Windstrom-Illusionen I

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Warum Windkraftwerke herkömmliche Kraftwerke nie ersetzen können und nie ersetzen werden

Die Windstrombefürworter machen uns weis, wenn immer mehr Windkraftanlagen zur Stromgewinnung eingesetzt würden, könne man auf immer mehr herkömmliche Kraftwerke verzichten. Das ist ein Irrtum. Diese Windkraft-Befürworter mögen doch bitte ein Kraftwerk benennen, das deswegen nicht mehr arbeitet, weil es durch die Windkraftanlagen überflüssig geworden ist. Sie werden keines finden, denn es gibt keines. Warum nicht?

Wenn der Windstrom ausfällt, weil Wind nicht weht oder zu stark weht, muss für diesen Stromausfall sofort Ersatzstrom bereitstehen, damit das Netz und die Versorgung nicht zusammenbrechen. Dafür gibt es sogenannte Reserveleistungskraftwerke, zum Beispiel Pumpspeicherwerke. Im Fall eines plötzlichen Strombedarfs wird hier ein Schieber geöffnet, die Wasserturbine und damit der Generator beginnen sich zu drehen, elektrischer Strom fließt.

Doch zur Absicherung der heute in Deutschland installierten Windstromkapazität reichen die klassischen Reserveleistungsanlagen (zu denen auch schnell startende Gaskraftwerke gehören) längst nicht mehr aus. Immer mehr konventionelle Kohlekraftwerke müssen diese Aufgabe übernehmen. Dazu laufen sie die meiste Zeit des Jahres „angedrosselt“ nebenher, das heißt mit reduzierter Leistung.

Das bedeutet aber, daß sie nicht den optimalen Wirkungsgrad erreichen. Damit werden erstens rund um die Uhr mehr Kohle und Öl verfeuert, als es ohne Windräder nötig wäre, und zweitens wird Kohlendioxyd emittiert, das die Umweltschützer doch gerade vermeiden wollen.

Außerdem sind die Kraftwerksbetreiber so verunsichert, daß sie die Erneuerung ihrer alten Kohlekraftwerke vor  sich herschieben. Das hat die Umweltentlastung durch moderne Anlagen ebenfalls geschoben, nämlich auf die lange Bank. Auch sind dadurch im Kraftwerksbau Arbeitsplätze verlorengegangen. Wie selbst der Bau moderner Werke trotz hoher Auflagen politisch zu verhindern gesucht wird, hat das skandalöse Verhalten der Stadt Hamburg bei der Baugenehmigung  für das Kohlekraftwerk Moorburg vor Augen geführt.

Kurzer Merksatz: Je mehr Strom man aus Wind gewinnen will, um so mehr herkömmliche Kraftwerke muss man als Reserve nebenher laufen lassen. Das heißt: Ohne Strom aus herkömmlichen Kraftwerken ist Stromversorgung aus Windkraft ein Luftgespinst. Das ist auch dann so, wenn die Windkraft-Ideologen glauben, Ausfällen von Windstrom durch immer mehr Windkraftanlagen in ganz Europa begegnen zu können.

Ein Beispiel: 2005 noch unter rot-grüner Regierung plante Nordrhein-Westfalen dreizehn (!) neue herkömmliche Kraftwerke. Vorgestellt wurden sie beim nordrhein-westfälischen Energiedialog am 18. März 2005, an dem auch als damaliger Ministerpräsident Peer Steinbrück und Energieminister Axel Horstmann teilnahmen. Ende 2004 war Nordrhein-Westfalen mit 2 277 Windkraftanlagen bestückt. Ihre Gesamtleistung belief sich auf 2053 Megawatt. Schon allein die eine geplante neue 2100 MW-Braunkohle-Doppelblockanlage würde, wenn sie in Betrieb gehen sowie ökonomisch und ökologisch sinnvoll ausgelastet würde, sämtliche damals installierten Windkraftanlagen überflüssig gemacht haben.

