Die gute alte Braunkohle

Ohne sie und die Kernkraft steigt der deutsche Strompreis, wenn die Energiewende-Pläne tatsächlich durchgezogen werden, auf 100 Cent je kWh und mehr

Jede vierte in Deutschland verbrauchte Kilowattstunde Strom basiert auf dem Verbrennen der heimischen Braunkohle. Dieser fossile Rohstoff ist der einzige heimische Energieträger, der in großen Mengen langfristig subventionsfrei und wettbewerbsfähig zur Verfügung steht. Durch den Verbund von Tagebau und thermischen Kraftwerk bietet die Stromerzeugung mit Braunkohle ein Höchstmaß an Versorgungssicherheit. Auch bestehen keine Transportrisiken.1) Dieser Strom ist zudem der kostengünstigste. Aber Strom mittels Wind, Sonne und pflanzlichen Stoffen soll den Strom aus fossilen Brennstoffen ablösen. So will es die Bundesregierung, so wollen es die öko- und bio-trunkenen Parteien, so wollen es die subventionsverwöhnten Energiewende-Profiteure. Dass damit der Strom für alle Bürger viel teurer und für viele Bürger unbezahlbar wird, rührt sie nicht; es ist, wenn auch unausgesprochen, sogar beabsichtigt.

Wie der „Ökostrom“ 19mal so teuer wird wie Strom aus Braunkohle

Die Ausbaupläne der Bundesregierung sehen für Wind- und Solaranlagen eine installierte Leistung von etwa 240 Gigawatt (GW) vor. Aber Sonne und Wind sind launisch. Daher würde die mittlere tatsächliche Jahresleistung dieser Anlagen weniger als 60 GW betragen. Als Netzleistung durchschnittlich notwendig sind 60 GW. Aber bei Starkwind und viel Sonnenschein würden diese Anlagen viermal mehr Strom liefern als benötigt. Dann müssten drei Viertel dieser Anlagen abgeschaltet werden, um das Netz nicht zu überlasten. Das bedeutet: Für jede erzeugte Kilowattstunde (kWh) Strom muss auf die mögliche Erzeugung von weiteren 3 kWh verzichtet werden. Dieser daher nicht erzeugte Strom ist jedoch nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) trotzdem zu vergüten. Da nun aber für den erzeugten und zwangsweise mit Vorrang abzunehmenden Strom die durchschnittliche EEG-Vergütung 12 Cent/kWh beträgt, muss man diesem Zwangsabnahmepreis noch die (durchschnittliche) Ausfallvergütung für die nicht erzeugten 3 kWh hinzurechnen, also drei mal 12 gleich 36 Cent. Folglich kostet die Kilowattstunde dann horrende (12 plus 36 =) 48 Cent. Folglich ist dieser „Ökostrom“ dann also 19mal so teuer wie der aus Braunkohle.

Andere Kosten kommen noch obendrauf

Außerdem sind dies nur die Kosten der Erzeugung, also ohne die Mehrwertsteuer, ohne die (steigenden) Netzkosten und ohne die (steigenden) Übertragungsverluste. Hinzukommen die Kosten für die „Schattenkraftwerke“. Das sind die, die Strom aus Kohle, Erdgas und Erdöl herstellen und die stets bereitstehen müssen, wenn Wind und Sonne ausfallen. Deren Kosten werden mit dem Ausbau der Wind- und Solaranlagen gleichfalls kräftig weitersteigen. Wenn nämlich Wind und Sonne Strom genug liefern, müssen sie ausgeschaltet werden. Das macht sie unrentabel. Daher wollen immer mehr Betreiber sie stilllegen. Dann aber ist bei Flaute und nächtlich weggetauchter Sonne ein Stromausfall garantiert. Um dies zu vermeiden, sollen deren Betreiber gesetzlich gezwungen werden, die Anlagen betriebsbereit zu halten. Das ist zu bezahlen, und das Entgelt dafür sind Zusatzkosten, die dem Strompreis ebenfalls noch aufgeladen werden. Sollten also die Ausbaupläne der Bundesregierung tatsächlich in voller Schrecklichkeit verwirklicht werden, dann ist nicht mehr abwegig, was der Wirtschaftswissenschaftler und Umweltökonom Prof. Dr. Alfred Endres befürchtet, dass nämlich der Strompreis auf mehr als 100 Cent je kWh klettert.

