Die Hoffnung nicht aufgeben

Tot ist die Kernkraft in Deutschland nicht, nur scheintot – In Berlin wird geforscht: am Dual-Fluid-Reaktor – Einer der Forscher dort sagt: Dieser Reaktor könnte das Endlagerproblem beim Abfall lösen, er ist hocheffizient und inhärent sicher Merkel, als sie in Sachen Kernkraft noch bei Verstand war

Ist die Stromerzeugung mittels Kernkraft in Deutschland wirklich passé? Danach sieht es noch immer aus. Deutsche Politik setzt nach wie vor auf die Alternativkraft von Wind und Sonne, fälschlich als „erneuerbare Energien“ bezeichnet. Außerdem: Hat Deutschland überhaupt noch genug erfahrenes Kernkraft-Personal? Die meisten Experten sind derweilen im Ruhestand oder, wenn noch jung genug, abgewandert ins Ausland. Doch so gering die Aussichten derzeit auch sind, dass sich deutsche Politik auf Kernkraftstrom zurückbesinnt: Die Hoffnung, dass sich wirtschaftliche und technische Vernunft auch in Politikergehirnen wieder durchsetzt, dürfen wir nicht aufgeben. Immerhin gibt es den Schimmer einer Hoffnung, denn einer der ins Ausland Versprengten ist in Deutschland wieder tätig: der 52jährige Kernphysiker Dr. Götz Ruprecht am Institut für Festkörper-Kernphysik in Berlin. Er arbeitet mit am Dual-Fluid-Reaktor, abgekürzt DFR genannt. Warum ausgerechnet an dem?

Warum es das Endlager-Problem gibt

In einem Interview*) mit der Tageszeitung Die Welt hat Ruprecht es erklärt: „Dieser Reaktor könnte das Endlagerproblem beim Atommüll lösen.“ Die weiteren DFR-Vorteile erläutert Ruprecht so: Die heute gängigen thermischen Reaktoren können nur wenige Prozent des Urans in den Brennstäben nutzen. Es bleiben 95 Prozent übrig. Das ist sehr verschwenderisch und führt zum Problem der Endlagerung. Heutige Schnellspaltreaktoren, wie sie in Russland betrieben werden, sind dagegen in der Lage, aus dem restlichen Uran immer weiter Plutonium zu erbrüten, bis der gesamte Brennstoff verbraucht ist. Die Schwierigkeit liegt darin, dass auch bei diesen Reaktoren die Brennstäbe immer wieder ausgewechselt werden müssen.“ Deren Wiederverwendung sei aufwendig und teuer. Diese Reaktoren seien deshalb keine Option.

Statt mit Brennstäben arbeitet der DFR mit zwei Flüssigkeiten und nutzt das gesamte Uran

Der DFR dagegen hat keine Brennstäbe. Ruprecht erläutert: „Durch seinen Kern fließen zwei Flüssigkeiten, eine trägt den Brennstoff, die andere ist das Kühlmittel. Diese Technik, auf die wir ein Patent halten, ermöglicht die Nutzung des gesamten Urans. Und wenn der Reaktor einmal läuft, wird er zu einem Allesfresser. Er kann Natururan, Thorium, aber auch Atommüll umsetzen. Dann bräuchten wir kein Endlager.“ Allein dieser in Deutschland vorhandene „Müll“ – so Ruprecht – würde einige Hundert Jahre reichen, um Deutschland vollkommen durch Kernkraft mit Strom zu versorgen.

Warum Stromerzeugung mit Sonnenschein nichts taugt: Erntefaktor nur 1,6

Warum ist es sinnvoller, Strom mit Kernkraft zu erzeugen, als zum Beispiel mit Sonnenschein (Fotovoltaik), also mit Solaranlagen? Ruprechts Antwort: „Unter anderem deswegen,, weil für die Herstellung von Solarzellen viel Energie benötigt wird. Im Lauf ihrer Lebenszeit gewinnt man kaum mehr Energie, als man insgesamt hineingesteckt hat. Wir nennen das einen geringen Erntefaktor. Dazu muss man den gesamten Lebenszyklus einer Anlage betrachten – von der Herstellung über die Instandhaltung bis hin zur Entsorgung. Wenn man das macht, ergibt sich für die Solartechnik eine Erntefaktor von 1,6 – sie spielt also wenig mehr als das Anderthalbfache von dem wieder ein, was man energetisch investiert hat.“

