Ohne sie wären die Energiewende-Kosten wenigstens finanziell erträglich
Aber Peter Altmaier hat die unerbittlichen Fakten genannt – immerhin endlich das

Man nehme 1 Euro. Man wiege ihn in der Hand. Man drehe, wende und begucke ihn. Dann hänge man zwölf Nullen dran: 000 000 000 000. Was ist das? Richtig: 1 Billion. Man kann auch sagen eintausend Milliarden. Die zwölf Nullen werden allerdings nur deswegen eine Billion, weil vor ihnen eine 1 steht. Ohne die 1 wären sie nichts weiter als Nullen, also nichts. Schade, dass die Kosten der deutschen „Energiewende“ nicht ebenfalls nur aus Nullen bestehen, sondern dass vor diesen Energiekosten-Nullen diese verdammte 1 steht. Wirklich sehr schade.

Was ohne die 1 wäre

Ohne diese 1 wäre die Energiewende wenigstens finanziell erträglich. Dann hätten sich die Stromverbraucher in Deutschland nur noch damit herumzuschlagen, dass der Strom ohne Kernkraft und (von den Grünen gewollt) ohne Kohle nicht mehr immer dann aus der Steckdose kommt, wenn sie ihn gerade besonders brauchen. Und das nur deswegen, weil der Wind eingeschlafen und die Sonne für eine ganze Nacht einfach weggetaucht ist, zumal die nächtliche Dunkelheit im Winter auch noch länger dauert als im Sommer, obwohl doch der Strombedarf in der kalten, dunklen Jahreszeit üblicherweise besonders hoch ist.

Altmaier rechnet 1 Billion als Energiewende-Kosten vor

Leider aber gibt es die zwölf Nullen bei den Energiewende-Kosten nicht ohne die 1 davor – falls Deutschland so weitermacht wie bisher. Das vorzurechnen, hat sich vergangene Woche nun auch Bundesumweltminister Peter Altmaier genötigt gefühlt.1) An Einspeisevergütung für EEG-Strom schon gezahlt seien knapp 67 Milliarden Euro, nämlich von 2000 bis 2012 für bereits installierte Anlagen. Bis 2022 seien rund 250 weitere Milliarden zugesagt. Damit an Vergütungssubventionen unwiederbringlich verbraten sind also schon 317 Milliarden. Sollte sich an der gegenwärtigen Subventionspraxis nichts ändern, kämen im weiteren Zeitverlauf 360 Milliarden noch hinzu. Weitere 300 Milliarden verschlingen würden unter anderem der Netzausbau, die Reservekraftwerke (für deren Bereithalten, Drosseln und Stillegen) sowie die Gebäudesanierung. Bis Ende der 2030er Jahre summiert sich das nach Altmaier auf rund eine Billion. Ach ja, dahin sind die Zeiten, als die Politik mit Kosten in „nur“ zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe hantierte. Längst sind aus den Kosten-Millionen zwei- bis dreistellige Kosten-Milliarden geworden. Inzwischen haben die politischen Abenteuer die Größenordnung der Billionen erreicht: bei der Staatsverschuldung, bei der Staaten-, Banken- und Euro-Rettung, bei der Energiewende.

Eine andere Rechnung kommt auf 1,31 Billionen

Was Altmaier vorgerechnet hat, ist allerdings noch nicht ganz eine Billion, nur fast. Eine andere Rechnung kommt darüber. Danach haben die Betreiber von Windkraft-, Fotovoltaik- und Biogasanlagen an Einspeisevergütungen seit 2000 bis einschließlich 2012 nicht nur 67 Milliarden bekommen, sondern 98,9 Milliarden. Weil diese Vergütung für jede einzelne Anlage zwanzig Jahre lang gesetzlich garantiert ist, ergibt sich allein für die schon bestehenden Anlagen insgesamt eine aufgelaufene Zahlungsverpflichtung von unwiederbringlichen 401,3 Milliarden. Statt 317 Milliarden (Altmaier) sind also schon 401,3 Milliarden verbraten. Und das für nur 18,3 Prozent (2012) der Stromerzeugung. Doch der Ausbau soll ja weitergehen. Findet er im gleichen Umfang statt wie 2012, ohne die Subventionierung zurückzufahren, kämen jährlich über 60 Milliarden Euro hinzu. Bis einschließlich 2022 wären das noch einmal 600 Milliarden, nach Altmaiers Rechnung 360 Milliarden. Damit wäre die 1 Billion schon leicht überschritten. Nimmt man Altmaiers 300 Milliarden für den Netzausbau, Reservekraftwerke etc. hinzu, summieren sich die Energiewende-Kosten auf 1,31 Billionen, und das nicht erst Ende der 2030er Jahre, sondern schon bis 2023.2)

