Nochmals: Die dicken Bezüge der Manager

Gewiss, sie sind in Verruf. Aber ihr Geld arbeitet.

Beispiele wie Schrempp, IKB, Esser und andere müssen dafür herhalten, die gesamte Besoldung von Unternehmensführern in Verruf zu bringen. In den öffentlichen Blick genommen werden meist nur diese spektakulären Fälle. Dann sind viele Menschen versucht, sie zu verallgemeinern, oder von politischen Rattenfängern dazu verführt, es zu tun. Was den Normalfall darstellt, was keine Schlagzeilen liefert, was keine politische Agitation ermöglicht, bleibt un- oder unterbelichtet. Die öffentliche Wahrnehmung ist verzerrt. Folglich gerät nur schwer ins Bewusstsein, dass der Großteil der deutschen Vorstandsbezüge mit den „Ausreißern“ in den hundert führenden Unternehmen oder in den dreißig Dax-Konzernen nichts zu tun hat und dass der Abstand dieser Bezüge zum allgemeinen Gehaltsniveau nahezu unverändert geblieben ist. So jedenfalls haben es Beratungsunternehmen wie Kienbaum Consultants International bekundet, die Führungspersonal vermitteln.

Unter diesen Umständen wundert es nicht, wenn nach einer Umfrage der Forsa-Gesellschaft von Anfang Dezember 2007 immerhin 70 Prozent der befragten Bundesbürger dafür sind, die Manager-Gehälter gesetzlich zu begrenzen, darunter auch zwei Drittel der Anhänger von CDU/CSU. In diesem Ergebnis mag sich das Gefühl niederschlagen, zu kurz zu kommen, mögen also auch Mißgunst und Neid eine Rolle spielen. Wohl ebenso die über die Medien vermittelte Wahrnehmung, der Abstand zwischen dem eigenen Einkommen und den Manager-Einkommen werde immer größer. Diese wachsende Ungleichheit sowie die Ohnmacht, an ihr – trotz an sich bestehender Chancengleichheit – nichts ändern zu können, wird dann als schreiende Ungerechtigkeit, als tiefes Unglück empfunden, und Empörung ist die Folge.

Merkwürdig nur, dass sich diese Empfindungen nicht ebenso entladen gegenüber den Einkommen von erfolgreichen Spitzenfußballern, Profi-Golfern, Laufsteg-Schönheiten, Pop-Sängern, Filmstars und anderen Ikonen der Spaß- und Unterhaltungsgesellschaft, obwohl die doch ebenso viel oder auch mehr verdienen als jene inkriminierten Spitzen-Manager und dabei sogar weniger Verantwortung tragen als diese Unternehmensleiter. Also scheint denen mehr angelastet zu werden als nur die dicken Bezüge. Dazu mag der „goldene Handschlag“ gehören, mit denen nicht mehr erfolgreiche oder gescheiterte Manager aus einem Unternehmen verabschiedet werden, mögen die Massenentlassungen der vergangenen Jahre gehören, das Verlagern von Betriebsteilen ins Ausland, ebenso andere Reaktionen auf die um sich greifende Globalisierung, woran aber auch die Politik ihren erheblichen Anteil hat. Die Fehlleistungen der Bank-Manager, die die große länderumgreifende Finanzkrise ausgelöst haben, gehören bestimmt dazu.

Manager stehen somit da als gefühllose, kalte Maximierer des eigenen Nutzens zu Lasten von Volk und Vaterland. Ohnehin unterliegen sie anderen Maßstäben als die Einkommensmillionäre der Unterhaltungsgesellschaft. Dieses auch zu recht, denn sie können über ihnen anvertraute Menschen Unheil bringen. Falls dagegen jene anderen Großverdiener überhaupt Unheil anrichten, dann schlimmstenfalls so, dass sie ihr Publikum langweilen und dieses sich von ihnen abwendet. Gelegentlich selbstherrliches, arrogantes Auftreten des einen oder anderen Unternehmensführers vor der Öffentlichkeit hat zum Verruf noch beigetragen.

Dass die Hälfte der Manager-Bezüge mit ihrer zusätzlichen „Reichensteuer“ in die Einkommensteuer fließt und damit zugunsten der Allgemeinheit die Staatsausgaben finanzieren hilft, gleicht dies bei weitem nicht aus, zumal viele Empörte diese Leistung ohnehin gar nicht wahrnehmen. Es ist auch wenig bekannt, dass nur 10 Prozent der deutschen Steuerzahler zu mehr als 50 Prozent zu den staatlichen Einnahmen aus der Einkommensteuer beitragen und dass zu dieser Gruppe auch die hochbezahlten Manager gehören. Dagegen bestreitet die unteren 50 Prozent der Steuerzahler nur 7,5 Prozent der Einkommensteuer-Einnahmen. Die allerdings müssen dann über die Mehrwertsteuer bluten.

