Der Orden für Beate Klarsfeld

Das Auswärtige Amt war mehrmals dagegen – Wer die Verleihung seit Jahren betrieben hat – Die heikle Seite der Auszeichnung und eine etwas andere Beurteilung

Beate Klarsfeld? Wer? Ach ja, das ist doch die, die dem Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger eine gelangt hat. Lange her. Es ist auf dem CDU-Parteitag in Berlin 1968 gewesen. Weil das für die Medien ein publizistisches Fressen war, prägt sich dergleichen ein. Die FAZ nannte es „Die berühmteste Ohrfeige der Nachkriegsgeschichte“. Damals war Beate Klarsfeld 29 Jahre alt. Sie wurde im Schnellverfahren zunächst zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, musste diese Strafe aber nicht antreten, weil sie auch die französische Staatsangehörigkeit besaß. So bei Wikepedia zu lesen (hier). Später wurde die Strafe in vier Monate auf Bewährung umgewandelt. Nun, vor wenigen Tagen, hat Bundespräsident Joachim Gauck Frau Klarsfeld mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland öffentlich ausgezeichnet – eine Angelegenheit, die nicht nur wegen der Ohrfeige auch ihre heikle Seite hat.

Das Auswärtige Amt hat mehrmals gegen die Auszeichnung votiert

Die Entscheidung über die Ordensverleihung hatte sich lange hingezogen. Schon 2012 meldete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel: „Bundespräsident Joachim Gauck bekommt einen heiklen Fall auf den Tisch – die Ordensangelegenheit Beate Klarsfeld. Er wird dazu gedrängt, seiner Gegenkandidatin und weltweit anerkannten Nazi-Jägerin das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Entsprechende Schreiben der Linkspartei und des Initiativkreises Deportationsausstellung Bielefeld sind im Bundespräsidialamt eingetroffen. Außerdem befürwortet auch das Land Berlin weiterhin den Vorschlag, Klarsfeld zu ehren.“ Nach Ansicht des Präsidialamts ist für die in Paris lebende Klarsfeld das Auswärtige Amt verantwortlich, nicht Berlin, wo sie (außer in Paris ebenfalls) als Einwohnerin gemeldet sei. Dieses Amt habe bereits mehrmals gegen die Auszeichnung votiert. Gauck werde sich persönlich eine Meinung bilden und „zu gegebener Zeit“ entscheiden (siehe hier).

Unterzeichnung der Urkunde durch Gauck schon im Mai

Immer wieder ist Beate Klarsfeld zusammen mit ihrem Mann für die Ehrung ins Gespräch gebracht worden. Nunmehr hat sie in Paris durch die dortige deutsche Botschafterin stattgefunden. Diese würdigte das Ehepaar, wie die FAZ berichtet hat, mit den Worten: „Ihr außergewöhnlicher, jahrzehntelanger Einsatz war für Deutschland, sein Ansehen in der Welt sowie für die deutsch-französischen Beziehungen äußerst wertvoll“. Gemeinsam habe das Paar als „Mission“ verfolgt, die „von den Nazis begangenen Abscheulichkeiten öffentlich anzuprangern und die Erinnerung an die Opfer der Schoa aufrechtzuerhalten“. Der ganze FAZ-Bericht hier. Unterzeichnet hatte Gauck die Urkunde, so Der Spiegel (hier), schon im Mai.

Eine etwas andere Beurteilung zur Auszeichnung

Die Rolle von Frau Klarsfeld kann man auch anders beurteilen. So jetzt geschehen durch die Bürgerbewegung Pro Deutschland – nach Wikipedia (hier) eine rechtsextreme deutsche Kleinpartei, weil im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2011 im Bereich Rechtsextremismus genannt, so dass demnach Anhaltspunkte für den Verdacht extremistischer Bestrebungen bestünden. Vorsicht also beim Lesen dessen, was Pro Deutschland (Autor: Nico Ernst) über Beate Klarsfeld denkt und schreibt: „Eine der geltungssüchtigsten Frauen Deutschlands wird für ihre fragwürdigen Taten gemeinsam mit ihrem Ehemann mit dem Bundesverdienstkreuz versehen. … Ohne jede Not kooperierte die heute 76-jährige von 1966 bis 1989 mit dem ‚DDR’-Regime in Ost-Berlin, um sich als selbsternannte ‚Nazi-Jägerin’ in Szene zu setzen.