Die SPD mault, aber macht schon eigene Vorschläge

Altmaiers Billion soll Schrecken auslösen, damit alle politischen Parteien seiner geplanten „Strompreisbremse“ zustimmen. Er will den teuren Strom aus der Wahlkampfdebatte heraushalten. Mit dem üblichen Schlagabtausch und politischem Hickhack mag das (begrenzt) gelingen. Denn vor der Bundestagswahl wird sich wohl keine Partei mit den Stromverbrauchern anlegen. Folglich hat die SPD schon schnelle Gesprächsbereitschaft gezeigt,3) prompt auch mit eigenen Entlastungsvorschlägen aufgewartet.4) Dabei war von ihr als erste Reaktion zu hören gewesen, Altmaier sei ein großer Alarmist, der, vor steigenden Strompreisen warnend, ständig mit Blaulicht durch Berlin fahre; der Plan sei ein „Wahlkampfauftakt à la Altmaier: laut, kolossal, schrill, unseriös“.5) Die SPD mault, aber kann sich dem Mitmachen schwerlich entziehen und bringt das Thema in ihren Wahlkampf nun ebenfalls ein.

Die anderen Nullen

Aber zurück zu den Nullen: Es gibt auch andere Nullen. Das sind alle die, die diese Energiewende-Politik losgetreten haben und ihre Wende nun zu retten versuchen. Sie sollten sich jetzt lieber noch einmal wenden und ihre Energiewende endlich abblasen. Aufgegeben ist ihnen, des Landes und Volkes Wohl zu fördern, nicht aber dessen Ruin zu betreiben.

1) FAZ vom 20. Februar

2) Nach einer Rechnung von Dr. rer. nat. Siegfried Dittrich, Hamm, vom 22. Februar 2013 unter Verwendung veröffentlichter Daten des Übertragungsnetzbetreibers Amprion GmbH.

3) FAZ vom 22. Februar 2013

4) FAZ vom 26. Februar

5) FAZ vom 21. Februar, Seite 11



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Kommentare


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2 Kommentare


  1. Markus Leonhardt am 2 März, 2013 11:43
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    Ihr Artikel liegt treu und ergeben voll auf Regierungslinie und damit leider voll auf Linie mit den Strommonopolisten, die bisher den Markt (der keiner war) zum Nachteil der Stromkunden manipuliert haben.

    Zur Billionen-Zahl ist zu sagen, dass schon zig Berechnungen u.a. von F.Alt, Greenpeace, Prof.C.Kemfert, Prof.Quaschning, Ökoinstitut… verfügbar sind, die gesellschaftliche Kosten darlegen, die ein Ausbremsen und Stillstand der Energiewende verursachen würde.
    Es sind über 7 Billionen Euro.

    Diese Gegenrechnung zur 1-Bill.-Zahl lassen Sie sträflichweise in Ihrem Artikel unerwähnt.

    Aber nur im Vergleich läßt sich wirklich abschätzen, welche Version uns gesamtwirtschaftlich teuer kommt.

    Unterlassen Sie daher in Zukunft die Unterschlagung solcher zur Wahrheitsfindung erforderlichen Gegenthesen.

    Ihr Artikel ist auf Grund dieser Tatsache leider als Regierungspresse und Verbrauchertäuschung eingeordnet werden.

    Schade

  2. admin am 3 März, 2013 18:10
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    @Markus Leonhardt: Voll auf Regierungsebene? Treu und ergeben? Komisch, wie Sie das Gegenteil von dem in den Beitrag hineingeheimnissen, was mit ihm wirklich gemeint ist und so auch drinsteht. Alle meine vorangegangenen Schreibereien zur Energiewendepolitik sind ebenso klar gegen die Regierungslinie gerichtet. Sollten Sie vielleicht auch mal lesen. Und 7 Billionen, wenn die Energiewende ausgebremst würde? Bitte mal vorrechnen.
    Klaus Peter Krause

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