Zwischenruf – Fischen, wo die Fische sind

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Wenn eine Wahl wie die zum Bundestag am 22. September vorbei ist, beginnen die Berufenen und Nicht-Berufenen mit den Analysen. Das tut man vor allem in jenen Parteien, die nicht erreicht haben, was sie wollten. Was lief gut? Was nicht so gut? Was schlecht? Was haben wir falsch gemacht? Damit beginnen ihre Strategen schon an den Startlöchern für die nächste Wahl herumzuscharren. Diesmal zunächst für die Wahl zum Parlament der Europäischen Union, dann die folgenden Landtagswahlen, aber auch schon für die nächste Bundestagswahl. Ebenfalls nachdenken muss die neue Partei Alternative für Deutschland (AfD).

Will die AfD den Durchbruch über den Osten schaffen?

Den Sprung in den Bundestag hat die AfD knapp verpasst, aber gezeigt, wie schnell sie in kürzester Zeit politische Kräfte mobilisieren kann. Geld hat sie wenig. Ihre Wahlkampfkosten bekommt sie aus der Staatskasse erst 2015. Also ist zu überlegen, wie sie das Wenige am wirksamsten einsetzt und wo sie es konzentriert. Mein ihr wohlwollender Freund Sebastian Maisfelder versucht mitzudenken. Hier sein Zwischenruf*) zu diesem Bericht vom Tag nach der Wahl: http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M530133ff63d.0.html „Alle Kräfte auf die neuen Länder konzentrieren! Das könnte eine (vorschnelle?) Schlussfolgerung auf diese Zahlen sein. Was ist von so einer Strategie zu halten? Wenn ein Unternehmen derartige Marktdurchdringungszahlen besäße, was würde ein Unternehmensberater oder Strategieberater dazu sagen? Alle Kräfte auf Neufünfland konzentrieren?

Ein einfaches Beispiel

Zunächst einmal lebt ein Unternehmen (wie eine Partei) nicht von relativen Zahlen, sondern von absoluten Werten: Umsatz bzw. Stimmen. Auf jedem Kontoauszug befinden sich absolute Zahlen, keine Prozentzahlen oder Quoten wie Marktanteil. Einfaches Denkbeispiel: Was nützte es der AfD, wenn sie ALLE Stimmen im Bundesland mit den wenigsten Bürgern/Wahlberechtigten (Bremen)
bekäme? Aber keine oder nur wenige im bevölkerungsreichsten Lande NRW ?

Auch Parteien müssen vorgehen wie Markenartikler

Und wenn man z.B. mit einer Wahlkampf-Gratiszeitung möglichst viele Menschen mit möglichst geringem Aufwand ansprechen/informieren wollte, welchen Einfluss haben Ballungsgebiete und eher ländliche Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte und kaum urbaner Bebauung auf eine derartige  Zielsetzung? Auch Parteien müssen wie Markenartikelfirmen denken und handeln. Fischen, wo die Fische sind. Ein Waschmittelkonzern oder Schokoriegel, der nicht um Kunden, Umsatz und „kritische Masse“ in den bevölkerungsreichen Gegenden kämpft, verliert. Mit welchem durchschnittlichen Aufwand and Menschen und Zeit lassen sich „Hausbesuche“ im Stile der Obama-Kampagne organisieren? Wo lassen sich innerhalb einer Stunde am meisten personalisierte Werbebriefe ohne den Kauf teurer Briefmarken in Briefkästen stecken?

Mit 5 Prozent Marktanteil ist die AfD ein „Nischen-Anbieter“

Mit 5 Prozent der Wählerstimmen (Marktanteil) ist die AfD ein „Nischen-Anbieter“. Daher kommt eine bloße „Tonnenideologie“ (wir müssen nur x Millionen Wahlberechtigte ansprechen, dann kriegen wir eine bestimmte Anzahl neuer Wähler) natürlich nicht in Frage. Marktsegmentierung würde jedes Wirtschaftsunternehmen sofort als Strategie verfolgen. Wer sind diese 5 Prozent AfD-Wähler?

Wie alt sind sie?
Wo wohnen sie?
Was sind sie von Beruf?
Wieviel verdienen sie?
Welche Werte sind ihnen wichtig?
Welche Medien konsumieren sie?
Wie bewegt sich diese Zielgruppe im mutli-dimensional skalierten „demographischen Raum“?
Welche Media-Optionen bieten den besten Zugang zu diesen Leuten?
Wie lassen sich „sozio-demographische Zwillinge“ identifizieren?

Was immer am Beginn steht

Am Beginn jeder Strategieentwicklung steht jedoch immer eine Wertanalyse jedes einzelnen ausgegebenen Euros der Vergangenheit. Welche Erfolgsrelevanz hatte jede Maßnahme? Welche Ursache-Wirkungsbeziehung besteht zwischen einzelnen Maßnahmen und Wahlergebnissen? Welchen Maßnahmen waren zielführend? Welcher Zielerreichungsgrad lässt sich messen? Für Militärs war die Sache immer schon klar: Strategie bedeutet die Allokation knapper Ressourcen.

Die große Kunst: Kompliziertes auf wenige Sätze eindampfen

Der Wahnsinn der Euro-Rettung ist auch ein Kommunikationsproblem.Das Scheitern der AfD bei der Bundestagswahl führt eindringlich vor Augen, dass die besten Argumente nichts nützen, wenn das Publikum

– sie nicht wahrnimmt,

– sie verdrängt,

– sie nicht versteht.

Oder wenn die Überzeugten Probleme haben, ihre Erkenntnisse „Otto Normalverbraucher“ verständlich zu machen. Die größte Kunst ist es ja, ein komplexes Problem in einem, zwei oder drei Sätzen zu erklären (in der Tagesschau hat der Interviewte dafür 30 Sekunden zur Verfügung).

One-Liner-Meister Ronald Reagan – und die Karikaturisten

Ein Meister der sogenannten „one liner“, also der Reduktion eines Sachverhaltes auf einen Satz, war Ronald Reagan. Viel mehr Zeit erhalten Karikaturisten von den Zeitungslesern auch nicht. Anbei eine Sammlung von sofort verständlichen Aussagen zum Thema Euro. Wenn möglichst viele Bürger bei ausgehenden E-Mails eine solche Karikatur quasi als „ceterum censeo“ anhängten, könnte das Bewusstsein schaffen und schärfen. Ellenlange Aufsätze eignen sich bei breiten Bevölkerungsschichten dazu eher nicht.“

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*) Die Zwischenüberschriften sind von mir eingefügt.

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