Ein Buch für Deniz Yücel

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Kulturgeschichte der deutschen Erfindungen und Entdeckungen (Autor: Menno Aden) – Vom Aufstieg der Wissenschaft im 13. Jahrhundert bis zur Brave New World – Von Gutenberg bis Kant, von Humboldt bis Werner von Siemens und 61 anderen – Das Vermitteln von Geschichte nicht auf Politik und Kriege beschränken – Deutsche Kinder sollen auf ihr Land auch stolz sein dürfen

 Jemand sollte Deniz Yücel mal ein Buch in die Hand drücken. Yücel wer? Ach, der! Also der, der uns Deutschen den „baldigen Abgang“ herbeiwünscht und meint, etwas Besseres als Deutschland finde sich allemal. Aber alles nur satirisch gemeint. Merkwürdig nur, dass die Yücel-Satire der politischen Realität sehr, sehr nahe kommt. Merkwürdig auch, dass es Bewegungen gibt, die es tierisch ernst nehmen, wenn sie meinen, auf Demonstrationen grölen zu dürfen „Nie wieder Deutschland“ und „Deutschland verrecke“  und „Deutschland, Du mieses Stück Scheiße“. Denen sollte man ein Buch ebenfalls unter die Nase halten. Nein, nicht irgendein Buch, sondern das Buch von der Kulturgeschichte der deutschen Erfindungen und Entdeckungen. Aber würde sie das überhaupt beeindrucken oder sie in ihrem krankhaften Wüten gegen Deutschland gar bekehren? Natürlich nicht, aber es könnte ihnen entlocken, was ihnen auch dazu an Unflat einfällt. Dann würden noch mehr Deutsche merken, was diese linksextremen, „rassistischen“ Hetzer  mit ihnen und ihrem Land vorhaben. Es wäre Wasser auf die Mühlen der AfD.


Stolz sein auf deutsche Erfinder und Entdecker

Autor des Buches*) ist Menno Aden. Im Vorwort schreibt er: „Viele und oft grundlegende Erfindungen und Entdeckungen wurden im deutschen Kulturraum gemacht. Viele wissen das gar nicht. Wir sollten aber im internationalen Wettbewerb sehen, wie sehr andere Nationen sich ihrer großen Erfinder rühmen. Das müssen wir nicht immer mitmachen, aber ein gewisses deutsches ‚Mannschaftsgefühl’ ist gelegentlich angebracht.“  Stolz auf Deutschland, das solche Erfinder und Entdecker hervorgebracht hat, sollten die Deutschen sein und sein dürfen. Deren Leistung hat immerhin dazu beigetragen, dass es vielen Menschen besser ging als zuvor. Davon profitieren heute auch jene, die Deutschland abschaffen wollen und damit dank einer Kanzlerin Merkel schon viel zu weit vorgedrungen sind.

Als Deutscher gilt, wer dem deutschen Kulturraum zuzurechnen ist

Als Deutsche gelten Erfinder und Entdecker für Aden dann, wenn sie dem deutschen Kulturraum zuzurechnen sind: nach Abstammung, Geburtsort, Sprache, Staatsangehörigkeit und/oder kultureller Prägung. Aber die meisten von ihnen, die im Buch vorkommen, stammen aus dem geschrumpften Teil Deutschlands, dem heutigen Gebiet der Bundesrepublik. Als Deutsch bezeichnet er eine Person dann, wenn sie in der Allgemeinen Deutschen Biographie (ADB, 1875 bis 1910) und/oder in der Neuen Deutschen Biographie (NDB) erwähnt ist. Damit möchte er „die nationale Zuordnung möglichst außer Kritik stellen“.

Vom Aufstieg der Wissenschaft im 13. Jahrhundert bis zur Brave New World

Es ist erstaunlich, was Menschen aus dem deutschen Sprechraum alles erfunden und entdeckt haben. Viele Leser werden manches davon kennen, manche Leser vieles davon, aber nicht alle Leser alles. Was Aden in diesem Buch zusammengetragen hat, ist in insgesamt achtzehn Kapiteln übersichtlich nach Sachgebieten in folgender Weise geordnet: Aufstieg der Wissenschaft– Das neue Weltbild – Wissenschaft von der Erde – Befreiung des Geistes – Neues Wissen – Entdeckungen zur Wirtschaft – Mathematik – Neue Einsichten – Elektrizität – Mobilität: Fahrrad, Motoren, Auto – Flugzeug – Telekommunikation – Ernährung der Menschen –  Chemie – Wissenschaft vom Leben – Erkenntnis des Menschen – Revolution der Physik – Soziale Erfindungen – Schluss: Brave New World.

