Den Euro verteidigt, nicht den Franken

Späte Einsicht, radikale Wende – In der Schweiz die Notbremse gezogen – Zur Kapitulation der Schweizer National Bank ein Kommentar von Rolf von Hohenhau

Die Schweizer National Bank (SNB) hat kapituliert und die Notbremse gezogen. Sie gibt es endlich auf, die Aufwertung des Franken (SFR) gegenüber dem Euro zu verteidigen. Drei Jahre lang hat sie versucht, den Wechselkurs bei 1,20 Euro für 1 Franken zu halten. Dieser Mindestkurs ist seit dem 15. Januar aufgehoben. Damit hat die Zentralbank der Schweiz zu einer späten Einsicht gefunden und eine radikale Kehrtwende vollzogen. Überraschend sei das geschehen, liest man allenthalben. Aber solche Schritte müssen stets überraschend stattfinden, sie Tage oder Wochen vorher anzukündigen, macht keinen Sinn. Überraschend ist auch nur der Zeitpunkt, nicht dagegen, dass die Kapitulation kommen musste, denn dieser Kraftakt der kleinen Schweiz gegenüber den weit größeren Volkswirtschaften der Euro-Zone war auf die Dauer finanziell nicht durchzuhalten. So sieht es auch Rolf von Hohenhau, der Präsident der Taxpayers Association Europe. Seinen Kommentar gebe ich hier im Wortlaut wieder. Die Zwischenüberschriften sind vor mir eingefügt.

Die SFR-Kette vom „Panzerkreuzer Euro“ abgesprengt

„Vor 3 Jahren hat die Schweizer Nationalbank SNB die unglückliche Entscheidung getroffen, den Frankenkurs bei der Grenze 1.20 zu ‚verteidigen‘. Verteidigt wurde damit im Endeffekt der Euro. Die Maßnahme lief von Anfang an auf finanziellen Selbstmord der Schweiz hinaus. Ein Bild für die Ausgangslage: Im ‚Panzerkreuzer Euro‘ lenken 19 Narren, jeder Steuermann des anderen, völlig berauscht ihr sinkendes Boot über die Weltmeere und bringen das SNB-Schifflein zum schwanken. Anstatt sofort zu enteilen, kettet sich die SNB an, will sich auf diese Weise helfen. Das konnte nicht gutgehen. Jetzt wurde die Kette vor dem gemeinsamen Untergang gesprengt. Ob noch rechtzeitig, das werden die Ereignisse zeigen.

Anstelle von Euros hätte die SNB Gold kaufen sollen

Erst vor Wochen haben wir nochmals eindringlich dargelegt (siehe hier), dass die SNB schon mangels finanzieller Potenz nie in der Lage war, die Probleme der Schweiz mit dem immer schwächer werdenden Euro auf diese unsinnige Weise zu lösen. Wir haben ferner den Schweizern a.a.O. ausdrücklich dazu geraten, beim Goldreferendum mit JA zu stimmen. Der Grund wird jetzt auf bittere Weise ersichtlich: Wenn die SNB schon ab 2011 bei jedem Kauf von Devisen gleichzeitig und anteilig 20 % Gold hätte erwerben müssen (körperlich!), wäre sie niemals auf die verrückte Idee verfallen, grenzenlos Euro einzukaufen. Jetzt ist das Spiel aus. In der SNB hat sich offensichtlich die Gruppe der „rationalen Nationalisten“ in höchster Not durchgesetzt und dem grausamen Spiel ein Ende bereitet. Eine richtige Entscheidung! Hoffentlich noch rechtzeitig, denn nichts anderes als die Souveränität der Schweiz steht auf des Messers Schneide.

Auf einen Schlag 37,5 Milliarden Franken Verlust realisiert

Die Devisenreserven der Schweiz belaufen sich zur Zeit auf rund SFR 500 Mrd.   (zum Vergleich: Bundeshaushalt der Schweiz SFR 65 Milliarden – ein krasses Missverhältnis). Unterstellt, die Eurodevisen betragen davon 50 % = SFR 250 Mrd. = Euro 208,3 Mrd. bei Kurs 1,20 (Stichtag 15. Januar 2015, vormittags), dann ist folgendes passiert: Wert gestern: SFR 250,0 Milliarden (Euro 208,3 Milliarden x 1,20 = SFR 250,0 Milliarden), Wert heute: SFR 212,5 Milliarden (Euro 208,3 Milliarden x  1,02 = SFR 212,5 Milliarden), Verlust SFR 37,5 Milliarden. Über Nacht hat die SNB damit einen Verlust von SFR 37,5 Milliarden realisiert, mehr als einen halben Bundeshaushalt! Und faule 250 Milliarden Euro modern weiter unheilvoll im Safe! Das ist die erste Quittung für 3-jährige, völlig unsinnige Euro-Stützungskäufe.