Ab-und-zu-Strom taugt für den ständigen Grundbedarf nicht

Es sollte sich herumgesprochen haben, dass Wind und Sonne Strom nur ab und zu liefern, jedenfalls immer wieder nicht dann, wenn er gebraucht wird. Den ständig nötigen Grundbedarf an Stromleistung von rund 40 Gigawatt (GW) kann man mit solchem unzuverlässigen Ab-und-zu-Strom nicht decken, also die sogenannte Grundlast nicht sicherstellen; dafür taugen diese Anlagen nicht, dafür braucht man Kohle- und Kernkraftwerke. Nur diese thermischen Kraftwerke sind in der Lage, für einen stabilen Netzbetrieb zu sorgen. Sie nämlich geben ihre installierte Leistung Tag für Tag ganzjährig ab und exakt in der benötigten Menge. Wind dagegen liefert Strom nur, wenn er (angemessen) weht, Sonne nur dann, wenn sie (hinreichend) scheint; Nennleistung und tatsächliche Leistung klaffen hier weit auseinander. Liefern sie jedoch mehr als gerade benötigt, wird’s im Stromnetz prekär.

Die diffamierte Braunkohle als Gewinner der „Energiewende“

Aber ein Industriestaat und eine Wohlstandsgesellschaft brauchen nicht nur ab und zu Strom, sondern ständig, ohne Unterbrechung, ohne Netzzusammenbruch. Daher bleiben thermische Kraftwerke selbst dann unentbehrlich, wenn immer noch mehr Ökostromanlagen installiert werden. Diese Kraftwerke können den Strom am kostengünstigsten aus Uran oder Braunkohle erzeugen (2,5 Cent/kWh). Da aber die CO2-freien Kernkraftwerke in Deutschland verschwinden sollen, müssen nun vor allem die Braunkohle-Kraftwerke ran. So wird ausgerechnet die als „Dreckschleuder“ und „Klimakiller“ diffamierte Braunkohle zum wichtigsten Stromlieferanten und gleichsam zum Gewinner der „Energiewende“.2) Ein paradoxes Ergebnis. In den vier Abbauregionen der Braunkohle, so las man schon, herrsche Goldgräberstimmung. 3)

Ökostrom sicher? Ökostrom bezahlbar? Der SVR hat’s behauptet

So preisgünstig und sicher wie Strom aus Braunkohle wäre auch der aus Uran. Doch wurde in Deutschland entschieden, sich daraus zu verabschieden, die Kernkraftwerke stillzulegen und den Strom nur noch mittels Wind, Sonne und pflanzlichen Stoffen („Bio-Gas“ aus „Biomasse“) herzustellen. Dafür hatte sich auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SVR) in seinem Gutachten von 2010 eingesetzt. Dessen Überschrift lautet: „100% erneuerbare Stromversorgung bis 2050: klimaverträglich, sicher, bezahlbar“. Diese Behauptung hat der Aachener Energieexperte Helmut Alt damals sachkundig und ausführlich zerpflückt.4) In seinem Resümee schreibt er:

Wenn Kohle und Kernkraft fort sind, geht es nur mit Gaskraftwerken

„100% erneuerbare Stromversorgung bis 2050 mag klimaverträglich sein, sicher kann sie nur – bei Abwesenheit von Kohle- und Kernkraftwerken – durch Installation von 100 % Ersatzleistung in Form von Gaskraftwerken sein, deren Erdgas aus Russland mit hohen Preisrisiken bezogen werden muss. Ob die Stromversorgung dann noch von allen als bezahlbar angesehen werden kann, und die zusätzliche CO2 Emissionen aus den Gaskraftwerken (immerhin 1/3 soviel wie aus Kohlestromerzeugung) den Nimbus der Klimaverträglichkeit verdient, sei dahingestellt. Bei Strom aus Kernkraftwerken wären die Kosten der Primärenergiebeschaffung relativ stabil kalkulierbar und weit günstiger und es würde kein CO2 emittiert, allerdings wäre eine weitergehende allgemeine Akzeptanz und Vertrauen vonnöten.“

Ein Irrweg, der am Prellbock enden wird

Für Alt ist es eindeutig, „dass der Weg unserer politisch verordneten Energiewende zu 80 % oder gar 100% aus regenerativer Energie – dominierend als Wind- oder Sonnenstrom – ein Irrweg ist, der an einem Prellbock enden wird.“ So steht es in einer Äußerung Alts über die „Vision und Wirklichkeit der Energiewende“ gegenüber einer Reihe von Fachkollegen am 26. Dezember 2011.

