Die Fed, Bretton Woods, das Gold und die Geldmenge

Teil 2
Vier wichtige Ereignisse

Was steckt hinter der Dollar-Hegemonie, wie konnte es zu ihr kommen? Wer dem nachgeht, stößt unter anderem auf vier Ereignisse, die für diese Hegemonie und die durch sie entstandene Dollar-Schwemme eine entscheidende Rolle spielen:
– 1913 entsteht das amerikanische Zentralbanksystem
– 1944 entsteht der Weltwährungsfonds mit neuem Goldstandard
– 1971 beenden die USA ihre Verpflichtung, Dollar in Gold einzulösen
– 2006 veröffentlichen die USA ihre Geldmenge M3 nicht mehr
Hinzukommt, dass es die Vereinigten Staaten verstanden haben, Erdöl als den global wichtigsten Energierohstoff in Dollar notieren und fakturieren zu lassen. Wer Öl kauft, muss es in Dollar bezahlen, muss sich also Dollar beschaffen. Auf diese Weise nutzten die USA die globale Nachfrage nach Öl, um ihren Dollar zu stützen. Damit bekam der Dollar die Rolle einer erdumspannenden Reservewährung.

Amerikas Zentralbank im Eigentum von Privatbanken

Amerikas Zentralbank „Fed“ ist anders als die Deutsche Bundesbank keine staatliche Zentralbank, sondern ein privates Zentralbanksystem. Es besteht aus dem Board of Governors und aus (heute) zwölf regionalen privaten Banken, die sich Federal Reserve Bank nennen dürfen. Wenn für dieses System umgangssprachlich das Kürzel „Fed“ benutzt wird, dann ist damit der Board of Governors of the Federal-Reserve-System gemeint.

Gegründet wurde das Federal Reserve System am 22./23. Dezember 1913 von drei privaten amerikanischen Banken unter der Führung der beiden mächtigen Finanzgruppen Rothschild und Rockefeller. Dieses System ist ein privates, vom Staat geduldetes/gestütztes Kartell und hat das Recht, eigenes Geld herauszugeben. Dieses Geld wurde gesetzliches Zahlungsmittel, für das anfangs noch die amerikanische Bundesregierung garantierte. Jahre später stellte der amerikanische Politiker und einstige republikanische Senator Henry Cabot Lodge sen. unumwunden fest, dieser Schritt von 1913 habe es den Bankiers ermöglicht, „den Goldwert in nicht einlösbarem Papiergeld zu ertränken“ (Kongress-Protokoll vom 10. Juni 1932).

Während des Zweiten Weltkrieges ließen sich die Vereinigten Staaten die Lieferung ihrer Rüstungsgüter von den kriegführenden Nationen in Gold bezahlen. Als Deutschland besiegt war, musste es sein Gold als Kriegsbeute abgeben. Allein die USA verfügten damals über mehr als 20 000 Tonnen Gold. Das war mehr, als alle anderen Staaten zusammen besaßen. Es diente damals für die Dollar-Geldmenge als Deckung. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Fed die Goldreserven anderer Länder zusammengekauft. Daher konnten viele dieser Länder ihren Goldstandard ihrer Währung nicht mehr halten, so dass diese Währungen in der ersten Weltwirtschaftskrise zusammenbrachen. (Eberhard Hamer: Der Welt-Geldbetrug. 2005)

Bretton Woods und der neue Goldstandard

1944, als der Zweite Weltkrieg noch nicht zuende war, wurde im amerikanischen Luftkurort Bretton Woods beschlossen, einen Internationalen Währungsfonds einzurichten und einen neuen Gold-Dollar-Standard einzuführen. Artikel IV des Abkommens bestimmte, den Wechselkurs der Währung eines jeden Mitgliedlandes nach dem Stand vom 1. Juni 1944 im Gewicht und Reinheitsgrad von Gold oder in Dollar auszudrücken.

Schon 1934 hatten die USA mit dem Gold Reserve Act den Goldpreis fixiert. Fed und Schatzministerium (Treasury) wurden verpflichtet, für eine Feinunze Gold 35 Dollar zu zahlen. Dieser Preis wurde 1944 in das Abkommen von Bretton Woods übernommen. Da alle beteiligten Währungen starr an den Dollar gekoppelt waren, der Dollar aber fest an den Goldpreis gebunden war, konnte gleichzeitig auch der Wert jeder beliebigen Währung in Gold angegeben werden. Das galt auch für die 1948 eingeführte D-Mark. Die Zentralbanken anderer Länder konnten also für Dollar, die sie der Fed präsentierten, zum Festpreis von 35 Dollar je Feinunze Gold bekommen. Diese Einlöseverpflichtung brachte für die absolute Vormachtstellung des Dollars die offizielle Anerkennung. Allerdings galt die Verpflichtung nicht gegenüber amerikanischen Bürgern. Ihnen war der Besitz von Barren und Goldmünzen verboten – nicht anders als den Untertanen der Sowjetunion unter Stalin.
Weil mit der Einlöseverpflichtung der Dollar so gut wie Gold war, hielten die außeramerikanischen Zentralbanken einen größeren Teil ihrer Dollar-Devisen als Reservewährung. Daher konnte die Fed die Dollar-Geldmenge über ihren Goldbestand hinaus erhöhen, ohne eine vollständige Einlösung der Dollar in Gold befürchten zu müssen. Die Einlöseverpflichtung war auch der Grund dafür, warum der internationale Handel mehr und mehr in Dollar abgewickelt wurde und der Dollar daher zur Hauptwährungsreserve der anderen Zentralbanken wurde. Damit trat der Dollar seine Herrschaft über die anderen Länder an. Es brachte die offizielle Anerkennung der absoluten Vormachtstellung des in Gold einlösbaren Dollars.