Nur das kommt vor, was wirklich bahnbrechend war

Aden beschränkt seine Darstellung auf Erfindungen und Entdeckungen, die für die Menschen bahnbrechend waren, wenn auch – wie die Beispiele Schießpulver, Kernspaltung, Flugtechnik, Raketentechnik zeigen – nicht immer zu ihrem Guten., weil sie auch missbraucht werden können, um Kriege zu führen und Menschenleben auszulöschen. Aber die unzähligen anderen, die kleinen Erfindungen hat es stets ebenfalls gegeben, und es gibt sie weiterhin. Hier tummelt sich deutscher Erfindungsgeist nach wie vor, baut auf Vorangegangenem auf,  erleichtert in Gewerbe, Industrie und Haushalt das tägliche Leben. Auch diese Erfindungen sind nützlich und wichtig, aber zu den wirklich bahnbrechenden, die einen großen Entwicklungssprung vorwärts bedeuten, gehören sie nicht. Doch was ist mit den großen Komponisten? Sind sie keine Erfinder? Haben nicht auch sie Bahnbrechendes „erfunden“? Und wo bleiben die großen deutschen Dichter? Gründe, warum sie unerwähnt bleiben, kann man sich ausmalen. Dass sich der Autor hierzu aber so gar nicht äußert, vermisst man in dem Buch.

Von Gutenberg bis Kant

Gutenbergs Buchdruck hat die Informationsmöglichkeiten erweitert und das angestoßen, was wir heute Kommunikation nennen und nun auch elektronisch geschieht. Die Erfindung der Taschenuhr durch Peter Henlein ermöglichte die individuelle Zeitplanung. Kopernikus und Kepler räumten mit dem geozentrischen Weltbild auf. Gerhard Mercator begründete die moderne Kartographie, Abraham Werner die Geologie. Johann Heinrich Cotta beeinflusste die Forstwissenschaft erdweit. Emil Wichert erfand den Seismographen. Alfrede Wegener entdeckte die Kontinentalverschiebung. Martin Luther löste in der Kirche die Reformation aus. Luther gehört auch zu den ersten Erfindern der staatlichen oder kommunalen Schulpflicht. Johann Carolus gründete und druckte die erste periodische Zeitung.  Immanuel Kant hat die immanenten Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit als unabänderlich unübersteigbar aufgezeigt.

Von Humboldt bis Werner von Siemens und 61 anderen

Und so geht es weiter: mit Wilhelm Humboldt (Die neue Universität), Leopold Ranke (Geschichte als Wissenschaft), Georg Grotefend (Entzifferung der Keilschrift), Carl von Clausewitz (Theorie des Krieges), Oswald Spengler (Auf- und Abstieg von Hochkulturen als biologisch vorgezeichnetes Geschehen), Johann Peter Süßmilch (Erfindung der Statistik), Heinrich Gossen (Entdeckung des Grenznutzens), Karl Marx (Sozialismus als weltliche Religion), Georg Knapp (Erfindung des Zentralbankgeldes), Adam Riese (Entdeckung des Rechnens), Gottfried Wilhelm Leibniz ((Infinitesimalrechung), Otto von Guericke (Entdeckung des Vakuums), Carl Zeiß und Ernst Abbe (Mikroskopie), Ernst Ruska (Elektronenmikroskop), Werner von Siemens (Erfindung des Generators) … und so weiter und so fort. Es folgen die Namen von 61 anderen Erfindern und Entdeckern.

Ein guter Darsteller komplizierter Sachverhalte

Gern schließe ich mich der Beurteilung des Buches durch Prof. Dr.  phil. Johannes Heinrichs aus Duisburg  an. Er hat sich unter anderem so dazu geäußert: „Der als deutscher Kulturpatriot in vielen Veröffentlichungen ausgewiesene Jurist Menno Aden hat hier sein Thema gefunden. … Aden verhält sich wie ein guter Anwalt in der Darstellung der oft komplizierten Sachverhalte. Er zeigt erstaunlichen Einblick in die wechselnde Materie und vermittelt diesen dem lesenden Richter-Publikum, ohne sich in die Komplexität der jeweiligen Sachfragen zu verheddern. Dies macht, neben der Sachlichkeit des Tones überhaupt, den zweiten Grund meiner Bewunderung aus.“

