Ihre Verursacher, ihre Verlierer, ihre Gewinner

Nicht jeder Preisauftrieb ist eine Inflation, obwohl gerne und häufig so genannt. Warum? An freien Märkten, also bei unbeschränktem Wettbewerb, pflegen Güterpreise nur dann zu steigen, wenn die kaufkräftige Güternachfrage größer ist als das gleichzeitig vorhandene Güterangebot. Die Ursachen dafür sind bekanntermaßen zwei: Entweder ist das Angebot, gemessen an der Nachfrage, zu knapp, oder die Nachfrage ist, gemessen am Angebot, zu groß. Zu knapp heißt, die Gütermenge ist geringer geworden (Beispiel Produktionsausfälle) oder nicht ebenso gewachsen wie die kaufkräftige, also die mit Geld ausgestattete Nachfrage. Aber wie kann die kaufkräftige Nachfrage zu groß werden?

Das heute beliebig vermehrbare Geld

Die kaufkräftige Nachfrage wird durch die Geldmenge bestimmt, die in den Wirtschaftskreislauf über die Zentralbanken und Banken gelangt. Diese Geldmenge ist, wenn sie nicht durch ein knappes Gut wie Gold oder Silber in einem festgelegten Verhältnis „gedeckt“ und daher in ihrem Wachstum begrenzt ist, beliebig vermehrbar: Münzen können beliebig geprägt, Banknoten als Papiergeld beliebig gedruckt und Kredite als Buch- oder Giralgeld beliebig vergeben werden.

Das mit Mausklick hergestellte Geld

Während das Herstellen von Münzen und Banknoten allenfalls noch eine (freilich ziemlich ferne) Grenze in der Verfügbarkeit der Sachgüter Metalle und Papier findet, gibt es für die Geldschöpfung durch Kreditvergabe eine natürliche Grenze nicht; sobald eine Bank einen Kredit gewährt und mit einfacher Buchung dem Kreditempfänger zur Verfügung gestellt hat, hat sich die Geldmenge um den Kreditbetrag vergrößert. Was früher durch ein paar Federstriche auf Papier geschah, vollzieht sich jetzt mit wenigen Mausklicks am Computer noch schneller.

Grenzen für die Geldmengenvermehrung eingerissen

Die Grenze für solche (auch fiat money genannte) Geldschöpfung können, wenn es sich um ein staatliches Monopolgeld handelt, nur der Staat und die Zentralbank ziehen. So soll es an sich auch sein, aber die Finanzsystemkrise der letzten Jahre als Folge der Überschuldung von zu großen Banken und von zu unsoliden Staaten hat diese Grenzen eingerissen und zu einer ungeheuren Geldmengenvermehrung geführt. Inzwischen kaufen Zentralbanken wie die Fed in Amerika und die Europäische Zentralbank Staatsanleihen auf und schaufeln damit zusätzlich Geld in den Kreislauf. Zuerst geht es in den Bankenapparat und die Finanzmärkte, dann weiter nach unten in die Gütermärkte (Waren und Dienstleistungen), bis es schließlich auch in die Märkte für den Verbrauchsgüter gelangt.

Der monopolisierte und manipulierte Zins

Hinzukommt, dass Staaten und Zentralbanken den Zins monopolisiert haben, ihn manipulieren und, ausgehend von den Vereinigten Staaten, nahe an Null heruntergedrückt haben. Nur so können hochverschuldete Banken und Staaten überhaupt noch ihre Zinsverpflichtungen halbwegs bewältigen. Das heißt, alle Gläubiger in diesen Staaten, vor allem die Bürger mit Guthabenkonten und ihren Sparanlagen, auch in Deutschland, müssen mit niedrigsten Zinserträgen für die Schulden der Mächtigen bluten. Aus dem Gläubigerschutz ist Schuldnerschutz geworden.

