Der Kulturkampf der politisch Linken und ihres Extremismus‘ erreicht die Bibliothek des Konservatismus (BdK) in Berlin – Der Gemeinsame Bibliotheksverbund von deutschen Bibliotheken kündigt deren Mitgliedschaft – Der Widerstand dagegen formiert sich – Der Offene Brief von 69 Professoren aus Deutschland und Österreich fordert den Verbund dazu auf, die Kündigung zurückzunehmen
Die Direktorin des Gemeinsamen Bibliothekverbundes (GBV) von Bibliotheken in Deutschland, Regine Stein, hat der Bibliothek des Konservatismus (BdK) in Berlin den Vertrag zur Katalogisierung der BdK-Bücher zum 31. Dezember 2025 gekündigt und damit deren Nutzung der Fernleihe-Datenbanken. Ohne Angabe von Gründen. Die BdK soll mitsamt ihren Inhalten unsichtbar gemacht werden. Der Widerstand dagegen formiert sich. Medien haben den Ausschluss kritisch aufgegriffen. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) titelt „Sind Bücher gefährlich? Die Verbannung einer konservativen Bibliothek aus der öffentlichen Wahrnehmung ein Armutszeugnis.“ Die Tagespost formuliert: „Falsche Gesinnung? Der Bibliothek des Konservatismus geht es an den Kragen. Eine perfide Form des ‚Deplatforming‘ soll sie zerstören.“
Die-Welt-Herausgeber Ulf Poschardt konstatiert: „Der Kulturkampf fängt gerade erst an.“ Tichys Einblick online nennt den Angriff eine „Kampagne gegen nichtlinke Bibliothek. Verbannung für konservative Literatur.“ Die Online-Plattform Nius kommentiert: „Die neue Bücher-Inquisition: Lasst uns doch lesen, was wir wollen.“ Das Magazin Cicero überschreibt seinen Bericht mit: „Ein Wissenschaftsministerium macht Bücher unsichtbar. Im Einklang mit Niedersachsens Wissenschaftsministerium cancelt ein staatlicher Bibliotheksverbund die ‚Bibliothek des Konservatismus‘. Ministerium und Verbund weigern sich, ihr wissenschaftsfeindliches Handeln zu begründen.“ The European Conservative äußert im Titel: „Deleting the Right: A digital Book-Burning in Berlin:“ Ein Offener Brief von 69 Unterzeichnern an die Verbundsdirektorin Stein fordert sie auf, die Kündigung zurückzunehmen.*) Fast alle Unterzeichner sind Professoren in Deutschland und Österreich.
„Die Kündigung unverzüglich zurücknehmen“
In dem Offenen Brief schreiben die Unterzeichner: „Die Bibliothek des Konservatismus ist eine Spezial- und Forschungsbibliothek, die das gesamte geistesgeschichtliche Spektrum des Konservatismus seit 1789 erschließt. Als solche ist sie seit 2008 Mitglied in Ihrem Bibliotheksverbund. Sollte der Ausschluss der BdK aus dem GBV umgesetzt werden, würden die Bestände der BdK nicht mehr im Internet recherchierbar sein. Auch vor Ort, im Lesesaal der BdK, wäre keine Literaturrecherche mehr möglich, zumal die Bestände der Mitgliedsbibliotheken durch den GBV verwaltet werden. Die BdK würde ihre Sichtbarkeit verlieren. Der GBV als Betrieb des Landes Niedersachsen wird damit seiner Aufgabe als öffentlich-rechtliche Institution nicht gerecht. Wir, die Unterzeichner, sehen in der unbegründeten Kündigung einer langjährigen Mitgliedsbibliothek einen schwerwiegenden Eingriff in die Wissenschaftsinfrastruktur und mithin die Wissenschaftsfreiheit. Wir fordern Sie auf, die Kündigung unverzüglich zurückzunehmen.“ **)
„Mit jedem Tag stirbt die Freiheit ein Stück mehr“