Der DFR hat einen Erntefaktor von 1600 bis 2000

Kohle- und Gaskraftwerke dagegen, so Ruprecht, hätten einen Erntefaktor von 30, Leichtwasser-Reaktoren einen von 80 bis 100. Mit einem Erntefaktor von 30 an könne man ein typisches OECD-Industrieland versorgen. Der DFR jedoch übertreffe die Effizienz heutiger thermischer Kraftwerke etwa um den Faktor 20. Er habe also einen Erntefaktor von (1600 bis zu) 2000. Im Internet finden Sie das Interview hier, aber mit Bezahlschranke. Dort lautet der Titel „So lässt sich Atommüll vernichten“. Das Interview in der Druckausgabe hat die Redaktion mit der Überschrift versehen „An der Kernkraft führt kein Weg vorbei“.

Die Aussichten mit dem DFR: wirtschaftlich, nachhaltig, sicher

Fragen zur Sicherheit des DFR, zu einem GAU, zum Risiko von Terror und Sabotage und warum der DFR noch nicht gebaut wurde, beantwortet Ruprecht im Interview ebenfalls. Sicher sei der Reaktor inhärent, also in sich selbst. Wie er das und den Reaktor ausführlicher erklärt, können Sie in einem Video hier aufrufen. Übersichtliche weitere Erklärungen finden Sie unter „Eine revolutionäre Energiequelle – Der Dual-Fluid-Reaktor: Kernkraft ohne langlebige Abfälle und Unfallrisiken“ hier. Eine zusätzliche und sachlich korrekte Information liefert auch Wikipedia (hier). Die Kurzbeschreibung dort lautet: „Der Dual-Fluid-Reaktor (DFR) ist ein Kernreaktor-Konzept mit dem Ziel, die Vorteile des Flüssigsalzreaktors und der metallgekühlten Reaktoren (natriumgekühlter Reaktor, bleigekühlter Reaktor) zu kombinieren. Somit sollen die Nachhaltigkeits-, Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsziele der sogenannten „Generation IV“ erreicht werden.“

Die Mängel von Wind-, Solar- und Biogas-Strom sind naturgesetzlich bedingt – unausweichlich, unwiderleglich, unbehebbar

Worauf Ruprecht in dem Welt-Interview nicht eingeht, ist die geringe Leistungsdichte (oder Energiedichte) der Sonnenkraft für das Erzeugen von Strom. Deshalb ist der Flächenbedarf für die Anlagen zu groß, um einen Industriestaat wie Deutschland mit Strom zu versorgen. Das ist beim Stromproduzieren mit Windkraft und für den Energiepflanzenanbau zur Herstellung von „Biogas“. nicht wesentlich anders. Auch liefern Wind und Sonnenschein, weil wetter- und tageszeitabhängig nur Zufallsstrom, Kernkraft dagegen hat sie stets nach Bedarf parat. Ferner bedeutet wetterabhängiger Zufallsstrom schlechte Regelbarkeit. Dadurch kann man mit ihm allein die erforderliche Netzstabilität nicht sicherstellen – im Gegensatz zu Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken. Außerdem ist der Nutzungsgrad von EE-Strom Wind- und Solarstrom ist zu gering. Bei Windkraftanlagen liegt er bei knapp 20 Prozent ihrer Nennleistung, bei Solaranlagen (Fotovoltaik) nur bei rund 10 Prozent. Das heißt: Diese „Stromfabriken“ stehen zwischen 80 und 90 Prozent der Zeit eines Jahres still. Das ist Verschwendung pur. Diese Mängel sind naturgesetzlich bedingt – unwiderleglich und unbehebbar.

Der unbegreifliche deutsche Ausstieg aus der Kernkraft aus falscher Angst vor Strahlung

Der Physiker und Fachmann für radioaktive Strahlung, Dr. Lutz Niemann, hat zu dem Ruprecht-Interview Stellung genommen und schreibt: „Es ist gut, wenn das Wort Kernkraft wieder in DIE WELT auftaucht. Nützlich sind erläuternde Worte zur Strahlen“gefahr“. Beim Unfall von Fukushima, der die 180-Grad-Wende in der Kernkraftpolitik der CDU/CSU zur Folge hatte, ist Radioaktivität freigesetzt worden, das war verboten. Allerdings war es so wenig, dass niemand außerhalb der Kraftwerksgebäude dadurch zu Schaden kommen konnte, bewiesen durch die automatischen Messstellen auf dem Kraftwerksgelände mit sofortiger weltweiter Verteilung der Messwerte, bestätigt durch die IAEA noch vor dem fatalen Ausstiegsbeschluss des deutschen Gesetzgebers. Dagegen hatten die per Gesetz befohlenen Evakuierungen mehr als 1000 Todesopfer zur Folge, nachzulesen in Fachzeitschriften. (z. Bsp. StrahlenschutzPRAXIS). Es wurden nach anfänglichem Zögern sogar die Intensivpatienten aus Krankenhäusern abtransportiert, mit unmittelbar tödlichen Folgen für etwa 50 Patienten. Diese Nachricht kam erst zögerlich und verspätet an die Öffentlichkeit – evt. aus Scham? Deutschland wirft als Folge der Ereignisse seine Kernkraftwerke auf den Müll und verschärft die unsinnige Strahlen“schutz“gesetzgebung – unbegreiflich. Und die Massenmedien schweigen.“ Näher erläutert hat es Niemann im November 2019 in dem Vortrag „Klimahysterie – Strahlenhysterie“ hier.

