Trump und Grönland

Die USA haben früher schon häufig Land zugekauft – Aber nicht jeder Kommentator weiß das – Der Erwerb Grönlands durch die USA früher schon zweimal erwogen – 1917 haben die USA von Dänemark Dänisch-Westindien gekauft – Ökonomen-Vorschlag für den Handel mit Territorien: friedlich statt mit Krieg – Witziger Einfall: Trump könne doch Sizilien kaufen

Karikatur: Kostas Koufogiorgos, toonpool

Gewiss, man kann es eine „bizarre Episode“ nennen. Trump hat rüde einen Kaufwunsch geäußert, nämlich wie bei ihm üblich über Twitter. Ganz Grönland sollte es sein. Die Ablehnung aus Grönland und Dänemark kam prompt, war klar und deutlich. Grönland steht nicht zum Verkauf. So weit, so gut. Aber was so ungewöhnlich erscheint, ist so ungewöhnlich nicht. Die USA haben dergleichen schon immer gemacht, früher jedenfalls. Trump immerhin ist nicht der erste amerikanische Präsident mit Kaufwunsch nach fremdem Land.

Die USA haben früher schon häufig Land zugekauft, statt es sich mittels Krieg anzueignen

Darauf aufmerksam gemacht hat der in Australien lebende Deutsche Frank Abels. Er schreibt: „Die USA wollten Grönland schon einmal kaufen, und zwar unter Präsident Truman 1946. Es gab damals mit Dänemark ernste Verhandlungen. Der Zukauf von Land ist in der Geschichte der USA der Normalfall. Der berühmte Präsident Thomas Jefferson kaufte 1803 von Napoleon Louisiana. Florida ging per Kauf 1819 an die USA. Ebenso wie 1836 Texas, 1853 Arizona, 1867 Alaska und nach und nach die Staaten California, New Mexico usw. Alle jene Beschimpfungen gegen Trump wegen seines Ansinnens, das Territorium der USA legal zu erweitern, gelten die auch posthum für seine Vorgängerpräsidenten Jefferson, Andrew Johnson, Monroe usw., die das Gleiche machten? Trump will zum Wohle seiner Nation Land durch Kauf und nicht durch Krieg erwerben. Andere machen das durch Annexion (Krim).“ Anders war es allerdings im amerikanischen Sezessionskrieg. Mit vierjähriger Waffengewalt wurden die ausgetretenen Südstaaten den USA wieder einverleibt.

Wenn Kommentatoren geschichtliche Kenntnisse fehlen

So mancher Kommentator in den Medien weiß von den früheren USA-Landkäufen wohl nicht. Er nutzt die Gelegenheit, abermals auf Trump einzudreschen. Zum Beispiel die Lübecker Nachrichten: Trump habe mit seiner absurden Avance eine Grenze überschritten, im wörtlichen Sinn, denn er habe eine Territorialfrage zu einem Gegenstand internationaler Politik gemacht. Ebenso pompös geht es im Kommentar weiter: „Grenzfragen oder gar Grenzbegehrlichkeiten sind keine Nebensächlichkeiten; sie sind über Jahrhunderte Ursache von Krieg und Leid in Europa und der ganzen Welt gewesen. Derartige Fantasien einfach mal so nach dem Frühstücksei in die Welt hinauszublasen, sollte der politische Anstand und ein Mindestmaß an Geschichtsbewusstsein eigentlich verbieten, aber bei Trump gibt es keinen Anstand und kein Geschichtsbewusstsein.“ Gewiss, mit Anstand, auch diplomatischen, hat es Trump nicht so, was gemeinhin als ungehöriges Benehmen gilt. Aber fehlendes Geschichtsbewusstsein – zu verstehen auch als fehlende Geschichtskenntnis – wird man eher diesem Kommentator (Gordon Repinski) vorzuwerfen haben.

Den Erwerb Grönlands haben die USA früher schon zweimal erwogen

Dass Dänemark und die USA im Inselverkauf schon einmal Vertragspartner gewesen sind, darauf weist auch die FAZ hin.*)  Vor gut hun­dert Jah­ren habe Dä­ne­mark den Ver­ei­nig­ten Staa­ten Dä­nisch-West­in­di­en verkauft. Tatsächlich sei der Erwerb Grönlands auch schon früher erwogen worden, nach dem ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger­krieg et­wa und nach dem Zwei­ten Welt­krieg.**) Die FAZ hält es für „gut mög­lich, dass Mit­ar­bei­ter des Wei­ßen Hau­ses um die­se His­to­rie wuss­ten und Trump den Vor­schlag un­ter­brei­te­ten, stets auf der Su­che nach Ide­en, die ge­eig­net sind, ihm das Ge­fühl zu ge­ben, der groß­ar­tigs­te Prä­si­dent in der Ge­schich­te sei­nes groß­ar­ti­gen Lan­des zu sein“.

