Alternativen gibt es immer

Auch in der Politik. Eine von solchen Alternativen ist eine neue Partei. Die gibt es jetzt. Die Rede von Konrad Adam im Wortlaut

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat sich gegründet. Ihr Auftakt am 14. April in Berlin ist glänzend gelungen. Dieser Gründungsparteitag war professionell organisiert, technisch wie inhaltlich, sein Ablauf taktisch geschickt durchdacht. Straff und souverän hat die Parteispitze durch die umfangreichen Gründungsformalitäten geführt. Hoch diszipliniert sind ihr die Parteimitglieder gefolgt. Sie alle haben vermittelt: Hier entsteht eine zusätzliche politische Kraft, die für Deutschland, Europa und die Menschen notwendig geworden ist. Durch den großen Ballsaal des Hotels Intercontinental in Berlins Budapester Straße wogte Aufbruchstimmung. Besonders hör- und sichtbar entlud sie sich gleich zu Beginn bei der Auftaktrede von Konrad Adam, einem der drei Sprecher im AfD-Vorstand, und später in der Mitte des Programms noch einmal bei der programmatischen Rede des Sprechers Bernd Lucke. Beide Reden wurden immer wieder von donnerndem Applaus unterbrochen, beide Reden rissen die Mitglieder mehrfach von den Stühlen. Hier ist die Rede von Konrad Adam im Wortlaut. Die Zwischenüberschriften sind von mir eingefügt.

Unsere Aussichten sind gut

„Meine Damen und Herren, Ich begrüße Sie herzlich zum Parteitag der Alternative für Deutschland, dem ersten in einer hoffentlich noch langen und erfolgreichen Geschichte. Sie sind mit hohen Erwartungen nach Berlin gekommen; wir, der Vorstand, die Organisatoren und die vielen unentbehrlichen, meistens auch unbezahlten Helfer, selbstverständlich auch. Wir haben alles aufgeboten, um diesen Tag für Sie, für uns und für das ganze Land zu einem Erfolg zu machen. Unsere Aussichten sind gut, will man den Umfragen trauen, sogar sehr gut; und wenn wir gemeinsam die Aufgaben des heutigen Tages bewältigt haben, dann ist uns der Erfolg so gut wie sicher.“

Churchills Aufruf vor sechzig Jahren traf den Nerv der Zeit

„Ehe wir den Blick nach vorn richten, ein kurzer Blick zurück. Meine Damen und Herren: es ist gut sechzig Jahre her, dass Winston Churchill in der Aula der Universität Zürich die Vereinigten Staaten von Europa ausrief. Eine faszinierende Idee, die nicht nur von den anwesenden Studenten, sondern in ganz Europa, ja, in aller Welt begeistert aufgegriffen wurde. Sein Aufruf traf den Nerv der Zeit, die sich nach einem langen und mörderischen Krieg nach Wohlstand und Frieden sehnte. Jetzt, rund zwei Generationen später, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen und sich zu fragen, was aus Churchills hochherzigem Appell geworden ist. Wie steht das große, das mächtige, das friedliche Europa heute da?“

Ein großer Gedanke gründlich diskreditiert

„Kläglich. Nachdem Irland gerettet, Griechenland unter Kuratel gestellt und Zypern um einen hohen Preis herausgepaukt worden ist, steht Europas Name für Enttäuschung, Empörung und Entfremdung. „Fuck Europe“ oder „Merkel go home“ war auf den Transparenten zu lesen, die aufgebrachte Griechen und wütende Zyprioten in die Fernsehkameras hielten. Durch eine Rettungspolitik, die diesen Namen nicht verdient, ist der große Gedanke der europäischen Verständigung gründlich diskreditiert worden. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die europäischsten von allen europäischen Werten, sind verraten und verkauft worden – und das im Namen Europas. Beim Anblick des Desasters, das unsere Politiker da angerichtet haben, fühlt man sich an ein altes deutsches Sprichwort erinnert: Wem Gott ein Amt gibt, dem nimmt er auch den Verstand.“

Wo statt des Volkes ein Triumvirat von Fremden herrscht

„In Griechenland herrscht bis auf weiteres nicht das Volk; dort herrscht die Troika, ein Triumvirat, gebildet aus EZB, Internationalem Währungsfonds und dem Chef der Euro-Gruppe: lauter Herren, die ihr Mandat weiß Gott von wem, doch ganz gewiss nicht von den Wählern haben. Trotzdem haben diese Drei eine Regierung aus dem Amt gejagt, ein Parlament entmündigt und Millionen von Wählern auf unabsehbare Zeit ihr Stimmrecht entzogen: als wollten sie beweisen, dass Ralph Dahrendorf, ein Europäer der ersten Stunde, Recht hatte, als er darauf hinwies, dass es eine funktionierende Demokratie jenseits des Nationalstaates bisher noch nirgendwo gegeben habe.“

Was uns die neue Sprachpolizei zumutet

„Darf man daran erinnern? Oder verfällt, wer so fragt, der neuen deutschen Sprachpolizei, die von uns verlangt, die Dinge beim falschen Namen zu nennen? Die denjenigen einen guten Europäer nennt, der triumphierend darauf hinweist, dass Deutschland von der gemeinsamen Währung am meisten profitiert; und denjenigen einen schlechten Europäer, der den Griechen die Möglichkeit verschaffen will, aus eigener Kraft wieder auf die Beine zu kommen. Diese Sprachpolizei mutet uns zu, eine Gemeinschaft, die von den einen verlangt, zwei Jahre länger zu arbeiten, damit die anderen drei Jahre früher in den Ruhestand treten können, solidarisch zu nennen; und unsolidarisch diejenigen, die so etwas für ungerecht halten. Abgeordnete, die das Volk bevormunden wollen, heißen in dieser falschen und verlogenen Sprache Demokraten; und Populisten diejenigen, die das Volk darüber entscheiden lassen wollen, ob die Verfassung geändert werden soll oder nicht.“