Als Beate Klarsfeld für das Amt des Bundespräsidenten kandidierte

Pro Deutschland weiter: „Im Vorfeld der 15. Bundesversammlung am 18. März 2012, zu der die SED-Fortsetzungspartei ‚Die Linke’ Klarsfeld als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten nominiert hatte, wurde es selbst den als bürgerlich wahrgenommenen Massenmedien zu viel. Sie sahen sich veranlasst, die zeitgeschichtliche Rolle der Präsidentschaftsbewerberin einmal näher zu beleuchten. Im Lichte der Forschung entpuppen sich Klarsfelds vermeintliche Heldentaten als fadenscheinige Propagandaaktionen des damaligen Ostblocks.“

Frau Klarsfelds Kontakte zur Zersetzungsstelle der DDR

„Vor ihrer öffentlichkeitswirksamen Ohrfeige gegen Kiesinger am 7. November 1968 während eines CDU-Parteitags in West-Berlin hat Klarsfeld einen regen Austausch mit der ‚DDR’-Stelle gepflegt, die für Zersetzungsarbeit gegen die Bundesrepublik Deutschland zuständig gewesen ist. SED-Einpeitscher Albert Norden bauschte Kiesinger zum ‚Chefagitator Hitlers’ auf, was grotesk überzeichnet war. Bereits vor und zu Beginn seiner Bundeskanzlerschaft setzten sich westliche Medien kritisch mit der Rolle Kurt Georg Kiesingers in der NS-Diktatur auseinander und bewerteten ihn als einen gewöhnlichen Mitläufer ohne jegliche Verstrickung in Verbrechen.“

Was bei Frau Klarsfeld zu kurz kam

„Da Beate Klarsfeld sich auf Unterstützung aus Ost-Berlin angewiesen sah, kam bei ihrem ganzen Aktionismus die Tatsache einstiger NSDAP-Parteigenossen, die später in der ‚DDR’ Karriere machen konnten, viel zu kurz. Die ideologische Brille war ihr offenkundig weitaus wichtiger als historische Fakten. So konnte ihr die SED samt ihrer Fortsetzungsorganisationen bis heute die Treue halten.

Die Gefängnisstrafe für das Ehepaar Klarsfeld wegen eines Entführungsversuchs

„Einen ganz großen Wurf nach dem Vorbild der Adolf-Eichmann-Entführung vom Mai 1960 wollte Klarsfeld im März 1971 gegen den ehemaligen Pariser Gestapo-Chef Kurt Lischka landen. Sie behauptete, Lischka ‚aufgespürt’ zu haben, obwohl seine Anschrift der bundesdeutschen Justiz bekannt war. Letztlich wurde der einstige SS-Obersturmbannführer 1980 vom Landgericht Köln zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Für den Entführungsversuch Lischkas nach Frankreich wurde das Ehepaar Serge und Beate Klarsfeld zu zwei Monaten Gefängnis abgeurteilt.“ Der ganze Text hier.

Man mag diese Hinweise als „rechtsextrem“ abtun. Aber auch über „rechtsextreme“ Ansichten sollte man informiert sein. Man muss sie ja nicht teilen und kann die Gewichte für das eigene Für und Wider dieses hohen deutschen Ordens für Frau Klarsfeld anders setzen.

Die Web-Seite von Pro Deutschland hier.

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2 Kommentare zu „Der Orden für Beate Klarsfeld“

  1. Und wieder fangen SED Führungskader an, ihre eigenen Leute auszuzeichnen. Unter dem Deckmantel, eines Gutmenschentums und dem Kampf gegen sogenannte Rechte, setzt man die Frau Klarsfeld ins rechte Licht. Die verlogene Ideologie die 100 Millionen Menschen das Leben gekostet hat wird wieder „landfein“ gemacht. Es ist ein vernichtender Beweis dafür das die DDR, die SED und der Kommunismus noch leben. Obwohl die Stimmen immer mehr werden die sagen, es gibt keinen großen Unterschied zwischen Faschismus und Kommunismus, versucht man trotzdem ungeachtet dessen eine DDR 2.0 zu bekommen.

  2. Fürwahr ein weises Schlußwort, Herr Krause!

    Anti-Totalitarismus, so lautete einmal der Nachkriegs-Konsens aller bundesrepublikanischen Parteien. Nun gut, da gab es auch die kleinen Schilder am Straßenrand noch, worauf das von den alliierten Siegermächten (völkerrechtswidrig, wenn ich nicht irre) in drei Teile zerstückelte und teilweise okkupierte Deutsche Reich abgebildet war und geschrieben stand: Dreigeteilt – niemals! Und da war der eine Totalitarismus noch auf das Gebiet Mitteldeutschlands beschränkt. Heute, nach der Zusammenlegung West- und Mitteldeutschlands, scheint er, der in Form der von der SED über die PDS zur Nachfolgepartei Die Linke sich gehäutete Linksextremismus, schon salonfähig gemacht zu sein.

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