5000 Mitarbeiter. Di­rekt in der Koh­le­ver­stro­mung sind rund 1000 Be­schäf­tig­te tä­tig.

3)  FAZ vom 29. Januar 2019, Seite 15 („Klimaschutz mit sozialer Schlagseite“). Der ganze Leitartikel-Text hier.

4)  FAZ vom 29. Januar 2019, Seite 8 („Riskanter Ausstieg“).

5)  FAZ vom 28. Januar 2019, Seite 1 („Teurer Kompromiss“). Der ganze Text hier.

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9 Gedanken zu „Ein schleichender Staatsstreich“

  1. Diese Politik ist nur irrational, wenn man die Hintergründe nicht kennt, nicht wissen will und auch anderen nicht zugänglich machen will, wie die Zensur bei Ihnen zeigt.

    Es ist so wie fast überall: rumnörgeln und Symptome diskutieren. Ursachen scheinen nicht zu interessieren, und Kommentare mit Nennung möglicher Ursachen werden gelöscht.

    Dieses Land ist verloren. Und ein wichtiger Grund sind die vielen Nullchecker, die es sich in ihrer platonischen Höhle bequem gemacht haben und teilweise noch nicht einmal mehr den eigenen Tellerrand erkennen können, geschweige denn über diesen hinausschauen können.

    Alles wird als gottgegeben hingenommen. Niemand interessiert das Warum und Wieso, und wer im Hintergrund die Fäden zieht. Sich tiefer mit einer Materie zu beschäftigen könnte vielleicht bedeuten sich mit den falschen Leuten anzulegen, und das will niemand. Da quakt man lieber mit den anderen Fröschen das immer gleiche Lied.

    • Da haben Sie völlig recht. Ich habe wochenlang versucht, ein paar Leute zu Samstagsspaziergängen in Gelbwesten in der nächstgelegenen Stadt zusammen zu trommeln. Nichts zu machen. Der Deutsche liegt vor seinem Fernseher, glaubt, was er zu sehen kriegt und schämt sich zum großen Teil seiner Identität. Ich habe es aufgegeben. Jetzt ist Vorbereitung zum Exit angesagt. Rette sich, wer kann.

  2. Danke Herr Krause für den interessanten, sehr lesenswerten Artikel. Der Leser Sapaud scheint eine große Verschwörung hinter dem allen zu vermuten und ist unzufrieden weil davon in Ihrem Text nicht die Rede ist. Ich schlage eine andere Betrachtungsweise vor, siehe unten. Meine Vorstellungen von der Zukunft sind düster, aber wir können jetzt noch die guten Zeiten genießen, als Fremde im eigenen Land.

    Viele Grüße, Jörg Kahnt

    ——————-.————————–
    02. September 2015
    Lebensphilosophie
    Wie ein gestrandeter Zeitreisender

    Wie man gegenüber einem Kollektiv seine Autonomie bewahrt

    Es gibt für den Historiker verschiedene Möglichkeiten, historische Epochen voneinander abzugrenzen. Etwa entsprechend der Verfassungsordnung, der Konstellation der internationalen Politik oder der Produktionsmittel der Gesellschaft. Eine Möglichkeit ist die Abgrenzung der Epochen nach den jeweils in ihnen vorherrschenden kollektiven Wahnvorstellungen. Jede Epoche hat ihren spezifischen Wahnsinn. Das kollektive Irresein ist keine Ausnahmeerscheinung, sondern Normalität. Wenn irgendein kollektiver Irrsinn zu Ende geht, dann tritt an seine Stelle ein neuer kollektiver Irrsinn.

    Die Mehrheit der Menschen glaubt eine flotte Sohle auf elegantem Parkett hinzulegen, während wenige besorgte Zeitgenossen sich klar darüber sind, dass es ein Tanz auf dem Vulkan ist. Wir Menschen neigen zu Hysterie, Panik, Übertreibung, magischem Denken, rituellen Handlungen und Anbetung falscher Götzen. Wir neigen dazu, der Herde zu folgen, ohne zu wissen, ob sie uns aus der Gefahrenzone oder in den Abgrund führt. Gemessen daran ist es eigentlich erstaunlich, wie weit die Menschheit gekommen ist.

    Dass wir bislang weder im nuklearen Massengrab gelandet sind, noch in einem globalen Nordkorea leben oder uns in einer postzivilisierten Einöde von den Resten einer aus Ignoranz und Dummheit strangulierten Weltwirtschaft ernähren, ist eine selten in vollem Umfang erkannte und anerkannte Leistung. Offenbar hat es selbst in Zeiten, in denen der kollektive Irrsinn sich besonders ungehemmt ausleben konnte, immer einige wenige gegeben, die so etwas wie einen klaren Kopf behalten haben.

    Manchmal ist man schier am Verzweifeln angesichts des über Länder und Kontinente hinwegfegenden Irrsinns, der mal von der einen und mal von der anderen Seite kommt. Solche Form der Frustration ist nun einmal der Preis für die irdische Existenz. Das Päckchen, das man im Leben zu tragen hat. Die Christen sprachen von der „Erbsünde“, für die Griechen war es das Tragische, Nietzsche sprach vom „Menschlichen allzu Menschlichen“.