„Chapeau, Herr Aden, ein großer Wurf“

Heinrichs weiter: „Wie kann jemand, vom neuen Aufstieg der Wissenschaften im Hochmittelalter angefangen, über die Kopernikanische Revolution und die erste Vermessung der Erde durch die ersten Kartographen, über die Befreiung des Geistes in Reformation und Aufklärung, weiter über die Entdeckungen in Wirtschaftstheorie, Mathematik, Physik, Chemie, Flugtechnik, Ernährung, Genetik, Psychologie bis hin zur Grundlegung des Computerzeitalters durch den in den USA zuerst verleugneten (doch rezipierten?) Konrad Zuse all diese ungeheuren Wissens- und Könnensfortschritte in allgemeinverständlicher Form und in einem einzigen Buch von gut 400 Seiten darstellen? Ich hätte es so nicht für möglich gehalten. Chapeau, Herr Aden! Ich halte das Buch für einen großen Wurf und für ein notwendiges Buch.“ (Quelle hier).

Eine beeindruckende Konzeption und didaktisches Geschick

Soweit Johannes Heinrichs. Womit das Aden-Buch zusätzlich beeindruckt, ist dessen strukturelle Konzeption.  Jede Darstellung einer Person und ihrer Leistung folgt einem Muster. Erstens wird ihr Umfeld dargestellt, werden ihre Vorläufer genannt. Zweitens schildert Aden die Person und den sozialen Hintergrund des Erfinders oder Entdeckers. Drittens beschreibt er die Bedeutung der Erfindung/Entdeckung und welche Gedanken zu ihr hinführten, wobei er bei technischen Erfindungen auch deren Funktionsweise beschreibt. Viertes stellt er dar, wie nichtdeutsche Stimmen die jeweilige Erfindung/Entdeckung bewerten. Damit will er „dem Verdacht nationaler Einseitigkeit“ vorbeugen.  Und fünftens zeigt er die Nachwirkungen auf, denn „oft haben Erfindungen/Entdeckungen Auswirkungen, welche weit außerhalb des Erwartungshorizonts des Erfinders“ gelegen haben. Nur fallweise gibt es von diesem Gerüst Abweichungen. Neben diesem didaktischen Geschick ist das Buch verständlich geschrieben, im sachlichen Ton, nicht weitschweifig, sondern kurz und knapp gehalten, ohne dass das Wissensnotwendige zu kurz kommt. Für vertiefendes Interesse gibt es viele Fußnoten und eine Bibliographie, auf die sich Aden stützt.

Das Vermitteln von Geschichte nicht auf Politik und Kriege beschränken

Was will Aden mit dem Buch (unter anderem) erreichen? Er selbst schreibt: „Insgesamt soll dieses Buch auch zu folgender Frage führen: Machen wir nicht etwas falsch, wenn unser Geschichtswissen hauptsächlich auf politischen Ereignissen, auf Krieg und Kriegsgeschrei beruht?“ Es ist eine rhetorische Frage. Natürlich machen „wir“ dies falsch. Aden selbst beantwortet sie so: „Es wäre doch viel wichtiger den Geschichtsunterricht und unsere Bildungsideale auf die Frage auszurichten: Wer hat durch seine Erfindungsleistung etwas zur Wohlfahrt der Menschheit beigetragen?“

Deutsche Kinder sollen auf ihr Land auch stolz sein dürfen

Dies auch im Schulunterricht zu vermitteln, ist richtig und wichtig. Kinder sollen auf ihr Land auch stolz sein dürfen und einer auch nur teilweisen Geschichtsvergessenheit nicht anheimfallen. Nicht sie müssen Sack und Asche gehen, nur die, die das Unheil angerichtet und zu verantworten haben. Deutschland darf sein Licht nicht unter den Scheffel stellen,  muss es auch nicht. Leistungen, wie sie Aden auflistet, überstrahlen selbst das, was das schreckliche „Dritte Reich“ unter Hitler und seiner Gefolgschaft angerichtet hat. Was sind zwölf Jahre Schrecken in und durch Deutschland angesichts dessen, was Deutschland und Deutsche in den tausend Jahren davor zum eigenen und der Menschheit Wohl geleistet haben. Geschichte ist zum Bewahren da, nicht zum Vergessen, das schlimme Geschehen ebenso wie das gute. Wer das nicht wahrhaben will, ist nicht ernst zu nehmen und für eine gedeihliche, friedvolle Gesellschaft untauglich und verloren.  Was mag Deniz Yücel darüber denken?

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*Menno Aden. Kulturgeschichte der deutschen Erfindungen und Entdeckungen von Albertus Magnus bis Konrad Zuse. Von Menno Aden. IFB Verlag Deutsche Sprache, Paderborn 2017. 439 Seiten. 24,90 Euro. ISBN978-3-942409-55-1

 

 

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