Von den USA kein Gold mehr für den Dollar

Aber am 15. August 1971 gab der amerikanische Präsident Richard Nixon das Ende der Einlöseverpflichtung und der Haftung des amerikanischen Staates für den Dollar im außeramerikanischen Geldumlauf bekannt und damit das Ende des Gold-Dollar-Standards. Es war das Ende der amerikanischen Währungsdisziplin, außerdem ein Betrug an allen Dollar-Besitzern und eine Bankrotterklärung zugleich. Seitdem sind der Dollar und seine Banknoten weder durch Gold noch durch Staatshaftung gedeckt. Seitdem ist der Dollar eine freie private Währung der Fed. Schon 1960 beliefen sich die kurzfristigen Auslandsverbindlichkeiten der USA auf 18,7 Milliarden Dollar, und die Goldbestände hatten nur noch einen Wert von 17,8 Milliarden. 1971 waren die 55,4 Milliarden Dollar Auslandsforderungen nur noch durch einen Goldvorrat im Wert von 10,2 Milliarden gedeckt. Die Golddeckung des inneramerikanischen Geldumlaufs war schon am 23. Februar 1968 abgeschafft worden. Beides degradierte den Dollar zu einer reinen Papierwährung.
Seit 1971 ist der Dollar nur das wert, was Menschen in aller Herren Länder der Erde bereit sind, an Waren und Dienstleistungen gegen Dollar zu verkaufen, und was sie selbst an Waren und Dienstleistungen für Dollar kaufen können. Allein diese Bereitschaft zum Verkauf gegen Dollar und die Möglichkeit zum Kauf für Dollar gibt dem Dollar einen Wert. Daraus bezieht der Dollar das Vertrauen in ihn. Sinkt das Vertrauen und beginnen die Menschen und andere Staaten, sich vom Dollar zu lösen, geht der Wechselkurs für den Dollar nach unten. Ist das Vertrauen ganz verloren, geht der Dollar Baden. Wer im Ausland dann noch Dollar besitzt, ist arm dran.

Alle in einem Boot – Bei Ausstieg Lebensgefahr

Findet dieser völlige Vertrauensverlust tatsächlich statt, kommt es, weil die Dollar-Guthaben außerhalb der USA gewaltig sind, zu ungeheuren Verlusten und Zusammenbrüchen und damit zur wirklich großen Weltfinanzkrise. Daher hüten sich die Zentralbanken anderer Länder, ihre angehäuften Dollar-Reserven (zu schnell) zu verkaufen, auch wenn sie es liebend gern täten (wie zum Beispiel die in China, Russland, Arabien, EU). Wer sägt schon gern den Ast ab, auf dem er sitzt. Die Staaten und ihre Zentralbanken stecken mit ihren Dollar-Reserven in der Falle, in der Dollar-Falle. Sich vom Dollar zu trennen, ist ein selbstmörderisches Wagnis. Alle sitzen in einem Boot, hineinkomplimentiert und hineingezwungen von den USA, kein Land kann aus dem Boot jetzt mehr aussteigen. Das Boot ist auf See, auf stürmischer See, nicht mehr am Kai im sicheren Hafen. Das Halten von Dollar als Währungsreserve ist ein Tribut. Im alten Rom mussten die römischen Satellitenstaaten offen Tribut an Rom zahlen. In der Dollar-Hegemonie der USA zahlen die amerikanischen Satelliten Tribut an Washington in verkappter Form.

Aber alle großen privaten Dollar-Besitzer versuchen, ihre Dollar in Sachwerten anzulegen, zum Beispiel durch den Kauf von Unternehmen, Grundstücken, Agrarland, Forsten, Erzgruben, Rohstoffen und Edelmetallen. Dann sind sie die Dollar wenigstens los und haben stattdessen Sachvermögen mit Gebrauchs- und Nutzwert in Händen. Verliert eine Währung das Vertrauen, löst das Flucht in Sachwerte üblicherweise aus.
Fortsetzung in einem nächsten Beitrag

Copyright: Klaus Peter Krause

Print

Schreibe einen Kommentar