Merkel, als sie in Sachen Kernkraft noch bei Verstand war

Abschließend sei noch erinnert an ein Wort von Angela Merkel: „Ich halte es für nicht sinnvoll, dass ausgerechnet das Land mit den sichersten Atomkraftwerken die friedliche Nutzung der Atomenergie einstellt. Deutschland macht sich lächerlich, wenn es sich dadurch ein gutes Gewissen machen will, dass Atom und Kohlekraftwerke stillgelegt werden und gleichzeitig Strom, der aus denselben Energieträgern erzeugt worden ist, aus Nachbarländern importiert wird.“ Geäußert hat sie das als Bundeskanzlerin am 23. Mai 2008 auf dem Deutschen Katholikentag (Quelle: hier). Merkel war schon mal weiter als heute.

 

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*) DIE WELT vom 15. Mai 2020, Seite 10.

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3 Kommentare zu „Die Hoffnung nicht aufgeben“

  1. Danke, Herr Krause, daß Sie ein heikles, aber sehr wichtiges Thema aufgreifen.
    Zu Frau Merkel sagt Prof. Klaus Becker (gest. vor ca. 3 Jahren mit 82) – einer der ganz großen deutschen Profs. in Sachen Strahlung – in einem Vortrag mit dem Titel „Wie gefährlich sind kleine Strahlendosen?“: So bemerkte A. Merkel als Präsidentin der großen Wiener Tschernobyl-Konferenz im Mai 1996 vorsichtig, dass die „Strahlenempfindlichkeit von Gesellschaften die von Individuen weit überschreitet“.
    Aus diesem Satz ist klar zu erkennen, dass Frau Merkel die schwierige Problematik zur Wirkung von Strahlung sehr gut verstanden hat: Mehr oder weniger harmlos bei Individuen, aber mit folgenreicher Wirkung auf Gesellschaften, indem diese sich vor einer Zukunftstechnik fürchten und sie dann ablehnen.

  2. @Lutz Niemann
    Volle Zustimmung! Bliebe zu ergänzen, dass unsere eigenständige Forschung und Entwicklung in Sachen Kerntechnik im Ausland auch andere Ängste zeitigt:
    Nämlich die der bisherigen Atommächte, Deutschland könnte womöglich – wie übrigens sein Nachbar Frankreich – eigene Kernwaffen entwickeln und der Bundeswehr zur Verfügung stellen.
    Ich vermute, das verstieße sicher gleich gegen mehrere entsprechende Abkommen und Verträge, vermutlich auch gegen die SHAEF-Bestimmungen für Deutschland. Aber anderswo auf dem Globus legen sich immer mehr Mächte eben auch Kernwaffen in‘s Arsenal. Und am Know-How fehlt es uns gewiss nicht.

  3. Solche Reaktoren sollten wir allein schon deshalb bauen, weil sie die Lösung des bisher ungelösten Endlagerproblems darstellen. Der zweite wichtige Grund ist die hohe energetische Ausnutzung des Kernmaterials. Dieser Generator frisst alles auf, was auf den Tisch kommt. Da gehen nicht 95% unverdaut wieder zurück. Die Überreste enthalten dann kaum noch Energie und sind entsprechend unproblematisch. Ein typisch deutscher Reaktor: Effizienz pur. Die möglicherweise fehlende Qualifikation für den Bau erlangen wir wieder. Wir Deutsche plündern nicht andere aus sondern erarbeiten uns alles selbst. WIR schaffen das. Zuerst jedoch müssen wir uns das Merkel-Regime vom Hals schaffen und die Linken auf ihren Platz in der Schmuddelecke verweisen. Sobald hier wieder der klare Verstand regiert kann es losgehen.

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