Die Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) befasst sich in ihrer jüngsten Ausgabe***) mit dem Angriff auf die Freiheit, die auch eine Freiheit der Wissenschaft ist, in mehreren Beiträgen. Till Kinzel schreibt auf der Titelseite unter anderem: „Es vergeht kaum ein Tag, ohne daß die Öffentlichkeit mit einer neuen Absurdität konfrontiert wird. … mit jedem Tag stirbt die Freiheit ein Stück mehr, wenn die einzelnen Freiheiten nicht mehr geachtet werden. … Dabei gehört die BdK zu den erfolgreichen Projekten einer Zivilgesellschaft, die diesen Namen auch verdient. Denn ohne jede staatliche Unterstützung, allein durch private Mittel und Spenden finanziert, leistet diese Bibliothek einen höchst wertvollen Beitrag zu Buntheit und Vielfalt in der ansonsten reichlich eintönigen politischen Kultur Deutschlands. Gäbe es die Bibliothek des Konservatismus nicht, gäbe sie nicht Stimmen Raum, die heute selbst an den Universitäten oft kein Gehör finden – es würde etwas fehlen. Das betrifft nicht nur die zahlreichen Veranstaltungen, die dort regelmäßig stattfinden, sondern auch ihr eigentliches Kerngeschäft: Bücher und Zeitschriften. Denn viele Bücher und Zeitschriften aus konservativen Verlagen oder von konservativen Autoren finden oft nur dort eine Heimat; sie sind in anderen Bibliotheken nicht immer zu finden. Dabei nutzen auch Wissenschaftler, die sich aus kritischer Perspektive mit der Geschichte des Konservatismus und der Rechten beschäftigten, selbstverständlich die BdK ohne Einschränkungen, denn sie ist längst zu einer unentbehrlichen Spezialsammlung geworden.“
Ohne Verbundnetz ist die BdK digital nicht mehr auffindbar
BdK-Leiter Wolfgang Fenske sagt im JF-Interview mit Moritz Schwarz: „Für eine Bibliothek ist es existentiell, einem Verbundnetzwerk angeschlossen zu sein, denn sonst ist sie für recherchierende Forscher, Studenten und interessierte Laien digital nicht aufzufinden. Daher ist es erschreckend, daß uns im Sommer ein Kündigungsschreiben des ‚Gemeinsamen Bibliotheksverbunds‘ (GBV) der norddeutschen Länder erreicht hat.“ Als Moritz Schwarz nach der Begründung fragt, antwortet Fenske: „Das eben ist das Erschreckende: keine. Ergo lässt sich auch kein Problem ausräumen. Der GBV hat uns einfach zum 31. Dezember 2025 ordentlich gekündigt.“ Und auf die Frage „Geht das denn?“ sagt Fenske: „Der Verbund steht auf dem Standpunkt, zwar sei er eine Einrichtung des Landes Niedersachsen, habe aber in seiner Eigenschaft als Betrieb lediglich einen zivilrechtlichen Vertrag mit uns geschlossen. Und der sei, wie jeder solcher Vertrag, jederzeit ohne Angabe von Gründen ordentlich zu kündigen.“
Über die Gründe für den plötzlichen SGBV-Sinneswandel nur Mutmaßungen
Die Bibliothek des Konservatismus gibt es laut Fenske seit dreizehn Jahren. Gefragt, warum ihr erst jetzt gekündigt wurde, sagt Fenske: „Das hat uns auch erstaunt, denn wir haben eigentlich stets ein gutes Verhältnis zum GBV gehabt. Und das bereits seit 2008, denn wir sind ihm schon während der Jahre der Aufbauarbeit der Bibliothek beigetreten. Nie hat man uns das Gefühl gegeben, zurückgesetzt oder schlecht behandelt zu werden. Ich kann daher über die Gründe für den plötzlichen Sinneswandel nur mutmaßen.“ Was er mutmaßt, lautet so: „Im Oktober 2024 übernahm mit Regine Stein eine neue Direktorin den GBV. Wenn wir kein Dreivierteljahr später – nach 17 kollegialen Jahren – plötzlich aus dem Verband geworfen werden, dann steht der Verdacht im Raum, dass die neue Leitung eine politische Agenda verfolgt. Aber ich sage klar, dafür gibt es keine Beweise, es ist lediglich eine Vermutung nach dem Ausschlussprinzip: Wenn es sonst keinen plausiblen Grund gibt, bleibt dieser vorerst als einzig stichhaltiger übrig.“