1917 haben die USA von DänemarkDänisch-Westindien gekauft

In der Süddeutschen Zeitung (SZ) ist ergänzend hier zu lesen, dass es sich bei dem amerikanischen Kauf von Dänisch-Westindien um die 50 Inseln in der Karibik handelt, die man heute die Amerikanischen Jungferninseln nennt: „Seit dem 17. Jahrhundert waren diese Inseln eine dänische Kolonie unter dem Namen ‚Dänisch Westindien’… Schließlich erwarben die Vereinigten Staaten die Inselgruppe am 31. März 1917 für 25 Millionen Dollar in Goldmünzen. Die Motive für den Kauf waren überwiegend militärischer Natur.“ Nach SZ-Meinung  hat Trump mit seinem Wunsch, das selbstverwaltete dänische Territorium Grönland zu kaufen, ein Tabu gebrochen: „Bis zum vorigen Wochenende, als klar wurde, dass das Ganze kein Witz war, galt es als undenkbar, dass heute noch Territorien samt den Menschen, die dort leben, ge- und verkauft werden. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, so dachte man. Konkret: ‚Grönland gehört den Grönländern’, wie  Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Fredriksen sagt.“

Ökonomen-Vorschlag für den Handel mit Territorien – friedlich statt mit Krieg

Ferner berichtet die Zeitung: „Es gibt sogar moderne Ökonomen, die glauben, man könne dem Handel mit Territorien eine demokratische Form geben, und damit internationale Konflikte zu entschärfen. Die Professoren Mitu Gulati und Joseph Blocher von der Duke Universität in North Carolina veröffentlichten 2017 ein Papier, im dem sie einen institutionalisierten Markt für Hoheitsrechte über Territorien vorschlagen. Danach dürfte mit Ländern und Territorien wieder gehandelt werden, der Kaufpreis jedoch – und das ist der Clou – würde nicht an die Regierung des verkaufenden Landes, sondern an die Bürger des zu verkaufenden Territoriums fließen. Trump müsste den Kaufpreis danach mit den 56 000 Einwohnern Grönlands direkt aushandeln. Denkt man das Modell zu Ende, dann liegen Hoheitsrechte ausschließlich bei den Menschen. Sie können sie einem Staat geben und auch wieder entziehen. So könnte man Konflikte um Sezessionsbegehren lösen, etwa in Katalonien.“ Den ganzen SZ-Bericht finden Sie hier.

Witziger Einfall: Trump könne doch Sizilien kaufen

Mit süffisanter Ironie macht FAZ-Italien-Korrespondent in Rom, Tobias Piller, dem amerikanischen Präsidenten den witzigen Vorschlag, er könne doch Sizilien kaufen, und schreibt: „War­um Grön­land? Hier kommt ein nicht ganz ernst­ge­mein­tes Al­ter­na­tiv­an­ge­bot an Do­nald Trump. Ame­ri­kas Prä­si­dent Do­nald Trump schmollt, weil er Grön­land nicht kau­fen darf. Dann soll­te der Stra­te­ge Trump eben ein Ge­bot für Si­zi­li­en ab­ge­ben. Denn die­se In­sel hat aus Sicht des Im­mo­bi­li­en­in­ves­tors eben­falls vie­le lang­fris­ti­ge Ent­wick­lungs­chan­cen: Sie liegt zen­tral im Mit­tel­meer mit sei­nen all­seits be­lieb­ten Küs­ten, und ge­ra­de Si­zi­li­en könn­te noch zu ei­nem Flo­ri­da Eu­ro­pas ent­wi­ckelt wer­den. Zu­dem grenzt die In­sel an den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent, wo sich Ein­woh­ner- und Kon­su­men­ten­zahl schon in we­ni­gen Jahr­zehn­ten ver­dop­peln wird. Wäh­rend Trump bei den Eig­nern von Dä­ne­mark ei­ne Ab­fuhr er­hielt, wür­de sein An­ge­bot un­ter den Si­zi­lia­nern si­cher gro­ße Be­ach­tung fin­den. Schließ­lich gab es dort nach dem Zwei­ten Welt­krieg ei­ne Se­pa­ra­tis­ten­be­we­gung, die schon da­mals den An­schluss an die Ver­ei­nig­ten Staa­ten pro­pa­gier­te.“ Einen passenden Tweet schlägt Piller dem Präsidenten ebenfalls vor: „Make Sicily great again!“ Der ganze Text hier.***)

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*) FAZ vom 22. August 2019, Seite 8.

**) FAZ vom 22. August 2019, Seite 2.

***) In der FAZ-Druckausgabe vom 22. August 2019 auf Seite 16.

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