Fort mit dem nächsten Kernkraftwerk

Herr Ministerpräsident, drücken Sie den Abschaltknopf am 31. Dezember persönlich – Schaffen Sie auch gleich ein paar hinderliche physikalische Gesetze ab – Der Brief eines Bürgers an den MP Stephan Weil

Mir wurde dieser Tage ein Brief zugeschickt. Gerichtet ist er an einen Ministerpräsidenten. Dieser MP heißt Stephan Weil und steht der Landesregierung von Niedersachsen vor. In diesem Bundesland wird das nächste Kernkraftwerk abgeschaltet. Derjenige aus meinem Informantenkreis, der mir den Brief übermittelt hat, möchte „nicht länger wegsehen, was mit der künftigen Stromversorgung auf uns zukommt“. Er verweist auf die Liste der Kernreaktoren mit der höchsten Jahresstromproduktion an Strom, die er hier zusammengestellt hat (Stand 12. Dezember 2020). Diese Liste spreche überzeugend für sich selbst. Aus dieser Liste werde sich Deutschland spätestens am 31.Dezember 2022 vollständig verabschieden. Den Brief schrieb ein Bürger aus Bensheim zur Abschaltung des Kernreaktors Grohnde. Ich gebe ihn hier im Wortlaut wieder. Die Zwischenüberschriften sind von mir eingefügt.

Bitte, am 31. Dezember persönlich kommen

„Herr MP Weil, Kommen Sie bitte persönlich am 31. Dezember auf die Schaltwarte und drücken Sie den Abschaltknopf! Der rote Knopf befindet sich auf dem Reaktorfahrpult etwas links von der Mitte unter einer roten Klappe. Bringen Sie Ihren Umweltminister Olaf Lies mit, der kennt den Weg schon. Er hatte am 1. Dezember schon mal nachgeschaut.

In nur einer Sekunde Milliarden Euro vernichtet. Respekt. 

Es wird für Sie sicher großartig anzuschauen sein, wie der Leistungszeiger von 1.460 Megawatt auf null fällt. Dann war es das mit durchschnittlich sauberen 11 Mrd. kWh Strom pro Jahr. Sie schalten 15 % sichere, preiswerte CO2-freie, Tag und Nacht auch bei Windstille verfügbare Energiequelle für Niedersachsen ganz einfach ab. Zack. Aus für immer. In nur einer Sekunde Milliarden Euro vernichtet. Respekt. Aber Achtung, es besteht die Gefahr eines großflächigen Blackouts. Allerdings nur ganz kurz, denn die Nachbarländer liefern sofort als Ersatz Kohle- und Atomstrom. Sie sollten sich bei ihnen bedanken. Ganz nebenbei ist es wunderbar, dass das CO2 aus der Kohle nicht in Niedersachsen entsteht. Bringen Sie die Ö/R-Medien und Ihre Freunde von den Grünen und die Fachberater von Greenpeace mit zum Jubeln. Die Betriebsmannschaft bringen Sie besser nicht ins Bild, denn denen ist eher zum Heulen zumute.

Wie ist denn Ihr Plan? Strom aus russischem Erdgas? 

Herr MP Weil, Sie wollen doch jetzt den Atomstrom von Grohnde durch die Erneuerbaren ersetzen. Mit Wind? In Niedersachsen gibt es z.Z. 6.350 Windkraftanlagen, die 34 Mrd. kWh Strom pro Jahr produzieren. Sie brauchen also 2.050 neue, zusätzliche WKA, für schlappe 12,5 Mrd. Euro. Oder mit Photovoltaik?  Ein Quadratmeter PV-Anlage erzeugt 130 kWh pro Jahr. Sie brauchen also die gigantische Fläche von 85 Quadratkilometern PV-Anlagen, um 11 Mrd. kWh zu produzieren (ca. 34 Mrd. Euro teuer). PV-Anlagen nördlich der Mittelgebirge brauchen aber ca. 18 Jahre, bis sie die Energie erzeugt haben, die zu ihrer Herstellung benötigt wurden. Dann sind sie jedoch längst kaputt und müssen erneuert werden. Daher der Name: „Erneuerbare Energien.“ (Zitat: Heinz Becker). Blöd ist nur, dass bei Dunkelheit oder Flaute kein Strom da ist. Und speichern kann man den elektrischen Strom auch nicht in dieser gewaltigen Menge. Mit Wasserstoff funktioniert es, wegen des ganz schlechten Wirkungsgrades, leider auch nicht. Wie ist denn Ihr Plan? Strom aus russischem Erdgas? Oder haben Sie gar keinen Plan bei der Energiewende (ins Nichts)?

