Der große Brand

Den australischen Ort Yarloop gibt es nun nicht mehr – Jedenfalls seine Häuser nicht – Ein Buschfeuer hat sie niedergebrannt – Um 1880 war hier in Westaustralien das große Handelszentrum für Schwellen aus Jarrah-Holz – Ein Deutscher vor Ort berichtet von dem Unglück

Ein Blitz schlug ein. Der Wald war trocken. Der Wald brannte sofort. Es wehte ein starker Wind. Der Wind trieb das Feuer gegen den nahen Ort. Der Ort stand sofort in Flammen. Die Feuerwehr war zwar zur Stelle, aber machtlos. Die Feuerwehr konnte nur noch die Menschen retten, nicht deren Häuser. Der Ort brannte nieder. So geschehen in Westaustralien. Dort ist gerade Hochsommer. Wald- und Buschbrände sind dann üblich. Der Deutsche Frank Abels schildert das Unglück. Er überwintert dort auch jetzt wieder. Sein Haus steht in Perth, etwa 60 Kilometer von dem Unglücksort entfernt. Seine Frau und er konnten im Süden die gewaltige Rauchwolke sehen. Für Freunde, Bekannte und Verwandte hat er darüber berichtet. Auch mir hat er diesen Bericht geschickt. Hier gebe ich ihn wieder:

Der Ort Yarloop vom Feuer in kaum zehn Minuten zerstört

„Es soll der schlimmste Waldbrand seit 1939 gewesen sein, der die Ortschaft Yarloop (853 Einwohner) mit 95 Häusern innerhalb von weniger als zehn Minuten total zerstörte. Löschen durch die
Feuerwehr war wegen der extremen Geschwindigkeit des Feuers nicht mehr möglich. Schwerpunkt war daher die sofortige Evakuierung der Einwohner, die zum Glück auch gelang, weil in der Mitte des Ortes ein großer freier Platz war, der als Sammelpunkt diente. So war außer ein paar leichten Verbrennungen, kein Personenschaden zu beklagen.

Buschbrände gibt es in Australien seit Ewigkeiten

Ein Brand dieses Ausmaßes war nicht zu erwarten, weil es keine entsprechende Vorwarnung gab. Die an vielen Stellen in Australien stehenden Warnanzeiger wiesen keine erhöhte Brandgefahr aus, der letzte Regen war nicht lange her und die Temperatur von 35 Grad Celsius war für diese Zeit im Hochsommer nicht ungewöhnlich. Die Ursache für die Katastrophe war der starke Wind und ein Gewitter. Fast alle Buschbrände in Australien werden seit Millionen von Jahren von Gewittern ausgelöst – die Flora ist seit ewigen Zeiten daran angepasst (wir schrieben darüber in früheren Reiseberichten).

Die machtlose Ortsfeuerwehr

Auch der Brand in Yarloop begann durch ein Gewitter was von etlichen Bewohnern beobachtet wurde. In den am Ortsrandstehenden Wald schlug ein Blitz ein, es begann sofort zu brennen, der sehr starke Wind stand genau in Richtung des Ortes und blies die Flammen mit Schrittgeschwindigkeit gegen die Häuser. Die anrückende Ortsfeuerwehr schafft es nur an wenigen Stellen sich an die Hydranten anzuschließen und musste sich auf die Evakuierung beschränken.

Yarloop war um 1880 ‚the biggest timber center in the world’

Den Ort Yarloop gibt es nun nicht mehr. Das ist besonders tragisch, weil viele Gebäude unter Denkmalschutz standen und das bekannteste Holzfällermuseum von West Australien auch vernichtet wurde. In Yarloop war um 1880 die Millard Timber and Traiding Company das größte Unternehmen (laut The West Australian vom 9. Januar 2016 ‚the biggest timber center in the world’). Diese Firma lieferte Millionen von Jarrah-Blocks zum Pflastern der Straßen von London. Aber auch die Deutsche Reichsbahn soll große Mengen von Schwellen gekauft haben, weil das Jarrah-Hartholz eines der wenigen Hölzer der Welt sein soll, welches absolut verrottungsfest und insektenresistent ist. Man kann in Deutschland heute bei verschiedenen Händlern gebrauchte Eisenbahnschwellen für den Gartenbau kaufen, vermutlich ist auch ein oder die andere aus Yarloop dabei.“

In ihrer Ausgabe vom 9. Januar auf Seite 7 hat über den großen Brand auch die FAZ berichtet. Aber aus Singapur.

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Ein Kommentar zu „Der große Brand“

  1. Wie erwähnt sind Waldbrände in Australien nicht selten, die riesigen Waldflächen mit eng aneinander stehenden Bäumen bieten reichlich Nahrung. Es gibt bestimmte Buscharten, deren Samenkapseln erst doch die grosse Hitze aufspringen und die nach dem Waldbrand in der Asche rasch wieder Wurzeln schlagen. Gewisse Baumarten „opfern“ ihre Rinde und werfen sie im Feuer ab, um den Stamm vor dem Abbrennen zu bewahren.
    Wie von den Ureinwohnern gelernt, werden Waldbrände in windstillen Perioden absichtlich und kontrolliert angelegt, um das Unterholz auszuräumen und so Brandschneisen anzulegen.

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