Erdölverkauf nur gegen Dollar

Teil 4
Zuwiderhandlung wird bestraft

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist es der Weltmacht USA gelungen, auf dem Weltmarkt den Dollar als allgemeine Handelswährung durchzusetzen. Nahezu alles hat Dollar-Preise und wird in Dollar bezahlt, gerade auch das Erdöl als wichtigster Energierohstoff. Lieferländer, die es wagen, ihr Öl in anderer Währung (Euro) bezahlen zu lassen, werden massiv bestraft. Als der Irak unter Saddam Hussein das irakische Öl nicht mehr gegen Dollar verkaufen wollte, war das für die USA der (allerdings ungenannte) Grund, in den Irak einzumarschieren und Saddam zu vernichten. Begründet und gerechtfertigt wurde der Krieg, durchaus verständlich, mit Saddams in der Tat schlimmen Terror-Regime und Morden. Aber dergleichen gab und gibt es auch woanders, zum Beispiel Völkermord in Afrika, ohne dass die USA auch dort militärisch eingriffen.

Seit Iran ankündigte (2006), sein Öl ebenfalls nicht mehr gegen Dollar verkaufen zu wollen, steht das Land unter amerikanischer Bedrohung mit Krieg, offiziell aber nur wegen seiner Urananreicherung und des Verdachts, dann Kernkraftwaffen herstellen zu wollen. Die Abkehr von der Dollar-Fakturierung beim Erdölverkauf empfinden die USA als Angriff auf den Dollar als ihre zweite Machtsäule.

Vorsichtiger gehen fünf arabische Golfstaaten des 1981gegründeten Golfkooperationsrates (GCC) zu Werke. Sie wollen zunächst eine gemeinsame Währung samt gemeinsamer Zentralbank einführen. Sie ist für den Jahresbeginn 2010 vorgesehen und soll „die zunehmend geforderte Lösung vom Dollar erleichtern“ (FAZ vom 2. Januar 2009). Für die Übergangszeit sollen die bisher einzelnen Währungen an einen Währungskorb gekoppelt sein – mit 45 Prozent Dollar, 30 Prozent Euro, 20 Prozent Yen und 5 Prozent britischen Pfund. Die Vorstellung ist, dass diese neue Währung namens Chalidschi, gestützt auf die Ölvorkommen in den Mitgliedsstaaten, eine wichtige Weltreservewährung wird.

Der Schutzgeld-Charakter der Dollar-Fakturierung

Von einer Abkehr des Ölverkaufs gegen Dollar ist dabei nicht die Rede. Die wäre ein derart starkes Misstrauensvotum gegen den Dollar, dass er einen Dollarsturz auslösen würde. Damit schnitten sich die Golfstaaten ins eigene Fleisch, denn ihre Auslandsanlagen notieren meist in Dollar. Auch wollen sie auf den Schutz der USA gegen Iran nicht verzichten. Sie erkaufen sich diesen Schutz, indem sie es hinnehmen, mit dem Dollar ein Verlustgeschäft zu machen. Man könnte auch sagen, dass die USA dieses Schutzgeld als eine Art Tributpflicht betrachten, wie einst in der Antike das alte Rom seinen Satellitenstaaten Tributzahlungen abgezwungen hat. Deshalb ist damit rechnen, dass es in absehbar Zeit bei der Dollar-Fakturierung bleibt.

Aber mit der Zeit dürfte sich der Chalidschi die Loslösung vom Dollar wohl erlauben können. Schon jetzt schichten die Zentralbanken ihre Währungsreserven zugunsten des Euro und des Yen allmählich um, und ein kundiger Beobachter vor Ort meint: „Die Abhängigkeit der Golf-Araber von den Amerikanern nimmt ab. Die Beziehungen zu Asien werden immer enger und eines raschen Tages wichtiger sein als die zu Washington. Und China wird seine Interessen dann ebenso gnadenlos durchsetzen, wie es heute die Vereinigten Staaten tun.“

China rüstet sich ohnehin schon gegen die vom Dollar drohende Gefahr. In einem Beitrag vom 31. Dezember 2008 schrieb der Schriftsteller und Journalist F. William Engdahl von defensiven Maßnahmen, die China zum ersten Mal ohne Rücksicht auf den in Dollar abgewickelten Handel in dieser Weltregion getroffen habe. Sie seien für die langfristige Perspektive des Dollars als Weltreservewährung außerordentlich bedeutsam und in dieser Rolle für den weiteren wirtschaftlichen und politischen Einfluss der USA von allergrößter Wichtigkeit. Auch habe Chinas staatlich kontrollierter Investmentfonds Sovereign Wealth Fund, der über ein Vermögen von rund 200 Milliarden Dollar verfüge, angekündigt von sofort an keine Investitionen mehr zu tätigen, um amerikanische oder andere westliche Finanzinstitute zu retten.

Ein fachkundiger Beobachter schrieb: „Was wir in diesen Jahren erleben, ist die Spätphase des Dollar-Imperialismus und der Übergang zu einem multipolaren Währungssystem. Seit 1950 ist der Anteil der amerikanischen Industrieproduktion an der Weltproduktion von 60 auf 25 Prozent zurückgegangen. Die Wirtschaftskraft Europas, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, liegt weit über der amerikanischen. China wird die USA wahrscheinlich noch vor Mitte des 21. Jahrhunderts einholen. Lateinamerika entzieht sich mehr und mehr der amerikanischen Kontrolle. Die USA haben, ähnlich wie die Sowjetunion, ihre volkswirtschaftlichen Kräfte im Dienste ihres Militärapparates überdehnt und werden dem Zyklus von Aufstieg und Niedergang – wie das antike Rom – nicht entgehen. Auch Währungen kommen und gehen. Der Dollar wird seine Funktion als Leitwährung nach und nach verlieren. Es wird ein langwieriger Prozess sein, der sich manchmal beschleunigt, manchmal angehalten werden kann. Noch wird die US-Währung gestützt durch Kanonenboote, durch das teuerste Spionagesystem der Welt, durch die politische und militärische Kontrolle der Gegenküsten Amerikas und durch ein globales Netz, dessen Fäden in New York, der Finanzhauptstadt der Welt, zusammenlaufen.“

Ein Nachtrag im nächsten und abschließenden Beitrag

Copyright: Klaus Peter Krause

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