Gebündelt in der jüngsten Chronik dieses Alpenlandes seit dessen Teilung 1919 – Ein Buchhinweis
„Wer Freiheit nicht hat oder nicht mehr hat, pflegt sie zurückhaben zu wollen. Doch muss er sich das Verlorene in der Regel erkämpfen. Nicht anders ergeht es den Südtirolern.“ So beginnt ein Beitrag von Reinhard Olt auf dieser Blog-Seite, den ich hier am 21. Juni 2019 als Gastbeitrag gebracht habe. Damals lag die Teilung dieses schönen Alpenlandes hundert Jahre zurück. Von Reinhard Olt als Herausgeber ist jetzt eine Südtirol-Chronik als Buch erschienen.*)
Damals in jenem Gastbeitrag fasste Olt das Unrecht gegenüber diesem Tiroler Landesteil so zusammen: „1919 war Südtirol gegen seinen Willen von einem Staat annektiert worden, in den es nicht passt und der auch zu ihm nicht passt: Italien. Beide sind sich wesensfremd. Die Hoffnung
des kleinen Alpenlandes, nach dem Zweiten Weltkrieg von Italien wieder loszukommen und nach Tirol sowie damit nach Österreich zurückzukehren, erfüllte sich nicht. Wohl sicherte ein Abkommen zwischen Italien und Österreich von 1946 den Südtirolern für die eigenen Angelegenheiten die Selbstverwaltung mit einer Landesautonomie zu, aber Italien untergrub das Abkommen, so dass sich die Südtiroler unterjocht und kujoniert fühlten. Zudem hat Italien alles getan, um das Land mit eigenen Landsleuten zu füllen und Südtirol zu italienisieren. Um auf diesen Zustand aufmerksam zu machen, gründeten einige mannhafte Südtiroler 1956 den ‚Befreiungsausschuss Südtirol‘ (BAS). Viel ausrichten vermochte dieser nicht. Doch erreichte das Land nach einer Südtiroler Gewalttat (Sprengen von Strommasten) weithin öffentliche Aufmerksamkeit, auf diese Weise abermalige Verhandlungen und 1972 ein neues Autonomie-Statut.“*)
Der Verlag beschreibt den Inhalt des Buches über Südtirols Chronik so: „Diese Chronik-Neuausgabe erschließt die wesentliche Entwicklung seit der Teilung Tirols nach dem Ersten Weltkrieg und der Annexion des südlichen Landesteils durch Italien bis zur Gegenwart. Zwei Angehörige der Erlebnisgeneration, zugleich Aktivisten des Widerstandes, dokumentieren insbesondere das dramatische Geschehen während der zehn heißen Jahre Südtirols in unkommentierter Form von Tag zu Tag. Dazu wurde die Berichterstattung von Dolomiten , Frankfurter Allgemeine Zeitung (F. A. Z.), Kronen Zeitung , Neue Zürcher Zeitung (NZZ), Spiegel und Wochenpresse ausgewertet, ferner wurden Landtags- und Parlamentsprotokolle, Prozessunterlagen und gerichtliche Zeugenaussagen sowie die Erinnerungen damals legal und illegal Handelnder herangezogen sowie bislang geheime Unterlagen des italienischen militärischen Geheimdienstes eingesehen.“
„Aus alldem ergibt sich ein klares Bild des Wechselspiels zwischen Aktionen, Erklärungen und

Ereignissen in jener Zeit. Eine reichhaltige Bebilderung und die Wiedergabe der wichtigsten Dokumente sowie von Flugblättern des BAS, der Südtirol-Aktivisten und der Italiener vervollständigen den Wert dieser Dokumentation, die nahezu unbekannte Tatsachen und verborgene Hintergründe ans Licht bringt. Darüber hinaus enthält sie neue und vielfach gesicherte Erkenntnisse, gewonnen aus der Auswertung bisher gänzlich unbeachtet gebliebener oder geheimer Archivalien österreichischer Sicherheitskräfte, welche die Korrektur des gängigen Geschichtsbildes erzwingen.“
Klaus Peter Krause: Copyright, Haftungsausschluss, Impressum hier.
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*) Reinhard Olt (Hrsg.): Chronik Südtirol. Wegmarken, Weichenstellungen und Wendepunkte im Ringen um die Selbstbehauptung des Tiroler Landesteils an Eisack und Etsch. Leopold Stocker Verlag, Stuttgart November 2025. Gebunden. 928 Seiten. 30 Euro. ISBN-13: 9783702021115. ISBN-10: 3702021116.
Näheres über den Südtiroler Freiheitskampf finden Sie unter anderem hier, hier, hier und hier.
Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Olt war seit 1. November 1985 politischer Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und seit 1. September 1994 bis zu seinem Ausscheiden am 31. August 2012 mit Sitz in Wien deren politischer Korrespondent für Österreich, Ungarn, Slowenien, zeitweise auch für die Slowakei. In der FAZ hat er die meiste Zeit seines beruflichen Wirkens zugebracht. Daneben nahm er Lehraufträge an deutschen und österreichischen Hochschulen sowie in Budapest wahr. Geschrieben hat er zahlre3iche Fachpublikationen zur Geschichte und Sprachgeschichte, zur deutschen und österreichischen Landesgeschichte sowie zu nationalen Minderheiten und Volksgruppen sowie vieles andere mehr. Seit 1990 ist er Träger des Tiroler Adler-Ordens, seit 2013 des Großen Adler-Ordens. 1993 erhielt er den Medienpreis des Bundes der Vertriebenen. 2003 zeichnete ihn der österreichische Bundeskanzler mit dem Leopold-Kunschak-Preis aus, und der Bundespräsident verlieh ihm im gleichen Jahr den Titel Professor. 2004 wurde er als erster mit dem Otto-von-Habsburg-Journalistenpreis für Minderheitenschutz und kulturelle Vielfalt geehrt; ebenfalls 2004 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen der Steiermark verliehen. 2012 ernannte ihn die Eötvös-Loránt-Universität in Budapest zum Ehrendoktor (Dr. h.c.) sowie Professor, und 2013 verlieh ihm der österreichische Bundespräsident das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Geboren wurde Olt 1952 als Sohn eines Bauern im Odenwald. Sein Abitur bestand er 1971 in Michelstadt. Nach Ableistung des Wehrdienstes studierte er Germanistik, Volkskunde, osteuropäische Geschichte und Politikwissenschaft in Mainz, Freiburg und Gießen bis zur Promotion 1980. Es folgte an der Universität Gießen eine Assistententätigkeit. Dann begann 1985 seine Zeit in der FAZ. In Wien lebt Olt nach wie vor.