Die „Goldene Kette“ hätte das Verhüterli sein können

Doch das ist nur die Quittung, die Rechnung geht an die Schweizer Bürger, denn diese tragen im Endeffekt den ganzen Verlust. Sie haben über ein halbes Jahr (umsonst) gearbeitet um die Steuern zu erwirtschaften, die die SNB nun sinnlos verblasen hat. Wäre die SNB rechtzeitig an die ‚Goldene-Kette‘ (20 %-Goldzukaufpflicht) gelegt worden, wie dies die Schweizer Goldinitiative gefordert hat, wäre das nicht passiert: Denn die ‚Goldene Kette‘ wäre in diesem Fall das Verhüterli gegen verdrehte Anwandlungen unkontrollierter Zentralbanker gewesen. Ohne solchen Schutz ist, wie man weiß und sieht (auch bald spüren wird!), mit großen Überraschungen zu rechnen.

Windelweiche Erklärungen im Zehnerpack

Natürlich vernebelt nun die SNB diese nationale Finanzkatastrophe (samt all ihren absehbaren Folgen!) durch windelweiche Erklärungen im Zehnerpack. Argumente von früher gelten heute aus unerfindlichen Gründen auf einmal nicht mehr oder werden – reichlich dreist – geradezu in ihr Gegenteil verkehrt. Schuld ist niemand, es ist schon gar kein Schaden entstanden! Das übliche Gerede und Verdrehen der Verantwortlichen, wie man es heutzutage schon gewohnt ist. Schuldeingeständnis? Keine Spur! Wir haben zu schlucken, was kommt.

Heute statt Richtschwert eine Verabschiedung mit Handgeld

Zu Zeiten des seligen Wilhelm Tell hätte bei einem solchen Verlust der zuständige Schatzmeister die Wahl gehabt: entweder freiwillig in die erste Schlachtreihe einzurücken oder sich unter das Richtschwert zu beugen. Doch die Zeiten ändern sich, heute ist man zivilisierter: Herr Thomas Jordan, der Chef der Schweizer Nationalbank, darf wohl bald freiwillig Handgeld und Hut nehmen. Zu Zwecken der Camouflage hält die SNB dafür sicher verschiedene Modelle bereit. Wir sind gespannt.“

______________________________________________________________________________________

© Copyright: Klaus Peter Krause – Für alle meine Beiträge auf dieser Web-Seite liegen die Rechte bei mir. Die Texte zu kopieren und zu vervielfältigen, ist an zwei Voraussetzungen gebunden: Erstens, die Kopien dienen lediglich privaten Zwecken, werden also nicht kommerziell verwendet. Zweitens, jede Textverwendung respektiert das urheberrechtlich geschützte geistige Eigentum. Das heißt: Auch die private Nutzung gibt die Quelle und das Copyright an. Kommerzielle Verwendungen bedürfen meiner Genehmigung als Rechteinhaber. Haftungsausschluss / Disclaimer  siehe  hier. Wenn dieser Hinweis nicht unter jedem Beitrag steht, so gilt er doch auch für diese anderen.

Print

1 Gedanke zu “Den Euro verteidigt, nicht den Franken”

  1. Soweit ohne Wirtschaftstudium, sehe ich es wertneutral, ob die Schweiz viel oder wenig EURO kauft. Grundsätzlich begrüße ich es aber, wenn sie viel kauft, den das hebt glaube ich den Wert.
    Bekommen wir vielleicht so etwas von den 200 griechischen Milliarden im Kreislauf des „es hat der Andere“ wieder zurück??
    Oder fällt jetzt eine Welle günstig in den Weltmarkt ein und senkt weiter den Kurs, auf das der deutsche Export wächst? Auch das kann ich nicht schlecht finden.
    Was ist es den jetzt?

Schreibe einen Kommentar