Aufklärung für die nicht sachkundige Öffentlichkeit überfällig

Weiter heißt es in Alts Mitteilung: „Auch beliebig viele Wind- und Sonnenenergieanlagen sind weder notwendig noch hinreichend, eine sichere und bezahlbare Stromversorgung zu gewährleisten, würden allerdings das Stromerzeugungssystem in Deutschland zu dem teuersten und ineffizientesten der Welt machen. … Mir scheint es überfällig, dass alle Verantwortlichen für unsere Energieversorgung und allen voran die Wissenschaft, aber auch die der Wahrheit sich verpflichtet fühlenden Medien mit klaren Worten auf die Zuverlässigkeitsdefizite und den damit verbundenen Irrweg unbezahlbaren Ausmaßes – auch für die nicht sachkundige Öffentlichkeit verständlich – hinweisen sollten. Nach wie vor gilt, dass es ‚absurd wäre, ein Gegner der Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie zu sein, wenn diese bezahlbar wäre’. Zu teuer und aufgrund der Dargebotsabhängigkeit zu unsicher gilt leider nicht nur heute, sondern wird nach allem, was man abschätzen kann, auch 2050 und darüber hinaus noch gelten. Wenn man das so festgestellt und bewiesen hat, ist man kein grundsätzlicher Gegner dieser Technik, sondern Realist hinsichtlich der Nutzbarkeit und Anwendungsbreite.“ 5)

Politiker machen Energie zum Luxusgut

Führen schon die Euro-Schuldenkrise und unsägliche Euro-Rettungspolitik Deutschland in den Ruin, dann geschieht das zusätzlich auch noch mit dieser ebenfalls verantwortungslosen Energiepolitik. In einem Leserbrief vor einem Jahr schrieb Helmut Alt: „Es ist nicht zu fassen, mit welcher bodenlosen Gleichgültigkeit sachunkundige Politiker die Basis unseres Wohlstandes aufs Spiel setzen und die Energie einfach zum Luxusgut erklären.“ 6)

1  Bundesverband Braunkohle, siehe http://www.braunkohle.de     2  Financial Times Deutschland (FTD) vom 30. Oktober 2012    3  FTD vom 21. März 2012    4  Stellungnahme von Prof. Dr. Ing. Helmut Alt vom 10. September 2010.    5 Zitiert aus einer Antwort-Mail von Professor Alt an mich vom 28. Dezember 2011.      6 FAZ vom  16. September 2011, Nr. 216, Seite 6

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2 Gedanken zu “Die gute alte Braunkohle”

  1. Weil das Weltklima eine physikalische Zustandbeschreibung ist, kann es nicht durch irgendeinen „Klimakiller“ wie etwa die Braunkohle vernichtet werden. Anders als beim regionalen Wasser- oder Waldschutz lässt sich auch ein bestimmter Klimazustand nicht mechanistisch herstellen oder auf einem vorgegebenen Wunschniveau stabilisieren.

    Ein entscheidender Einfluss von Kohlekraftwerken und von weiteren fossilen Energiequellen auf das Weltklima ist zunächst nicht nahe liegend, stellen deren Kohlendioxidemissionen immerhin weniger als 4% aller dynamischen Austauschvorgänge in der Erdatmosphäre dar. Doch steigende CO2-Konzentrationen von gut 25% gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter lassen auf eine reduzierte Aufnahmefähigkeit von Land- und Wassermassen für Kohlendioxid schließen, was wiederum durch anthropogen verursachte Übersättigung zu erklären ist. Aus der Extrapolation globaler Verbrauchstrends für fossile Brennstoffe, die mit verbesserten Fördermethoden insbesondere für Erdgas und Erdöl weiter gesteigert werden, wird mit dem zweifachen atmosphärischen CO2-Konzentrationsniveau bis Ende dieses Jahrhunderts gegenüber dem heutigen Stand von 391 ppm (Teilchen pro Millionen) gerechnet.