Rainer Hank schrieb: „Die Menschen ertragen Ungleichheit nur schwer. Deshalb ist die Empörung über die exzessive Entlohnung der Top-Manager jetzt so groß. Doch wären die Reichen weniger reich, wären womöglich alle anderen Ärmer.“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 16.12.2007). Und Ralf Dahrendorf sagte zur Kritik an überhöhten Manager-Gehältern in einem FAZ-Gespräch: „Wenn von Manager-Millionen die Rede ist. Warum fragt eigentlich niemand, was mit diesem Geld geschieht. Denn es liegt ja nicht unter irgendwelchen Matratzen herum. Die Millionen beschäftigen Menschen. Ob Manager Gemälde kaufen oder eine Yacht auf dem Mittelmeer haben, deren Besatzung permanent darauf wartet, dass der Besitzer kommt und drei Tage rumschippert: Das Geld arbeitet.“ (FAZ-Feuilleton vom 10.10.2008)

Man glaubt, die dankbare Hingabe zu spüren, mit der Politiker und Parteien den großen Volkszorn über die dicken Manager-Bezüge aufgreifen, um nun auch hiermit ihren üblichen Entrüstungs- und Betätigungsdrang auszuleben und Wählerfang zu betreiben. Freilich müssen sie sich, wenn sich Unmut in der Bevölkerung ausbreitet, hierzu öffentlich auch äußern dürfen. Eine SPD-Arbeitsgruppe hat sich schon früh ans Werk gemacht (FAZ vom 21.12. 2007). Stimmen aus der Union beschränkten sich zur gleichen Zeit noch auf Appelle und Äußerungen gegen staatliche Gängelung. Aber allgemeine Manager-Schelte und die Manager ohne Unterschied als Prügelknaben zu nutzen, lenken zu viele höchst wirksam davon ab, dass gerade die Große Koalition mit immer höheren Belastungen durch Steuern und vorgetäuschte Öko-Abgaben dafür sorgt, dass die Normalverdiener nicht mehr, sondern immer weniger vom Verdienten zur eigenen Verfügung haben. Die von Politikern ebenfalls beklagte steigende Armut hat nicht zuletzt auch darin ihren Grund. Dies ist von weit größerem Belang.

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4 Kommentare zu „Nochmals: Die dicken Bezüge der Manager“

  1. Lieber Dr. Krause,
    stimmt alles von der ersten bis zur letzten Zeile. Ich meine damit, dass es auch meine Einstellung haargenau trifft. Ich weiß es, Murren allein nützt nichts. Nur wo ist die Partei, die den erforderlichen Wandel auch schaffen kann. Dazu braucht sie Mehrheiten von Wählerstimmen. Herzog wird am 15. April 2008 von der BILD Zeitung mit der Aussage zitiert: „ Es gibt auch ein Grundrecht auf Dummheit“. Wird das bei uns zu kräftig in Anspruch genommen?
    Ihr
    Justus

    22. Oktober 2008: Lieber Justus, gewiss, dieses „Grundrecht“ besteht, es wird auch in Anspruch genommen. Aber viel stärker in Anspruch genommen wird das „Grundrecht“ auf Nicht-Interesse, Trägheit, Verharren in Ahungslosigkeit, Hedonismus … Ihr Klaus Peter Krause

  2. Wie namhafte Politiker vor allem seit der akuten Bankenkrise mit den Managern in diesem Land umgehen, kann ich nur als Anheizen einer allgemeinen Progrom-Stimmung ansehen. Es ist geradezu schamlos wie die Führungskräfte der Wirtschaft bloß gestellt und moralisch niedergemacht werden. Es sind doch die von den Politikern beaufsichtigten Staatsbanken, die in Deutschland krass versagt haben. Als ein parteibuch besitzender Herr Dr. Neuber und sein unsäglicher Mentor, das Sparklub Mitglied, Johannes Rau, ehemals Bundespräsident dieser Republik laut der renommierten Zeitung Straits Times 15,2 Mrd. DM 1997 in Südostasien verzockt hatten, wurde hier in Deutschland ein Mantel des Schweigens mit Staatsmacht durchgesetzt und alles wurde vertuscht. Die Verluste von damals wirken sich bis heute auf die Bilanzen der WestLB aus. Ich kann nur hoffen, dass sich wieder eine anständige Stimmung in diesem Land durchsetzt und die Politiker von der Verhetzung der so leicht beeinflussbaren Deutschen ablassen. Eine Judenverfolgung war eine Verfolgung zuviel.
    Dr. Michael J. Meixner

  3. Zur Finanzkrise die Anmerkung, daß alle betrogenen Sparer, Versicherte und sonstige durch die Bankenkrise geschädigte und die Bevölkerung allgemein zweifach geschädigt wurde: Durch die seit Jahren steigenden Versorgungskosten Strom,Treibstoff,Heizung mit allen ihren inflationären Wirkungen welche direkt/indirekt zum verzockte Vermögen der Banker gehören welchen Verlust wir im zweiten Vollzug über die Milliardenkredite zur Stützung eben jener Geldverwalter werden aufbringen müssen, denen wir einige Jahre lang ihre Preise zahlen mußten. Wenn nun auch staatliche Aufsicht in die Banken einzieht, dann hoffentlich mit einer besseren Erfolgsquote als die gegenüber der Bankenkrise lächerlichen Steuerfahndung nach Zinsgewinn im Ausland.

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