Schaffen Sie auch gleich ein paar hinderliche physikalische Gesetze ab 

Vielleicht hilft es ja, wenn Sie die 1.000-Meter-Abstandsregel abschaffen und ein paar Windräder in den Herrenhäuser Gärten oder am Maschsee hinstellen. Dann bekommen Sie auch endlich etwas Akzeptanz bei der Landbevölkerung für die Verschandelung des schönen Niedersachsens. Schaffen Sie bei dieser Gelegenheit ein paar Gesetze ab. Z. B., dass die Windgeschwindigkeit in der 3. Potenz mit der Energie skaliert. Das heißt bei halber Windgeschwindigkeit gibt es nicht die Hälfte Strom, auch nicht ein Viertel, sondern nur ein Achtel! Schaffen Sie auch gleich den 2. Hauptsatz der Thermodynamik, die Bolzmannkonstante und noch ein paar andere hinderliche Sachen der Physik ab.

Lassen Sie sich, Herr Ministerpräsident Weil, nicht wegen des weltweit einzigartigen deutschen Atomausstiegs als energiepolitischen Geisterfahrer beschimpfen. Bleiben Sie ruhig standhaft dabei, dass alle anderen 160 die Geisterfahrer sind.

Nicht vergessen: Demnächst auch im KKW Emsland den Abschaltknopf drücken

Niedersachsen hatte viele Jahre seinen Strombedarf zur Hälfte mit nur 3 KKW-Blöcken (2009: 46,0 %) erzeugt. Das hatten auch die Niedersachsen dem Atomminister Franz Josef Strauß zu verdanken, der die friedliche Nutzung der Kernenergie nach Deutschland geholt hatte. Er hatte dadurch auch aus dem relativ armen Agrarland Niedersachsen einen modernen Industriestandort gemacht. Nicht vergessen, Herr MP Weil: Demnächst im KKW Emsland den roten Abschaltknopf auch noch drücken. Dann haben Sie die Kernkraft in Niedersachsen komplett beendet und bald den Standort Niedersachsen auf 1960 zurückversetzt. Eine große Leistung vollbracht.

Noch auf der Schaltwarte eine Pressekonferenz machen und den Leuten die Wahrheit sagen

Machen Sie eine Pressekonferenz noch auf der Schaltwarte und sagen Sie den Leuten die Wahrheit: 3,5 Cent pro kWh Strompreis durch die abgeschriebene KKWs, das war einmal. Jetzt wird es richtig teuer für die Stromkunden und Steuerzahler. Denken Sie an Berthold Brecht: „Wer die Wahrheit nicht kennt ist nur ein Dummkopf. Wer sie kennt und sie Lüge nennt ist ein Verbrecher.“ Herr MP Weil, schenken Sie den Niedersachsen reines Herrenhäuser Bier ein.“

Der Brief endet mit diesem Zitat: „Wenn die Sonne der Erkenntnis langsam untergeht, werfen auch Wissenszwerge lange Schatten.“