    Moralische Integrität, intellektuelle Unabhängigkeit, Individualität und Skepsis sind nur um den Preis einer gewissen Distanz zu den vorherrschenden Strömungen der eigenen Epoche und damit auch um den Preis einer gewissen inneren Distanz zu der Gesellschaft zu haben, in der man lebt.

    Distanz ist hier nicht gleichzusetzen mit Arroganz oder Antipathie. Vielleicht kann man diesen inneren Standpunkt am besten als distanziertes Wohlwollen bezeichnen. Distanz schafft Nähe in dem Sinne, dass es uns leichter fällt, unsere Mitmenschen auch dann noch zu mögen, wenn sie gerade dabei sind, blind in ihr eigenes Unglück zu rennen und unseres in Kauf zu nehmen, wenn es gelingt, nicht zu viel von den Menschen zu erwarten. Einen gewissen Grad geistige Umneblung muss man zu jeder Zeit als anthropologische Konstante quasi voraussetzen. So wie der Zeitreisende oder der Völkerkundler als Besucher fremder Zivilisationen und Völker auch dann Sympathien für diese aufbringt, wenn sie unverständliche und auf den ersten Blick merkwürdige Dinge tun.

    Die meisten Menschen haben das Bedürfnis, sich mit der Gesellschaft, in der sie leben, in irgendeiner Form zu identifizieren. Wir Menschen neigen dazu, uns ein Kollektiv zu suchen und eine starke Bindung dazu aufzubauen und dieses Kollektiv dann zu idealisieren. Wir haben ein tiefes Bedürfnis, zu denken, was unsere Mitmenschen denken, und zu fühlen, was unsere Mitmenschen fühlen. Ihre Tabus machen wir zu unseren, und wir nehmen als wichtig und für bare Münze, was tatsächlich unwichtig und in vielen Fällen ganz offensichtlich unsinnig ist. Die Frage ist, mit welcher inneren Einstellung bewahrt man seine intellektuelle Redlichkeit und Individualität, ohne zynisch und verbittert zu werden und sich völlig vom Zeitgeschehen abzuwenden?

    Hilfreich ist dabei, nie ganz in der Gegenwart zu leben, sondern die Vergangenheit und die Zukunft ebenso stark im Blick zu haben. Man betrachte sich selbst als ein Zeitreisender, der durch den Zufall der Einstellungen in der Zeitmaschine an einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Epoche geschleudert wurde und nun dort gestrandet ist. Wir müssen, mit dem, was wir dort vorfinden, wohl oder übel leben und versuchen, das Beste daraus zu machen. Denn was bleibt uns auch anderes übrig?

    Das Leben ist abenteuerlich, selbst wenn wir auf viele Abenteuer gerne verzichten würden. Nicht wir suchen das Abenteuer, das Abenteuer findet uns. Ohne selbst dazu etwas beizutragen, geraten wir in schwere Stürme. Die Welt ist unfair, aber das war sie zu allen Zeiten. Der Blick des Zeitreisenden oder Ethnologen, der eine unbekannte Kultur mit ihren Sitten, Ritualen und Gebräuchen erforscht, sorgt nicht nur dafür, dass wir weniger verbittert und enttäuscht über unsere Mitmenschen sind, wir lernen auch, die richtigen Fragen zu stellen. Wenn man sich selbst im eigenen Land in einer solchen Position sieht, dann sind die Verrücktheiten, mit denen man konfrontiert wird, wenigstens immerhin noch interessant. Dass man auf dieser erzwungenen Forschungsreise leicht unter die Kannibalen kommen kann, ist unangenehm, aber leider nicht zu ändern. Letztendlich ist derjenige, der sich den Wahnvorstellungen seiner Zeit verweigert und seine intellektuelle und moralische Autonomie bewahrt, immer ein Stück weit ein Fremder in einem unbekannten Land – selbst wenn es das eigene ist.

    https://ef-magazin.de/2015/09/02/7397-lebensphilosophie-wie-ein-gestrandeter-zeitreisender

  3. “Das deutsche Volk ist absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage! Der typische Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat, was sich zu verteidigen lohnt. Wenn er aber aus seinem Schlaf erwacht ist, dann schlägt er in blindem Zorn alles kurz und klein, auch das was ihm noch helfen könnte.” C.F. von Weizsäcker

  4. Bring‘ es doch einfach auf den Punkt. MORGENTHAUPLAN! https://ia800505.us.archive.org/1/items/Morgenthau-Henry-Der-Morgenthau-Plan/MorgenthauHenry-DerMorgenthau-plan194415S.Text.pdf

    Deindustriealisierung. Für einen Agrarstaat ist kein Platz mehr, da die Bananenrepube gerade mit Kanaken zugeschüttet wird, die Wohnraum beanspruchen. Die Zionisten leisten wirklich ganze Arbeit. Und jeden Tag. Hetze gegen die Deutschen „Köter“.

    http://finanzcrash.com/forum/read.php?1,169469,169475#msg-169475

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