Ein Deutscher im Land schildert an Beispielen, wie für die Menschen dort der Alltag aussieht

Alle Nachrichtenmedien sind derzeit voll von Griechenland. Verständlicherweise. Aber auch Portugal ist arm dran – mit dem Unterschied, dass es sich an die Auflagen zur Krisenüberwindung bisher gehalten hat. Ein Deutscher, der in Portugal lebt, hat sich dazu gemeldet. Er beruft sich auf jüngste deutsche Medienberichte, wonach die Konjunktur in Portugal mittlerweile wieder laufe und sich das Land in einem leichten Wirtschaftsaufschwung befinde. Aber die tägliche Wirklichkeit sieht nach seiner Wahrnehmung ziemlich anders aus. In einer Mail schreibt er: „Ist das der Witz zum Sonntag??? Die Konjunktur läuft wieder? Wohin läuft sie, in welche Richtung? Mir ist sie noch nicht begegnet! An wel-chem Marathon im sportbegeisterten Portugal nimmt sie denn teil? Eine kleine Dosis Realität gefällig?“ Auch hierüber informiert zu sein, kann nicht schaden.

Aus dem Alltag portugiesischer Menschen gibt dieser Deutsche folgende Schilderung (die Zwischenüberschriften sind von mir eingefügt):

In zwei Jahren Preisanstieg zwischen 100 und 400 Prozent

„Vorbildlich und beispielgebend ist Portugal nur in einer Hinsicht: Hier hat man einen bis auf die Kno-chen korrupten ehemaligen Premierminister in U-Haft gesteckt und zwei Bankster hinter Schloss und Riegel gebracht. Das wird man vermutlich in keinem anderen EU-Staat erleben. Ansonsten explodiert hier die Arbeitslosigkeit ebenso wie die Preisentwicklung. Grundnahrungsmittel und Dinge des täglichen Bedarfs, Steuern und Abgaben sind in den vergangenen beiden Jahren durchschnittlich zwi-schen 100 und 400 Prozent gestiegen. Ich erspare mir hier, Beispiele anzuführen, liefere sie auf Wunsch jedoch gern nach. Im gleichen Masse wurden die staatlichen Sozialleistungen in allen Bereichen demontiert oder abgeschafft.

Überall Caritas-Körbe mit der Bitte um Lebensmittelspenden

In fast allen Lebensmittelgeschäften und Supermärkten stehen Körbe der CARITAS mit der Bitte um Lebensmittelspenden für Bedürftige. Diese Bedürftigen sind Menschen, die HUNGERN! Warum? Weil es keine Arbeit gibt, und der Staat nicht für sie sorgt. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Nein, die ersten sechs Wochen gibt es gar nichts. Es bleibt der Phantasie eines jeden Betroffenen überlassen, wie er in diesem Zeitraum finanziell über die Runden kommt. Weder vom Arbeitgeber noch von der Sozialversicherung gibt es irgendwelche Leistungen, und wenn diese dann endlich mit Zahlungen einspringt, sind diese derart gering, dass niemand davon existieren kann!

Für die geschiedene Ehefrau keinen Cent

Man kann sich vorstellen, dass der Krankenstand bei Arbeitnehmern in diesem Land erfreulich gering ist, nicht wahr? Sie glauben das nicht? Dann hier ein Beispiel aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft, und es handelt sich absolut nicht um einen Einzelfall!!! Betroffen sind Ehefrau, Tochter und Enkelkind. Wegen Arbeitsmangel versucht der Ehemann sein Glück in Frankreich, findet eine Anstellung im Baugewerbe, lässt sich später scheiden, heiratet eine Französin und zahlt nicht einen Cent Unterhalt für seine geschiedene Ehefrau.

Unterhaltspflicht praktisch nicht durchsetzbar

Der Ehemann der 35jährigen Tochter folgt dem Beispiel des Schwiegervaters, geht nach Irland und zahlt weder für die Ehefrau noch die dreijährige Tochter Unterhalt. Zwar gibt es hier Gesetze, die in solchen Fällen wie üblich zum Unterhalt verpflichten, die praktische Durchsetzung von Ansprüchen ist jedoch fast unmöglich, da die Betroffenen Rechtsanwälte einschalten müssen, die sie sich nicht leisten können. Das Instrument der Prozesskostenhilfe ist hier für derartige Fälle nicht gegeben. Im Übrigen erstrecken sich derartige Prozesse über mehrere Jahre.

Einser-Examen, fünf Fremdsprachen, keine Anstellung bekommen

Die Tochter ist Lehrerin, hat jedoch nach Abschluss des Studiums keine Stelle im Schuldienst be-kommen, trotz Einser-Examen und fünf Fremdsprachen, die fließend beherrscht werden. Mithin hat die Tochter nach hiesigem Recht keinerlei Anspruch auf Zahlungen vom Staat, weder Arbeitslosengeld noch Sozialhilfe. Die Mutter, inzwischen an Krebs erkrankt und auf Dauer arbeitsunfähig, erhält Krankengeld in Höhe von € 174,00 monatlich. Das ist alles. Dieser Staat mutet seinen Bürgern zu, sich mit drei Personen von monatlich €174,00 zu erhalten! Würde ich diese Menschen nicht mit re-gelmäßigen Lebensmittelzuwendungen aus meiner eigenen Tasche unterstützen, würden sie buch-stäblich VERHUNGERN!