Den Vorwurf des Populismus als Auszeichnung betrachten

„Wir sollten uns dadurch nicht irre machen lassen. Uns vielmehr die alten Niederländer zum Vorbild nehmen, die im Kampf gegen die spanische Fremdherrschaft einen Begriff, der ihnen als Schimpfwort angehängt worden war, zum Ehrentitel erhoben. Bettler wurden sie genannt; aber es waren diese Bettler, die seinerzeit diejenige Rolle spielten, die heute uns, den Alternativen, zugefallen ist: sie waren die Populisten des 16. Jahrhunderts. Wenn unsere Volksvertreter ihre Aufgabe darin sehen, das Volk zu entmündigen, sollten wir selbstbewusst genug sein, den Vorwurf des Populismus als Auszeichnung zu betrachten. Und alle Welt daran erinnern, dass die Demokratie insgesamt eine populistische Veranstaltung ist, weil sie das letzte Wort dem Volk erteilt: dem Volk, wie gesagt, nicht seinen Vertretern.“

Die Schicksalsgemeinschaft Europa zusammenhalten, stärken und erneuern

„Wir wissen, wer die Demokratie erfunden hat. Wir kennen die Ursprünge der Verfassung und wissen Bescheid über die Vorzüge des Rechtsstaates. Deswegen wollen wir dies gemeinsame Erbe bewahren, die europäische Schicksalsgemeinschaft zusammenhalten, stärken und erneuern. Denn wir haben nicht vergessen, wie viel von diesem Erbe durch Rivalitäten, durch Hass und Missgunst vertan, verraten und zerstört worden ist. Eben deshalb beobachten wir mit Sorge, wie eine falsch konzipierte und dilettantisch ausgeführte Währungspolitik die Völker, statt sie zusammenzuführen, gegeneinander aufbringt. Was in einem halben Jahrhundert gewonnen worden war, ist in ein paar Monaten aufs Spiel gesetzt und zum guten Teil verloren worden. Das wollen wir ändern.“

…. sondern die haben Angst vor uns

„Man sagt uns nach, wir hätten Angst vor der Zukunft. Das stimmt natürlich. Wie sollten wir auch keine Angst vor einer Zukunft haben, die von Leuten gestaltet wird, die diese Zukunft auf die Dauer einer Legislaturperiode begrenzen wollen? Wir haben mehr im Blick als dies, und deshalb haben nicht wir Angst vor der Zukunft, sondern die haben Angst vor uns. Dafür gibt es ja auch Gründe. Es liegt an uns, durch den Verlauf des heutigen Tages zu beweisen, dass diese Gründe gute Gründe sind. Wir müssen unsere Mitbürger davon überzeugen, dass wir das Vertrauen, um das wir bitten, auch verdienen. Neben Sachverstand und Selbstbewusstsein setzt das vor allem eins voraus: ein hohes Maß an Disziplin; um das ich Sie denn auch noch einmal bitte.“

Den Wählern jene Alternative bieten, die ihnen die etablierten Parteien verweigern

„Alles soll gesagt werden; aber nicht unbedingt schon heute; und auch nicht unbedingt von allen. Vieles von dem, was wir uns vorgenommen haben, wird warten müssen. Es kann auch warten, wenn wir uns einig in dem Vorsatz sind, ein großes Ziel gemeinsam zu erreichen. Wir wollen im Herbst dieses Jahres an der Wahl zum Deutschen Bundestag teilnehmen und den Wählern jene Alternative bieten, die ihnen die etablierten Parteien hartnäckig verweigern. Ob wir das schaffen, wird sich heute entscheiden. Die Tagesordnung ist lang, die Zeit ist knapp. Erfolg werden wir nur dann haben, wenn wir Vertrauen zueinander fassen, das große Ziel fest im Auge behalten und ihm alles andre unterordnen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns einen guten und erfolgreichen Parteitag.“

PS (1): Die Grundsatzrede von Bernd Lucke auf dem Parteitag können Sie sich hier anhören:

http://quotenqueen.wordpress.com/2013/04/14/bernd-lucke-afd-auf-dem-grundungsparteitag-in-berlin/

PS (2):

PS. Wenn ich über die AfD schreibe, müssen Sie als Leser wissen, dass ich im März 2013 dieser Partei beigetreten bin – erstmals einer Partei überhaupt. Ich bin überzeugt, dass unser Land diese neue Partei dringend braucht, und möchte daran mitwirken, dass es gelingt. Ich glaube, dass ich innerhalb der Partei meine Vorstellungen von einer grundlegenden Politikwende zunächst besser zur Geltung bringen kann als außerhalb, jedenfalls in der Gründungs- und Wahlkampfphase. Ob auch noch nach der Wahl, wird sich zeigen. Ich will also, dass diese Partei in den Bundestag kommt.Neutral bin ich demnach nicht, wohl aber unabhängig und um Objektivität bemüht. Das Urteil darüber muss ich dem Leser überlassen. Nicht alles im Wahlprogramm deckt sich mit meinen Vorstellungen. Dazu gehört vor allem die Energiepolitik.

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