F u n d s a c h e
„Nur der Charakter der Bürger erschafft und erhält den Staat und macht politische und bürgerliche Freiheit möglich. Denn wenn die Weisheit selbst in Person vom Olymp herabstiege und die vollkommenste Verfassung einführte, so müsste sie ja doch Menschen die Ausführung übergeben. … Man wird damit anfangen müssen, für die Verfassung Bürger zu erschaffen, ehe man den Bürgern eine Verfassung geben kann.„
Raten Sie mal, von wem das stammt. Richtig. Friedrich Schiller war’s. Er schrieb es am 13. Juli 1793 in einem Brief an Herzog Friedrich Christian I. von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1721 bis 1794). Schlagwortartig formuliert ließe sich sagen: Nicht nur die Verfassung muss tauglich sein, sondern auch die Bürger für die Verfassung. Die Bürger müssen für die Verfassung taugen, damit die Verfassung für die Bürger taugen kann. Sie müssen sie gleichsam verdienen, ehe man sie ihnen anvertraut. Sie müssen die Verfassung leben (wollen), damit sie Bestand haben kann und ihnen dauerhaft Erfolg beschert. Ohne verfassungstaugliche Bürger nützt die schönste Verfassung nichts.
Und wenn schon die Bürger verfassungstauglich sein müssen, dann ihre politische und institutionelle Führung erst recht. Die gegenwärtige Führung in Deutschland ist es in Teilen nicht. Über das Grundgesetz, das die Deutschen als ihre Verfassung empfinden, hat sie sich schon mehrmals hinweggesetzt. Ein Beispiel sind ihre autoritären Entgleisungen während des geschürten Corona-Wahns. Selbst einer Institution wie dem Bundesamt für Verfassungsschutz unter seinem gegenwärtigen Präsidenten Thomas Haldenwang ist verfassungswidriges Verhalten vorzuwerfen, zum Beispiel gegenüber der AfD. Und auch die Institution Bundesverfassungsgericht ist nicht mehr über alle Zweifel erhaben (siehe sein Klimaschutzurteil). Immer mehr wird man den Eindruck nicht los, dass die Bürger in Deutschland verfassungstauglicher sind als ihre Führung.
Allerdings, mit der nach wie vor so gut wie unkontrollierten Zuwanderung schwindet die Zahl der verfassungstauglichen Menschen in Deutschland schleichend dahin. Wie unter anderem durch die Gender-Wahn-, Corona-, Klimaschutz- und Migrationspolitik das bisherige politische Deutschland ins Grotesk-Absurde verschoben, gleichsam schon ver-rückt worden ist und weiterhin ver-rückt wird, hat Roland Tichy im Editorial seines Magazins Tichys Einblick (Ausgabe 11/2023: „Deutschland ver-rückt“) so zum Ausdruck gebracht: „Ungefähr drei bis fünf Millionen Menschen leben in Deutschland und nehmen hier lebenslange Hilfe in Anspruch, obwohl sie im Geiste des Gesetzes keinen Anspruch auf Asyl haben. Wer durch illegalen Grenzübertritt, Verschleierung seiner Identität und mit allerlei Tricks ein neues Leben auf Kosten der Einheimischen beginnt, wird auch in Zukunft wenig geneigt sein, die Gesetze des Gastlandes einzuhalten.“
In der Tat, wer dazu wenig geneigt ist, dem fehlt es an Verfassungstauglichkeit. Und eine politische Führung, die den zentralistischen, totalitären Vorhaben zum Beispiel eines Weltwirtschaftsforums (WEF) oder einer heutigern Weltgesundheitsorganisation (WHO) samt ihren Drahtziehern folgt und ihre Bevölkerung zu unselbständigen, sklavischen Opfern macht, wird dann – auch unter den Einheimischen – verfassungstaugliche Bürger gar nicht mehr haben.
Das oben wiedergegebene Schiller-Zitat stammt aus Schillers „Augustenburger Briefen“ an Herzog Friedrich Christian I. Er schrieb sie als Dank an ihn, denn der Herzog hatte ihm für drei Jahre eine Apanage gewährt: Sie verschaffte ihm (Quelle hier) unverhofft Zeit für eine vertiefte Beschäftigung mit den Werken Immanuel Kants. In der Auseinandersetzung mit Kants Prinzipien über die Ästhetik, die in der „Kritik der Urteilskraft“ erörtert werden, und angesichts des Verlaufes der Französischen Revolution entwickelte Schiller eine eigene Theorie über die Ästhetik. In den Augustenburger Briefen, die er dem Herzog bis 1793 schickte, schrieb er seine Überlegungen nieder.*)
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*) Das herausgepickte Zitat findet sich im folgenden Auszug aus Schillers Brief vom 13. Juli 1793:
„Alle Reform, die Bestand haben soll, muß von der Denkungsart ausgehen, und wo ein Verderbnis der Prinzipien herrscht, da kann nichts gesundes, nichts gutartiges aufkeimen. Nur der Charakter der Bürger erschafft und erhält den Staat und macht politische und bürgerliche Freiheit möglich. Denn wenn die Weisheit selbst in Person vom Olymp herabstiege und die vollkommenste Verfassung einführte, so müsste sie ja doch Menschen die Ausführung übergeben.
Wenn ich also …. über die gegenwärtigen politischen Bedürfnisse und Erwartungen meine Meinung sagen darf, so gestehe ich, dass ich jeden Versuch einer Staatsverbesserung aus Prinzipien – denn jede andere Art ist nur Not- und Flickwerk – so lange für unzeitig und jede darauf gegründete Hoffnung so lange für schwärmerisch halte, bis der Charakter der Menschen von seinem tiefen Fall wieder emporgehoben ist – eine Arbeit für mehr als ein Jahrhundert! – Man wird zwar unterdessen von manchem abgestellten Missbrauch, von mancher glücklich versuchten Reform im einzelnen, von manchem Sieg der Vernunft über das Vorurteil hören, aber was hier zehn große Männer aufbauten, werden dort fünfzig Schwachköpfe wieder niederreißen. Man wird in anderen Weltteilen den Negern die Ketten abnehmen und in Europa den Geistern anlegen. So lange der oberste Grundsatz der Staaten von einem empörenden Egoismus zeugt und so lange die Tendenz der Staatsbürger nur auf das physische Wohlsein beschränkt ist, so lange, fürchte ich, wird die politische Regeneration, die man so nahe glaubte, nichts als ein schöner politischer Traum bleiben.
Sollte man also aufhören, danach zu streben? Soll man gerade die wichtigste aller menschlichen Angelegenheiten einer gesetzlosen Willkür, einem blinden Zufall anheim stellen …. Nichts weniger! Politische und bürgerliche Freiheit bleibt immer und ewig das heiligste aller Güter, das würdigste aller Anstrengungen und das Zentrum aller Kultur. Aber man wird diesen herrlichen Bau nur auf dem festen Grund eines veredelten Charakters aufführen, man wird damit anfangen müssen, für die Verfassung Bürger zu erschaffen, ehe man den Bürgern eine Verfassung geben kann.„