Blühende Kleinstadt binnen zwei Jahren verwandelt in eine „Ghost City“

Das ist nur eine von unzähligen gleichartigen Realitäten im EU-Musterland Portugal! Im Übrigen manifestiert sich der wirtschaftliche Aufschwung hier durch die massenhafte Schließung von Geschäften, Restaurants, Cafes. Innerhalb von 24 Monaten hat sich mein Wohnort von einer blühenden Kleinstadt zu “Ghost City” gewandelt. Es dauert nur noch kurze Zeit, dann knallt es hier ganz mächtig. Dann werden die Politiker und deren Handlanger die Laternenpfähle rund um den Platz des Hochgradfreimaurers Marques de Pombal in Lissabon zieren!“



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7 Kommentare


  1. qed am 23 Februar, 2015 22:21
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    Davon abgesehen, daß solche individuellen Alarmrufe immer subjektiv sind- aus eigener Anschauung weiß ich, daß es weder in Portugal noch in Griechenland für das Gros der Bevölkerung zum Besten steht. Nein, es geht ihnen schlecht, insbesondere sind die Gesundheitssysteme eigentlich zusammengebrochen.
    Da erinnere ich mich wieder unserer linken Polithyänen und -Pfaffen, denen eigentlich gar nicht genug Mühselige und Beladene hereinströmen können und die mit Begeisterung noch jeden aus nordafrikanischen Gefängnissen hinausgeworfenen mit Begeisterung begrüßen (ca.75% unserer ‘Flüchtlinge’ sind junge, gesunde Männer, deren Arbeitskraft gerade in ihren Herkunftsländern dringend benötigt wird) und wenn im Kosovo Winter ist, strömen sie sofort zu Zigtausenden ins gelobte Land. Mir wäre es lieber, die Opfer der EU- Austeritätspolitik reisten hier in Massen an und auch noch die aus der Ukraine, die nun wirklich allen Grund haben, ihr elendes, vom Westen ruiniertes Land zu verlassen und sie alle zeigten uns unübersehbar, wozu der Wahn Euro geführt hat. Sie alle wären mir willkommen. Daß sie es nicht tun und andere hingegen mit Begeisterung, ist vielleicht ein Wink mit dem Zaunpfahl, wer für uns brauchbar ist und wer nicht.

  2. qed am 23 Februar, 2015 22:58
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  3. Landman am 24 Februar, 2015 09:07
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    Eigentlich müßte beim Lesen dieses Artikels ein kollektiver Aufschrei durchs Land gehen. Aber es bleibt nur beim Kopfschütteln. Es liegt ein großer Trost darin, daß alles vergeht – so vergeht auch die Schmach – dieses “Verbrechen” am kleinen Mann + Frau nicht verhindert zu haben.

    Bis es uns dann auch betrifft – weiter schlafen!!

  4. Molot am 25 Februar, 2015 20:10
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    Ihr Gewährsmann ist Kommunist?

  5. Marcus Junge am 25 Februar, 2015 23:39
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    Bei allem Verständnis, aber so wie die saublöden BRD’ler ständig sozialistische Einheitsparteien des Systems wählen, siehe gerade Hamburg, ich sage nur Schleusen auf und reichlich Fachkräfte aus Afrika und Vorderasien in die Elbmetropole bitte, 1/3 Ausländer als Einwohnerschaft reichen ihnen schließlich noch immer nicht, so haben sicherlich auch die Portugiesen ihre Henker selber ins Amt gebracht. Sei es bei der Mitgliedschaft in der EUdSSR oder der im Euro, die verantwortlichen Politiker und Parteien wurden gewählt. Und jeder Portugiese soll mal kurz in seinen Erinnerungen wühlen, wen er wählte und wie die dann abstimmten. Irgendwie sind die Schuldenberge ja auch entstanden, die jetzt die Länder in die Knie zwingen. Irgendjemand hat da gewaltig über seine Verhältnisse gelebt und anscheinend angenommen nicht haftbar dafür zu sein und keine Verantwortung für die Taten der Politiker zu tragen, die solche Politik betreiben. Das funktioniert nur halt nicht, da haftet am Ende halt der “Souverän”, egal wie unsouverän er tatsächlich ist.

    Eine üble Lektion die auch die BRD’ler für ihre Gaucks, Kohls, Schröders, Gysis, … noch lernen und zahlen werden dürfen. Ich kann zumindest sagen nie eine einzige Bundesregierung ins Amt gebracht zu haben und seit 12 Jahren nicht mal mehr Systemparteien zu wählen (CSU bis SED) – was können die anderen 81.999.999?

  6. admin am 26 Februar, 2015 09:56
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    Antwort an Molot: Kann sein, ich weiß es nicht. Aber wenn, würde seine Schilderung dadurch unwahr? Klaus Peter Krause

  7. Micha Krautter am 2 März, 2015 17:52
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    Marcus Junge ich schliesse mich ihrer Aussage 100%ig an und gehoere zu den Gegnern der 95%igen morffen Masse der Einheitsparteien.

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