Der Weihnachtsbaum hatte es anfangs richtig schwer

Sehr alt ist diese Tradition noch nicht, und Obrigkeit wie Kirche leisteten anfänglich sogar Widerstand

Wie es zum Adventskranz gekommen ist, war hier am 1. Advent zu lesen,*) aber wie kam es zum Weihnachtsbaum? Ohne einen solchen Baum ist Weihnachten doch gar nicht mehr denkbar – so, als habe es ihn schon immer gegeben, seit Urzeiten, ewig. Aber die Tradition des Weihnachtsbaums ist jünger als die meisten annehmen. Der Weihnachtsbaum hatte es richtig schwer, ehe er wurde, was er jetzt ist.

…. und viel Unfug dabey treibet

Die ersten Christen kannten den Weihnachtsbaum nicht. Unbekannt war er auch im Mittelalter, in der Renaissance und in der frühen Neuzeit. Später dann entwickelte sich ein Brauch, zur Jahreswende Bäume außerhalb des Hauses aufzustellen. Hierzu findet sich aus dem Jahr 1693 eine Anweisung des Brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III., die er von den Kirchenkanzeln verkünden ließ und die lautete: „Nachdem wir in Erfahrung kommen, daß um Weihnachten in den Dörfern mit Ihren Hörnern blasen, mit dem Vorgeben, sie bliesen den Heiligen Christ herab, daß einige Bäume mit Kränzen aufgerichtet werden, so sie Lose-Bäume nennen, um welche das junge Volk ranziert und viel Unfug dabey treibet, ist solches Treiben bey fiskalischer Inquisition hinfort verboten.“ Und weiter befahl er, die örtliche Obrigkeit habe „die Verbrecher ernstlich zu bestrafen“.

Bei handwerklichen Zünften fing es mit dem Baum an

Aber erste Weihnachtsbäume im heutigen Sinn, also geschmückte Tannen innerhalb von Häusern, hat es bei handwerklichen Zünften gegeben. Ich zitiere aus dem Buch von Walter Krämer und Götz Trenkler (Die 12 populären Weihnachtsirrtümer. Die besondere Weihnachtslektüre):

Der Baum der Schneidergesellen von Basel

„Eine Bremer Zunftchronik von 1570 etwa berichtet von einem im Zunfthaus aufgestellten ‚Dattelbäumchen’, einem kleinen, mit Äpfeln, Nüssen, Datteln und Papierblumen behängten Tannenbaum, den die Kinder der Zunftgenossen zu Weihnachten abschütteln durften. Und 1597 zogen die Schneidergesellen von Basel zu Weihnachten mit einem großen Baum voll Äpfeln und Käse umher, den sie dann in ihrer Herberge aufstellten und plünderten.“

Gegen den Widerstand von Obrigkeit und Kirche

Nur zögerlich und gegen den Widerstand von Obrigkeit und Kirche und nur in den Städten fand der Weihnachtsbaum seinen Weg dann auch in private Häuser. Übernommen wurde diese Sitte vor allem von hohen Beamten und reichen Bürgern, dann auch von Fürsten und Adel – erst in Deutschland, später auch im übrigen Europa. Ich zitiere nochmals aus dem Buch:

Gebräuchlich geworden zuerst bei Reichen und Fürsten

„1816 brachte eine nassauische Prinzessin den ersten Weihnachtsbaum nach Wien, andere Fürstenkinder verbreiteten ihn in Russland, Norwegen und Dänemark, 1820 fanden sich die ersten Weihnachtsbäume in den Adelspalästen von Paris, und mit dem Prinzen Albert, dem Mann der englischen Königin Victoria, überquerte der Weihnachtsbaum auch den Kanal. Aber ein echter Volksbrauch ist er nie gewesen, bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren es weltweit vor allem die Reichen und die Fürsten, die sich unter dem Weihnachtsbaum trafen.“

In Deutschland richtig heimisch erst seit dem Krieg 1870/71

Der breiten Bevölkerung in Deutschland wurde der Weihnachtsbaum erst während des Krieges 1870/71 bekannt. Und zwar hatten die (überwiegend aristokratischen) deutschen Heerführer für den Heiligabend im Kriegswinter für die Truppe eine Anordnung erlassen, in allen Lazaretten, Unterkünften und Quartieren Weihnachtsbäume mit Kerzen aufzustellen. Dieses Erlebnis muss für das soldatische Fußvolk sehr eindrucksvoll gewesen sein: Als der Krieg gewonnen und zuende war, brachten die Soldaten das Erlebnis mit nach Hause, und so hielt der Weihnachtsbaum seinen Einzug auch in die Häuser und Stuben der einfacheren Bürgerschichten.

Der politisch korrekte Weihnachtsbaum

Apropos, heute in der so wunderlichen Zeit der Political Correctness sagt man natürlich nicht mehr Weihnachtsbaum. Das könnte militante Islamisten doch so schrecklich verletzen. Heißen sollte er jetzt: „extrem beleuchtetes Nadelgehölz mit Religionshintergrund.“ (Gefunden hier: https://fbcdn-sphotos-f-a.akamaihd.net/hphotos-ak-frc3/1456489_229416253900835_399604627_n.jpg)

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*)  http://kpkrause.de/2013/12/01/ziemlich-deutsch-dieser-kranz/

 

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