Ein unermüdlicher Fechter für die Freiheit

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Hans-Olaf Henkel ist jetzt 70 Jahre alt

Man nennt ihn unbequem; er ist es. Man nennt ihn einen Querkopf; er ist es. Man nennt ihn streitbar; er ist es. Man nennt ihn einen Rebellen; er ist es, jedenfalls verbal. Man nennt ihn einen Querdenker; er ist es, will aber lieber „Geradeausdenker“ genannt werden. Auch polemisch nennt man ihn. Aber das ist Geschmackssache. Denn wer Tatsachen ausspricht und zuspitzt, damit sie gehört und verstanden werden, dann sehen die einen darin nur Polemik, die anderen aber empfinden es als geradeheraus, erfrischend unverblümt und absolut notwendig. Aber ihn als „notorischen Querulanten“ zu bezeichnen, wie es auch schon passiert ist, damit geschieht ihm Unrecht. Gemeint ist Hans-Olaf Henkel. Am 14. März wird er 70 Jahre alt.

Vier große berufliche Positionen

In diesen siebzig Jahren ist er alles andere als ein Unbekannter geworden, wenn auch erst in den späteren davon. Denn seine großen beruflichen Positionen mit Wirkungen in der Öffentlichkeit waren:
– Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland (1987 bis 1993),
– Vorsitzender von IBM Europa, Mittlerem Osten und Afrika mit Dienstsitz in Paris (1993 bis 1995),
– Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, BDI, als Ehrenamt (1995 bis 2000) und
– Präsident der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (2001 bis 2005). Dieser kurz „Leibniz-Gemeinschaft“ genannte Verein umfaßt immerhin 86 Einrichtungen mit rund 6500 Wissenschaftlern, betreibt Forschung in vielen Wissenschaftsbereichen, stellt wissenschaftliche Infrastruktur bereit, beschäftigt in seinen Instituten rund 14 000 Menschen und hat einen Jahresumsatz von mehr als 1 Milliarde Euro.

Gegen die Sozialisten in allen Parteien und Gruppen

Daneben war und ist Henkel Aufsichtsrat in vielen Unternehmen. Seit November 2000 hält er als Honorarprofessor am Lehrstuhl „Internationales Management“ der Universität Mannheim Vorlesungen über „Management in einer globalisierten Welt“. Seit 2006 berät er als Senior Advisor die Bank of America. Folglich ist er mit Fragen in Sachen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vertraut und vermag sich kundig und kompetent zu ihnen zu äußern. Als unermüdlicher Kämpfer für Freiheit und marktwirtschaftliches Regelwerk und gegen die Sozialisten in allen Parteien und Gruppierungen ist er bei Gleichdenkenden hochgeschätzt, bei Andersdenkenden mißbeliebt, abgelehnt, teils auch verabscheut.

Als liberal-konservativer Mahner immer präsent

Zahlreiche Auszeichnungen und Preise pflastern seinen Weg, darunter die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Dresden (1992), der Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik (2003), die Hayek-Medaille der Friedrich A. von Hayk Gesellschaft (2007, und seit 2000 ist er Commandeur der französischen Ehrenlegion. Gerne schmücken sich Veranstaltungen mit ihm, denn er ist ein sachkundiger, glänzender Redner. 2001 wurde er mit dem Cicero-Rednerpreis des Verlags für deutsche Wirtschaft bedacht. Fernseh-Talkshows laden ihn ein, weil sie einen liberal-konservativen Mahner als Gegenpart für politisch linke Positionen brauchen oder einen Watschenmann, einen Polarisierer, der die Speere auf sich zieht, dies aber immer bravourös durchsteht, solange er das Wort hat. Radiosender befragen ihn gerne zu aktuellen Ereignissen, Entwicklungen und Entscheidungen, wenn es um Wirtschaft und Wirtschaftspolitik geht.

Was Henkel sagt, das mag nicht jeder

Henkel ist immer gut für klare Aussagen, drückt die Finger in Wunden, riskiert eine Lippe. Das mag nicht jeder, das verträgt nicht jeder. Gegner Henkels sind solche, die auf Grund genetischer Veranlagung, Herkunftsmilieu und Folgeeinflüssen auf „linke“ Anschauungen geprägt sind. Das liest sich dann zum Beispiel so: „Immer dann wenn Anne Will oder Maybrit Illner auf Kosten des Gebührenzahlers ihre neoliberalen Hassverantstaltungen, die sie Talkshows nennen, abhalten, ist ein Mann besonders beliebt: Hans-Olaf Henkel, der die IBM in Deutschland fast ruiniert hätte und bei dessen Abgang die Mitarbeiter damals in Freudentränen ausbrachen. Henkel ist der Chefdampfplauderer der INSM und einer, der nichts so sehr hasst wie Arbeitnehmer und Arbeitslose.“ INSM steht für Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, an der auch Henkel beteiligt ist. Aber Henkel gehört keiner politischen Partei an, ist allerdings mannigfach engagiert und bekennt, daß er Wechselwähler ist. Aber zur bayrischen Landtagswahl 2009 hat er für die Freien Wähler einen Programmentwurf geschrieben, um „die Übermacht der Parteien zu knacken“.

