Macht und Geld bedeuten für eine Regierung
das Gleiche wie Schnaps und Autoschlüssel für einen Teenager.
(Patrick Jake O’Rourke, amerikanischer Schriftsteller, Journalist und politischer Satiriker )

Teil 1
Die globale Rolle des Dollars

Gewiss, ausgelöst wurde die gegenwärtige globale Finanzkrise von den faulen Immobilienkrediten in den Vereinigten Staaten. Aber hinter dieser Krise steckt mehr. Schlaglichtartig nämlich rückt sie ins Bewusstsein, was in der allgemeinen Berichterstattung der Medien verdrängt oder gar nicht wahrgenommen wird und worauf kundige unangepasste Beobachter schon länger aufmerksam gemacht haben. Allerdings haben sie bisher keine öffentliche Aufmerksamkeit gefunden. Sie wurden als Schwarzseher und Panikmacher abgetan, denn sie haben auf eine überaus große Gefahr hingewiesen. Sie droht über kurz oder lang staatenübergreifend vom Dollar, von seiner globalen Herrschaft über die Güter- und Finanzmärkte. Sie droht von dem gewaltigen Inflationspotential der durch diese Hegemonie ausgelösten Dollar-Schwemme und von der alarmierend hohen amerikanischen Staatsverschuldung.

Die wirkliche Höhe dieser Verschuldung hat unlängst kein geringerer als David M. Walker warnend zu Protokoll gegeben. Walker war von 1998 bis 12. März 2008 Comptroller General des US Government Accountability Office (GAO). Das ist ein überparteiliches Untersuchungsorgan des amerikanischen Kongresses mit ähnlichen Aufgaben wie in Deutschland der Bundesrechnungshof. Walker als ehemaliger Chef dieser Behörde ist jetzt Hauptgeschäftsführer (CEO) der Peter G. Peterson Foundation in New York. Zur offen ausgewiesenen Staatsverschuldung der USA von „nur“ 9,7 Billionen Dollar äußerte Walker:

„Das ist ein Witz. Wir stecken in einem Loch, das 50 Billionen Dollar tief ist und jedes Jahr 2 bis 3 Billionen tiefer wird – selbst im Falle eines ausgeglichenen Haushalts.“ Die künftigen Verpflichtungen würden einfach nicht berücksichtigt. Es gebe riesige mittel- und langfristige Zusagen der Regierung an die Sozialversicherung und das Gesundheitssystem. „Die sind alle noch nicht gedeckt.“ Aufgeschreckt fühlte sich Walker durch das gewaltige amerikanische Konjunkturpaket. Das werde die Schulden weiter massiv erhöhen und sei eine „Zeitbombe für die kommende Generation.“ Nicht anders übrigens als in Deutschland und anderen Staaten.

Der Geist ist aus der Flasche – aber wie bekommt man ihn wieder hinein?

Amerikas globale Hegemonie stützt sich auf zwei Säulen: auf seine militärische Stärke und auf den Dollar als globale Währung. Aber die Dollar-Säule zeigt tiefe Risse. Der Dollar ist eigentlich längst wertlos wie auch andere ungedeckte Papierwährungen. Vom Dollar droht Einsturzgefahr. Die Dollar-Schwemme ist wie der böse Geist, den man aus der Flasche hat entweichen lassen. Benedikt Fehr (FAZ vom 31. Dezember 2008) schrieb: „Weil in den vergangenen Jahren so viele Kredite vergeben wurden und so viel Geld geschöpft wurde – das nun größtenteils auf Bankkonten liegt und geschützt werden soll – sind astronomische Beträge erforderlich, um das Finanzsystem zu sichern.“

Hunderte von Milliarden Dollar werden gegen die Folgen der globalen Finanzkrise jetzt zusätzlich in die Märkte geschüttet. Von Januar bis Mitte 2009 will die amerikanische Zentralbank Fed für 500 Milliarden Dollar Hypothekenpapiere kaufen (FAZ vom 2. Januar 2009). Mit 775 Milliarden Dollar will der neue amerikanische Präsident Barack Obama den Konjunktureinbruch bekämpfen (FAZ vom 6. Januar 2009). Freigegeben werden soll in Kürze die zweite Tranche von 700 Milliarden Dollar des Rettungsprogramms, das die USA im Oktober 2008 zusammengestellt haben. Ferner kündigen sich für amerikanische Kreditinstitute weitere Kapitalspritzen an, um das Finanzsystem zu stabilisieren (FAZ vom 17. Januar 2009). Auch andere Länder, darunter Deutschland, versuchen mit riesiger Geldschöpfung die Folgen der Krise bei sich selbst zu begrenzen.

Alles dies macht alles noch weit schlimmer: Das ist wie Öl ins Feuer gießen. Woanders las ich, das sei, „als ob man versucht, einen Alkoholiker mit Alkohol zu behandeln. Er wird dann zwar wieder ruhig, jedoch ist der nächste Kollaps programmiert.“ Wie kann man den Geist in die Flasche wieder hineinzwingen, wie diese gefährlichen Dollar- und sonstigen Geldmengen aus dem Kreislauf zurückholen und stillegen? Das ist ähnlich schwierig, wie Zahnpasta in die Tube zurückdrücken. Also eigentlich unmöglich.

Fortsetzung in einem nächsten Beitrag

Copyright: Klaus Peter Krause



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Kommentare


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2 Kommentare


  1. Scalper am 31 Januar, 2009 22:57
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    Schöner Text.
    Bleibt nur zu hoffen, dass die EZB der Forderung des damaligen Präsidenten Bush nicht doch noch nachkommt und die Notendruckmaschinen anwirft… Allerdings glaube ich das ein ähnlicher Effekt bereits durch die Finanzspritzen, die der deutsche Staat den “Zockerbanken” gewährt, zu stande kommt…

  2. holger am 20 März, 2009 10:46
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    Feuer Frei

    Wenn wir in nächster Zeit, einen Sirenenklang im Ohr haben, dann ist das kein Probealarm mehr. Der oberste Generalfeldmarschall, Helikopter Harry Bin Ben Potter Bernanke, hat am 18.03.2009 offiziell den Krieg erklärt. Air Attack Warning (Luftalarm). Vergessen wir Atombomben, SDI, Laservernichtungssysteme wozu gibt es den Dollar (Agent Green). Anstatt mit Agent Orange die Wälder zu entlauben, wie in Vietnam geschehen, kommt jetzt Agent Green in das Spiel. Die Rohre für die Dollartorpedos sind geflutet. Eins WO Geithner wartet nur noch auf den Befehl, den Aal, in das Ziel zu bringen und die unabhängigen, ausländischen Dollarreserven zu vernichten und gleichzeitig die Operation Hyper Inflation zu starten.

    Lachen wir noch ein wenig, solange wir noch können.

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