Man möchte den Weihnachtsabend …

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nicht unbedingt sooo verbringen …

wie es hier vielleicht Joachim Ringelnatz getan hat. Oder es nur erdichtet hat. Von ihm jedenfalls stammt dieses Gedicht:

Einsiedlers Heiliger Abend

Ich hab’ in den Weihnachtstagen
– ich weiß auch warum –
mir selbst einen Christbaum geschlagen,
der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
und steckte ihn da hinein
und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
zu sparen, ihn abends noch spät
mit Löffeln, Gabeln und Trichter
und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
mir Erbsensuppe mit Speck
und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Seele
das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat’s an die Türe gepocht,

Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang’s nicht wie Weihnachtslieder?
Ich aber rief nicht: „Herein!“

Ich zog mich aus und ging leise
zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
und dankte auf krumme Weise
lallend dem lieben Gott.

Ihnen, den Lesern und Sympathisanten meiner Beiträge, schöne, friedliche, weihnachtliche Feiertage und möglichst nicht einsiedlerisch

wünscht
Klaus Peter Krause

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