Für weniger Staat, gegen Gleichmacherei

Henkels charakteristischer Sprachstil ist so knapp wie der von Helmut Schmidt. Kurze, prägnante Sätze, nichts Überflüssiges, notfalls verletzend, eben keine Dampfplauderei. Kernsätze von ihm lauten zum Beispiel: „Wir haben sehr viel Solidarität und sehr viel Gleichheit, aber sehr wenig Freiheit.“ Oder: „Deutschland ist ein Land, das Unterschichten produziert.“ Oder: „Die Deutschen geben mehr für Soziales und für Solidarität aus als alle anderen und werden immer unsolidarischer.“ Oder an die eigene Klasse gerichtet: „Zu oft beschäftigen sich die großen Chefs mit ihren eigenen Visionen anstatt mit denen ihrer Kunden.“ Alles dies sind Zitate aus seiner Zeit als BDI-Präsident. Henkel ist für weniger Staat, gegen Gleichmacherei, für mehr Wettbewerb. Er verteidigt Thilo Sarrazin, wenn dessen Kritiker ihn wegen Feststellungen schlachten wollen, die sie als ungeheure Provokation brandmarken, weil sich Sarrazin nicht an die verlangte politische Korrektheit hält. Wie Henkel selbst.

Henkels vom Freiheitsdrang geprägte Bücher

In etlichen kritischen Büchern zur Politik, Wirtschaftspolitik und zu gesellschaftlichen Entwicklungen hat er ausgebreitet, was er ablehnt, was fehlläuft, was er sich statt dessen vorstellt. Sein jüngstes Buch (2009) heißt „Die Abwracker – Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen“ (siehe meinen Beitrag vom 1. Februar 2010). Den „Abwrackern“ vorangegangen sind die Bücher Kampf um die Mitte – Mein Bekenntnis zum Bürgertum (2007), Die Kraft des Neubeginns – Deutschland ist machbar (2004), Die Ethik des Erfolgs – Spielregeln für die globalisierte Gesellschaft (2002), Jetzt oder nie (2001), Die Macht der Freiheit – Erinnerungen und Gedanken (2000). In allen kommt Henkels Freiheitsdrang zum Ausdruck. In der „Ethik des Erfolgs“ schreibt er: „Der Kern der modernen Ethik muss die Freiheit sein: die Freiheit des Einzelnen, am globalen Spiel teilnehmen und sich aktiv verwirklichen zu können, und zwar nicht nur zum eigenen, sondern zum Nutzen aller.“

Für eine „Halle der Schande“

In seinen Äußerungen schont er auch die großen Manager nicht. Die Süddeutsche Zeitung schrieb zu seinem Abwracker-Buch: „Wer sich Hans-Olaf Henkel zum Gegner macht, der muss mit dem Schlimmsten rechnen: dass er in einem seiner vielen Bücher namentlich erwähnt wird.“ Und die schönste von Henkels Forderungen sei die, eine Hall of Shame, eine Halle der Schande, einzurichten. Darin sollten alle jene Wirtschaftsführer einen Platz finden, die der Marktwirtschaft geschadet hätten. Die Ursachen der Finanzkrise seit 2007 sieht er im Gutmenschentum. Er schreibt: „Vor Menschen, die Gutes tun habe ich großen Respekt – Gutmenschen dagegen erwecken nur den Anschein Gutes zu tun, indem sie andere, etwa durch moralischen Druck, dazu zwingen, Dinge zu tun, die sie selbst für gut halten.“ Das Gutmenschentum manifestiere sich in ihren Gesetzen.

Auch sein Familien-Soll erfüllt

Geboren ist Henkel 1940 in Hamburg, hanseatisch geprägt und korrekt ist auch seine Haltung. Jedenfalls seit er erwachsen ist. Denn von seiner Jugendzeit liest man: „Als Jugendlicher war er mal Langhaarträger, der häufig zwangsweise die Schule wechselte, dann schwarzgekleideter Existentialist mit Pilzkopf und Leidenschaft für Jazz, die Beatles und Fidel Castro.“ Henkels Vater war im Krieg gefallen, so wuchs er zunächst als Halbwaise auf, bis seine Mutter wieder heiratete und der in Hamburg und Norddeutschland sehr populäre, heimatnahe Liedersänger, Lautenspieler und Komponist Richard Germer sein Stiefvater wurde. Zeitgenossen von damals liebten besonders dessen „Seeräuberballade“ und das „Ständchen an Paula“. Nach dem Realschulabschluss machte Henkel eine kaufmännische Lehre beim Hamburger Speditionsunternehmen Kühne & Nagel, studierte anschließend an Hamburgs heutiger Hochschule für Wirtschaft und Politik. 1962 begann seine Zeit bei IBM mit späteren Tätigkeiten in den Vereinigten Staaten und Ostasien mit seiner IBM-Endstation in Paris. Auch sein Familien-Soll hat Henkel erfüllt: Er ist Vater von vier Kindern.

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