Die amerikanische Kriegserklärung an Deutschland – Ihre Nebengründe und ihr Hauptgrund, wie von Menno Aden gesehen 

Der Erste Weltkrieg liegt lange zurück. Aber zu historischen Betrachtungen fordert er nach wie vor heraus. Zum Beispiel über den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg und die Gründe dafür. Am 6. April ist das genau hundert Jahre her. Was hat Amerika zu diesem Schritt veranlasst? Wie sehr häufig gibt es zweierlei Art von Gründen: die vorgeschobenen und die wirklichen. Die vorgeschobenen dienen der Propaganda, der Rechtfertigung, dem Waschen der Hände in Unschuld, der Schuldverschiebung auf andere. Ist die Propaganda erfolgreich, wird sie geglaubt und das Vorgeschobene als Wahrheit genommen. Wird es nicht bestritten, verfestigt es sich.  Die vorgeschobenen Gründe sind nicht unwahr, aber nur Nebengründe. Doch verschleiern sie Hauptgründe. Wie es sich im Fall der amerikanischen Kriegserklärung an Deutschland verhält, werden wir in Berichten zum hundertsten Jahrestag sehen. Doch kann man sich zu dem Ereignis auch seine eigenen Gedanken machen. Das hat ein Mann wie Menno Aden*) getan.

Aden schreibt in einem Beitrag auf seiner Web-Seite (hier): „Die Gründe zum Ersten Weltkrieg gegen Deutschland liegen für England, Frankreich und auch Russland einigermaßen auf der Hand und wurden vielfach hin und her gewendet. Die Frage aber, was den eigentlichen Sieger des 1. Weltkrieges, die Vereinigten Staaten von Amerika, veranlasste, Deutschland am 6. April 1917 den Krieg zu erklären, wird wenig diskutiert. Vom Samoa-Streit abgesehen, der 1917 schon fast 20 Jahre zurücklag und nicht wirklich tiefging, hatte es zwischen den Vereinigten Staaten  und dem Deutschen Reich niemals einen nennenswerten politischen Konflikt gegeben.  Üblicherweise werden drei Punkte genannt.“

Die üblichen drei Gründe

„Erstens: Der Lusitania-Fall, Zweitens: das Zimmermann-Telegramm vom 19. Januar 1917. Darin wurde Mexiko die deutsche Unterstützung in Aussicht gestellt für die Rückgewinnung des 1848 an die USA verlorenen Gebietes (Kalifornien, Nevada, Arizona). Drittens: Eine besondere Rolle spielte der unbeschränkte U-Boot-Krieg. In seiner Rede vor dem amerikanischen Kongress vom 2. April 1917 stützte Präsident Wilson seine Kriegsrede wesentlich auf diese beiden letzten Punkte. Diese Ereignisse wie immer man sie nach heutigem Kenntnisstand wertet, waren aber doch wohl nur ‚Brandbeschleuniger’ einer seit 1914 latenten Kriegsbereitschaft der USA, die sich seit 1915 in immer unverhüllteren Neutralitätsbrüchen zugunsten der Entente zeigte. Der nach Ansicht des Verfassers Hauptgrund für den Kriegseintritt der USA war der Rücktritt von Zar Nikolaus II. am 15. März 1917 und die damit entstehende Wahrscheinlichkeit eines deutschen Sieges. Das ist hier näher auszuführen.“

Der Hauptgrund findet sich in der New York Times von 1918

Den Aden-Beitrag in seiner vollen Länge können Sie hier lesen. Ich gebe nur noch wieder, wie Menno Aden seine Darstellung abschließt. Das Ergebnis der bevorstehenden Überlegungen werde wohl am besten zusammengefasst mit einem Zitat aus einer Anfang 1918 erschienenen Artikelserie der New York Times unter dem Titel Amerika nach dem Krieg:

“Für den Durchschnittsamerikaner ist der Krieg ein Krieg um das Prinzip der Demokratie. Aber abgesehen davon sind die Amerikaner zur Überzeugung gelangt, dass ein Triumph Deutschlands in Europa für Amerika ein Unheil wäre. Es ist unverträglich mit der Sicherheit Amerikas, dass es in Europa eine einzige große Macht geben solle … Amerika hat in den Krieg eingegriffen aus demselben Motiv, aus dem England sich von jeher in alle kontinentalen Kriege mischte, nämlich dem, in Europa ein solches Gleichgewicht der Kräfte zu erhalten, dass keine Macht daran denken kann, die Kreise seiner eigenen Weltpolitik zu stören.“

Wer sehen will, kann erkennen, was man eigentlich nicht erkennen möchte

Aden abschließend: „Hieraus ergeben sich Folgerungen für uns Deutsche heute. Dieselben Nachbarstaaten, die 1914 Deutschlands Kriegsgegner wurden, dieselben also, welche 1917 von den USA vor Deutschland  ‚gerettet’ wurden, sehen sich im Verhältnis zu Deutschland wiederum in einer Lage wie damals – Deutschland ist wieder viel zu stark! Ein heißer Krieg mag derzeit nicht drohen,  die Methoden haben sich verfeinert. Wirtschaft, digitale Ausspähung, aggressive Dollarpolitik, Unklarheiten hinter den Migrantenströmen – das alles ist heute an die Stelle von Kanonen getreten. Wer sehen will, kann durchaus erkennen, was man eigentlich nicht erkennen möchte – wir sind von 1914 nicht so weit entfernt, und von 1917 wohl auch nicht.“

 

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*) Dr. iur. Menno Aden (Jahrgang 1942, Abitur 1962) hat Rechtswissenschaften in Tübingen und Bonn studiert (1963 bis 1967), wurde 1972 in Bonn promoviert, war in den Jahren 1971/72 Senior Research Officer am Institut für Rechtsvergleichung der Universität von Südafrika,warberuflich tätig in der Energie- und Kreditwirtschaft und von 1994 bis 1996  Präsident des evangelisch-lutherischen Landeskirchenamtes in Schwerin, dann bis 2007 Professor an der FH für Ökonomie und Management in Essen. Verheiratet, fünf Kinder. Er hat neben seiner Lehrtätigkeit zahlreiche Schriften im Bereich Bank-, Wirtschafts- und internationales Recht verfasst, auch theologische Schriften und Bücher zu anderen Themen.Aus dem „Klappentext“ seines Buches: Etliche berufliche Einsätze in aller Welt führten ihn immer wieder zu der Frage, wie es den Vereinigen Staaten von Amerika gelingen konnte, über viele Kriege hinweg zur imperialen Macht aufzusteigen, anderen Nationen – wie zum Beispiel Deutschland –  aber den Ruf eines „Störenfrieds der Weltordnung“ anzuhängen.“  Weiteres über Aden siehe hier. 

 



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