    Es ist dabei zweitrangig, ob in dieser Emissionszunahme die wesentliche Erklärung für den erlebten Klimawandel besteht. Die prognostizierte Steigerung der durchschnittlichen Erdoberflächentemperatur um bis zu 3,8 Grad im Jahre 2100 fügt sich jedenfalls mit der Resonanzbildung von atmosphärischem Kohlendioxid sowie von weiteren Spurengasen im Infrarotbereich, wobei eine Rückstrahlung von Wärme in Richtung Erde erfolgt. Unabhängig von jedem Wirkungsmechanismus entsteht daraus eine nur verzögerte Lenkungswirkung auf Investitionen in neue Energieanlagen und in Maßahmen zur Anpassung an die Klimaerwärmung. Vielfach werden Spekulationen vorgezogen, ob vielleicht nicht doch die Wissenschaft fehlerhafte Berechnungen abgegeben hat. Mehr Kohledioxid und mehr Wärme können auch vereinzelt Gutes bewirken, so etwa beim Pflanzenwachstum in höheren Bereitengraden. Solange es letztlich keine Weltbörse zur Abrechnung von CO2-Folgen gibt, können nur schwerlich regulierende Marktmechanismen zu deren Verringerung eingeetzt werden.

    Eine entsprechende Börseplattform besteht allerdings bereits in den Weltmeeren, für die eine straffe Verbindung zwischen steigenden atmosphärischen CO2-Konzentrationen und dem Rückgang des durchschnittlichen pH-Werts festgestellt worden ist. Die kritische Konzentrationsschwelle von 450 – 550 ppm atmosphärischen Kohlendioxids, bei der viele Schalenweichtiere und Korallen ihre Karbonatskelette nicht mehr ausbilden können, dürfte ab Mitte dieses Jahrhunderts überschritten worden sein. Mag der anteilige Beitrag der deutschen Braunkohleverstromung von lediglich ca. 0,5% an diesem Gesamtergebnis bescheiden erscheinen, werden alle Argumente über deren angebliche Unentbehrlichkeit in den asiatischen Ländern potenziert. Indem auch mindestens drei Milliarden Menschen auf Meeresfrüchte als eine wesentliche Eiweißquelle angewiesen sind, entfällt auf die deutsche Braunkohlewirtschaft eine anteilige Verantwortung für die dauerhaft beschränkten Lebensgrundlagen von mindestens 15 Millionen Erdbewohner aufgrund der CO2-bedingten Meeresversauerung, was durch gesicherte Arbeitsplätze für nur einige Tausend Bergarbeiter kaum wieder aufzuwiegen ist.

  2. Heinz Hofmann, Wetzlar, Stromverbraucherschutzvereinigung NAEB e.V. am 11.12.2012: Ich wollte Sie auf eine nicht korrekte Zahl in dem Artikel „Wie der Ökostrom 19mal so teuer wird wie Strom aus Braunkohle“ hinweisen. Sie schreiben dort, daß die durchschnittliche EEG-Vergütung 12 Cent/kWh betragen würde. In 2010 betrug diese bereits 18 Cent/kWh und sie wird weder für 2011 noch für 2012 niedriger sein. Leider liegt die genaue Zahl noch nicht mal für 2011 vor. Dieser Jahresbericht des BDEW kam im letzten Jahr erst am 15.12.2011 für das Jahr 2010 heraus. Ich denke, daß sie dicht an 19 Cent/kWh liegt. In Kürze werden wir es sicher ganz genau wissen. Präzisieren möchte ich noch meine Aussage für das Jahr 2011: Auf der Web-Site vom BDEW findet man die testierten Jahresrechnungen der vier Netzbetreiber. Die zeigen für 2011 eine Gesamtvergütung von 16.763.008.190,45 Mrd Euro gemäß EEG. Die Gesamtmenge des Ökostromes beträgt 91.227.560.802 Mrd. kWh. Dies ergibt eine durchschnittliche Vergütung für 2011 von 18,38 Cent/kWh. Dies ist also die amtliche Zahl des BDEW in Berlin und keine eigene Errechnung von mir.

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