Gegen die Kündigung Klage eingereicht
Die Bibliothek hat gegen die Kündigung Klage eingereicht. Fenske begründet sie so: „Der GBV ist eine öffentlich-rechtliche Institution, die auch gewisse hoheitliche, also staatliche Aufgaben wahrnimmt, um Bibliotheken die Arbeit zu ermöglichen. Daher fällt er unter das Verwaltungsrecht, und das heißt, er darf zum Beispiel Prinzipien wie den Gleichheitsgrundsatz, die Gleichbehandlung, nicht verletzten. Also zum Beispiel nicht jemanden aus politischen oder weltanschaulichen Gründen benachteiligen.“ Fenske (Jahrgang 1969) leitet die Bibliothek seit ihrer Eröffnung 2012.
Eine Bibliothek, die das intellektuelle Erbe des Konservatismus bewahrt
Die in Berlin ansässige Bibliothek des Konservatismus ist eine wissenschaftliche Spezialbibliothek, die das intellektuelle Erbe des Konservatismus bewahrt. Getragen wird sie von der Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung (FKBF), deren Stiftungsratsvorsitzender der Herausgeber der Wochenzeitung Junge Freiheit, Dieter Stein, ist. Während die Gründung der Bibliothek in das Jahr 2011 fällt, fand die feierliche Eröffnung am 22. September 2012 statt. Eine Besonderheit ist die vollständige Unabhängigkeit von staatlichen Mitteln: Die Institution ist zu 100 Prozent spendenfinanziert und erhält keine öffentlichen Gelder. Ihr Bestand umfasst rund 35.000 katalogisierte Bände und speist sich aus den Sammlungen des Publizisten Caspar von Schrenck-Notzing und des Philosophen Günter Rohrmoser. ****)
Von den sechs deutschen Bibliotheksverbünden ist der GBV der größte
Der Gemeinsame Bibliotheksverbund (GBV) ist der größte der sechs Bibliotheksverbünde Deutschlands und vernetzt Einrichtungen in sieben Bundesländern. Ihm gehören über 200 wissenschaftliche Bibliotheken an, darunter prominente Häuser wie die Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen, die TIB Hannover, die SUB Hamburg oder die Staatsbibliothek Berlin. Die Verbundzentrale (VZG) mit Sitz in Göttingen wird tatsächlich als Landesbetrieb vom Land Niedersachsen getragen. Die Leitung der Verbundzentrale wechselte im Oktober 2024 von Gründungsdirektor Reiner Diedrichs zu Regine Stein. ****)
Die sechs deutschen Bibliotheksverbünde
Bibliotheksverbünde in Deutschland sind der Gemeinsame Bibliotheksverbund (GBV), die Staatsbibliothek zu Berlin (gehört zur GBV), der Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV), der Südwestdeutsche Bibliotheksverbund (SWB), der Bibliotheksverbund Bayern (BVB), das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz) und das Hessische BibliotheksInformationsSystem (HeBIS).
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*) Quelle aller Beispiele: Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) vom 28. November 2025, Seite 10.
**) Der Offene Brief ist mir aus meinem Umfeld zugeschickt worden. – Formal ist und war die privat finanzierte Spezialbibliothek BdK zwar nie Mitglied des GBV, hat aber mit ihm einen Hosting-Vertrag zur Katalogisierung seiner Werke. Diese Kooperation soll nun 2025 enden.
***) JF vom 28. November 2025, Seite 1, 3 und 7.
****) JF vom 28. November 2028, Seite 7.