Erst jetzt melden sich aus der Wirtschaft Kernkraft-Fürsprecher

Grohn­de in Nieder­sach­sen ist neben Gund­rem­min­gen C in Bayern und Brok­dorf in Schles­wig-Holstein eines von drei deut­schen Kernkraftkraft­wer­ken, die zum Jahres­wech­sel still­ge­legt werden. Danach sind nur noch die Kraft­wer­ke Isar 2, Neckar­west­heim 2 und Emsland in Betrieb, die zwölf Monate später den Betrieb einstel­len sollen.  Doch ausgerechnet erst jetzt, kurz vor dem Abschalten, bekommt die Stromerzeugung aus Kernkraft neue Fürsprecher. Die FAS berichtet, vor allem aus der Wirt­schaft komme Kritik am Aus­stieg. Sie zitiert  Stefan Wolf, den Vorsitzenden des Arbeit­ge­ber­ver­bands Gesamt­me­tall: „Wir soll­ten über eine Rück­kehr zur Kern­kraft spre­chen.“ Schlie­ß­lich müsse der Strom für die vielen neuen Elek­tro­au­tos auf den Stra­ßen doch irgend­wo herkom­men.

Auch die Bevölkerung wird offenbar nachdenklicher

Der frühe­re BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht, so die FAS weiter, mahne ebenfalls: „Für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der deut­schen Wirt­schaft wäre es sinn­voll, diese Kern­kraft­wer­ke weiter zu betrei­ben.“ Auch der neue Vorstands­chef des Linde-Konzerns, Sanjiv Lamba, halte den deut­schen Atomaus­stieg für einen Fehler. Und Sach­sens Minis­ter­prä­si­dent Micha­el Kret­sch­mer (CDU fordere, nach­dem der Kohle­aus­stieg beschlos­sen sei, müsse sich die Nation die Atom­kraft „als Option offen­hal­ten“. Sogar die Bevölkerung wird offenbar nachdenklicher. Nach Meinungs­um­fra­gen, so die FAS, sei die Mehr­heit für den Atom­aus­stieg geschrumpft: „Vor zehn Jahren waren drei von vier Deut­schen für die Abschal­tung, jetzt sind es nur noch 56 Prozent der Bürger. Befür­wor­ter der Kern­kraft argu­men­tie­ren, der Atom­strom sei klima­scho­nend, er werde ange­sichts der ange­streb­ten frühe­ren Abschal­tung der deut­schen Kohle­kraft­wer­ke und extrem hoher Erdgas­prei­se weiter­hin gebraucht.“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 26. Dezember 2021, Seite 20).

Reichlich spät, dieser Sinneswandel.

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2 Kommentare zu „Fort mit dem nächsten Kernkraftwerk“

  1. Es ist wie mit der leeren Drohung, die verblieben 20 Prozent auch noch zu spritzen – ob sie wollen oder nicht. Das kommt nie! Da kein Ersatz in Form von Gasturbinen geplant ist, dienen die leeren Drohungen als Argument für die sinnfreien Kohlendioxidabgaben. Seit Jahren schon entlarve ich die Stromausfallpropaganda als heiße Luft! Warum? Strom ist das wichtigste Machtinstrument, um die Massen zu gängeln und auszubeuten! Man wird es also, koste es, was es wolle, zu erhalten suchen. Lieber wird ein Industriebetrieb abgeschaltet als ein Rechenzentrum und private Haushalte nur im allergrößten Notfall.

  2. Vor 20 Jahren wurde die Stilllegung der Kernkraftwerke Deutschlands beschlossen, vor gut 2 Jahren wurde die Stilllegung der Kohlekraftwerke beschlossen, die zu mehr als der Hälfte wegen der abzuschaltenden Kernkraftwerke erst gebaut worden waren. Die Ampel gibt es erst seit ein paar Wochen. Plötzlich wachen alle möglichen Leute auf und machen sich berechtigte Sorgen um die Stromversorgung. Auch kursieren die verrücktesten Listen und Mutmaßungen um Stilllegungen im Netz. Zusätzlich wird viel Unfug über Kernkraft geschrieben. Doch der Kernkraftzug ist abgefahren!

    1. Steinkohlkraftwerke weiterbetreiben!
    2. Braunkohlekraftwerke ausbauen!
    3. Kohlendioxidabgabe beenden!
    4. Windstrom und Solarstrom stoppen!
    5. Waldverbrennung stoppen!
    6. Sittenwidrige EEG-Entgelte beenden!
    7. Baustopp von Nord-Süd-Trassen!
    8. Baustopp von Stromspeichern!

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