Räuberische Gewinner, schuldlose Verlierer

Der liberale Nationalökonom und Autor Roland Baader hat das auf diesen kurzen Nenner gebracht: „Räuberische Gewinner hier und schuldlose Verlierer dort.“ Inflation sei dem ungedeckten Geld, dem fiat money, systemimmanent. Dieses Geld bewirke, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich vergrößere. Die zur Geldvermehrung betriebene Niedrigzinspolitik verbillige den Einsatz des Produktionsfaktors Kapital gegenüber dem Produktionsfaktor Arbeit und treibe die Vermögensgüterpreise hoch, während sich Geringverdiener und Rentner dem Kaufkraftverlust nicht oder kaum entziehen könnten.

Inflation kommt, wenn die Geldmenge aufgebläht ist

Nun zurück zum Begriff Inflation. Steigen die Güterpreise im unbeschränkten Wettbewerb aufgrund von Verknappung, sind das zwar unerfreuliche, aber stinknormale Preissteigerungen, Inflation ist das nicht. Inflation liegt nur dann vor, wenn die Güterpreise steigen, weil die Geldmenge aufgebläht worden ist und das Güterangebot mit der Aufblähung der Geldmenge nicht Schritt halten kann. Die Folge ist zwingend: Die Preise der relativ knappen Güter passen sich auf den Märkten der riesigen Geldmenge an, vulgo: sie steigen.

Teuerungsrate und Inflationsrate als Gemisch

Das eine ist die Teuerungsrate, das andere die Inflationsrate. Beides, Verknappung und Inflation, kann auch zusammen auftreten. Dann entsteht aus verknappungsbedingtem und inflationsbedingten Preisauftrieb eine scheußliche Mischung. Doch ist der inflationsbedingte auf den Güter-, vor allem den Konsumgütermärkten noch gar nicht richtig durchgesickert, sondern macht sich erst auf den Finanzmärkten (zum Beispiel Aktienkurse), auf Rohstoffmärkten, Bodenmärkten (Agrarland) und Edelmetallen wie Gold und Silber (Inflationsangst) bemerkbar. In dieser Lage befinden wir uns jetzt.

Wie die Preis-Lohn-Spirale in Schwung kommt

Der Anstieg der deutschen Importpreise ist ein solches Gemisch aus Verknappung und Inflation. Die jüngsten Angaben vom Statistischen Bundesamt liegen dazu gerade vor. Danach haben sich die Importgüter im Dezember 2010 gegenüber Dezember 2009 um 12 Prozent verteuert, darunter Rohöl um rund 36 Prozent, Rohgas um 31, Eisenerz um 98, Nickel um 51, Rohkupfer um 41 und Rohaluminium um 24 Prozent. Getreide und Rohkaffee sind ebenfalls sehr viel teurer geworden (57 und 65 Prozent). FAZ-Redakteur Gerald Braunberger schrieb: „Vor allem die Rohstoffmärkte haben in den vergangenen Monaten von einer Geldschwemme und der Erwartung steigender Inflationsraten profitiert.“ (FAZ vom 18. Januar). Dieser Anstieg ist schon ziemlich heftig und wird, wenngleich bei der Weiterverarbeitung dieser Rohstoffe gedämpft, letztlich bei den Verbraucherpreisen ankommen. Dem folgen dann gewerkschaftliche Forderungen nach höheren Löhnen und Gehältern. Die Preis-Lohn-Spirale kommt in Schwung. Die deutschen Großhandelspreise sind 2010 um fast 6 Prozent gestiegen.

Die Bundesregierung als zusätzlicher Preistreiber

Mutwillig und von allen guten Geistern verlassen treibt die Bundesregierung die Preise noch zusätzlich in die Höhe, so vor allem mit dem Abnahmezwang und dem Zwangsabnahmepreis für Wind- und Solarstrom Jahr um Jahr den allgemeinen Strompreis sowie dem Beimischungszwang von teurem „Bio-Ethanol“ ins Benzin, das in den kommenden Wochen als E10-Benzin in die Tankstellen gedrückt wird. Diese willkürliche Energieverteuerung durch den Staat wird sich in den Güterpreisen für die Verbraucher ebenfalls erhöhend niederschlagen. Was für ein Wahnsinn. Und das nur in dem Wahn, das Klima „schützen“ zu müssen – und zu können.

Die Inflationsangst ist kein Hirngespinst

Die wohl nicht mehr abwendbare Inflation ist kein Hirngespinst. Angst vor Inflation, vor Geldentwertung, wird mehr und mehr zu einem öffentlichen Thema. In den Überschriften von Zeitungsberichten ist das Wort Inflation häufig geworden. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist aufgeschreckt und sieht den Inflationsdruck wachsen. EZB-Präsident Trichet hat wiederholt vor einer sich beschleunigenden Inflation gewarnt. Ein Kommentar in der FAZ vom 17. Januar war überschrieben mit „Die Notenbanken führen Inflation herbei.“

Inflationieren als die große Versuchung

Groß ist auch die Versuchung, dass Regierungen in der Inflationierung ihr Heil sehen, weil sie damit die staatliche Verschuldung entwerten und sich diese Last erleichtern können. Amerikanische Ökonomen wie Kenneth Rogoff haben schon in aller Offenheit für eine „kontrollierte“ Inflation von jährlich 4 bis 6 Prozent plädiert, um die Staatsfinanzen zu stabilisieren (Näheres darüber kann man hier nachlesen:

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/supermarkt/623734/SuperMarkt_Amerikas-perfider-Inflationsplan).

Das allerdings funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen. Näheres über die Versuchung zu inflationieren und warum das schief geht, findet sich bei dem Wirtschaftswissenschaftler Norbert Berthold unter der Überschrift „Vom Regen in die Traufe – Die monetäre Versuchung staatlicher Verschuldung“ hier: http://www.freiewelt.net/blog-1731/vom-regen-in-die-traufe.html

Die „gefühlte“ Teuerungsrate ist real

Die offizielle Teuerungsrate für Verbraucher wird in Deutschland für Dezember 2010 mit 2,2 Prozent ausgewiesen. Das sieht noch nach wenig aus, aber Verbraucher misstrauen dieser Zahl und nehmen beim Einkaufen einen höheren Preisanstieg wahr. Dass sie damit nicht falsch liegen, zeigt das Schweizer Forschungszentrum für Wirtschaftsstatistik in Fribourg auf. Es berechnet nämlich die „gefühlte“ Teuerungsrate und gewichtet dabei die Waren danach, wie häufig sie gekauft werden. Für Deutschland im Dezember 2010 ist es dabei auf 5,2 Prozent gekommen, also auf 3 Prozentpunkte mehr als die amtliche Rate.

Inflation zerstört die bürgerliche Gesellschaft

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler hat im Juni 2009 geschrieben, Inflation sei nichts anderes als Diebstahl. Und weiter: „Die Geldentwertung, der große Diebstahl, kommt nicht über Nacht gleichzeitig über alle Bürger eines Landes. Ganz im Gegenteil: Einige profitieren, andere wiederum sind die Verlierer. Verlierer sind die Transferbezieher, Beamte, Rentner. Also alle die, deren staatliche Zahlungen durch staatlichen Diebstahl entwertet werden. Gewinner sind die, bei denen das neue Geld zuerst ankommt, also der Staat selbst und diejenigen, die das neue Geld verteilen, die Banken. Verlierer sind die, die sparen und investieren, also die Bürger und zwar sowohl die Arbeiter als auch die Unternehmer … Der Staat zerstört so die bürgerliche Gesellschaft. Und nicht ohne Grund haben die Gegner der Marktwirtschaft immer auf Inflation gesetzt, um ihre Ziele durchzusetzen. Lenin wird schon von Walter Eucken mit dem Satz zitiert: ‚Wer die bürgerliche Gesellschaft zerstören will, muss ihr Geldwesen verwüsten.’” (Quelle: ef-magazin, Ausgabe Juni 2009)



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