Die dreizehn neuen herkömmlichen Kraftwerke insgesamt sollten 6190 Megawatt erzeugen, also dreimal so viel wie damals die Windräder. Damit wären die Windkraftanlagen entweder sinnlos geworden. Oder aber die neuen Kraftwerke waren als Reserve-Bereitschaftsdienst für noch viel mehr Windräder in Nordrhein-Westfalen gedacht. Damit stellte sich die Frage:  Wollte das Land mit dem Bau aus der Windkraft aussteigen oder sich gar noch tiefer in sie verstricken?

Gesetzt den Fall, durch die Energiepolitik von Grün, Rot und inzwischen leider  auch von Schwarz würden tatsächlich noch weit mehr Windräder aufgestellt als schon jetzt in Deutschland vorhanden sind, was immerhin das allseits erklärte Ziel ist, dann müssten – um die bisherige Versorgungsmenge an Strom zu sichern –  zusätzliche herkömmliche Kraftwerke gebaut werden. Würden aber – der grün-rot-schwarzen Energie-Ideologie folgend – herkömmliche Kraftwerke nicht mehr gebaut werden, würde die Versorgung mit Strom unbeständiger und geringer werden. Das Ergebnis wäre: Strom würde rationiert werden müssen. Und zu Stromausfällen käme es auch.

In diesem Fall würde wieder einmal wahr werden, was ein alter politischer Witz über die Errungenschaften des Sozialismus so auszumalen pflegt: Was passiert, wenn Sozialisten über die Sahara herrschen? Die Antwort: Erst passiert drei Jahre lang gar nichts, und dann wird der Sand knapp. Insofern ist diese absurde und für unser Land existenzgefährdende Energiepolitik eine Politik des Sozialismus.

Wer trotzdem die Stromgewinnung durch Windkraft durchsetzen will, der zeigt, dass er ahnungslos, gutgläubig und mit der Materie nicht vertraut ist und geblendet und verblendet nur die Sprüche der Windkraft-Lobby weiterreicht oder aber, dass er bösartige Ziele verfolgt. Sollte jemand  selbst an Windkraftanlagen finanziell beteiligt sein, um an den staatlich verordneten hohen Preisen für Windkraftstrom mitzuverdienen (dann also im wahrsten Sinn des Wortes windfall profits) , mag man ihm mildernde Umstände zubilligen, denn einzelwirtschaftlich verhält er sich zumindest eigennützig rational – nicht allerdings als verantwortungsvoller Bürger und erst recht nicht, wenn er Politiker ist, denn der muss nach Kategorien des Gemeinwohls und der Ökonomie  handeln.  Was aber zu häufig leider nicht geschieht. 

 

2 Gedanken zu “Windstrom-Illusionen I

  1. Windräder werden sich drehen für die Grundlast bei der Stromversorgung. Ich kenne die Lösung.
    Als ich am Sonntag,dem 28.sten September anstatt auf der Autobahn von Frankfurt nach Serrig an der Saar,dem bislang einzigen schönen sonnigen Sonntag im September diesen Jahres über Land fuhr,standen von 100 Windrädern
    98 still. Ich dachte mir,man müsse sie doch nur mit Elektromotoren,oder Biodieselmotoren antreiben,damit sie sich drehen,und Strom erzeugen.Brilliant,nicht?!
    Auch ginge,dass die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen,samt Familienangehörigen da oben raufsteigen
    und kurbeln.
    Erleuchtung meines Gehirns!Oder erhebt jemand dagegen
    etwa seine krächzende Stimme oder kratzende Feder?

    Ansonsten,ich fange halt an,in meinem biblischen Alter von 60 Jahren Geld zur Seite zu legen für einen
    eventuell dauerhaften „Abstecher“nach Kanada.
    Man kommt gegen den geballten,ideologisch verquasten Schwachsinn hier nicht mehr an. Wir bräuchten alleine für unser Land drei neue Atomkraftwerke vom allerfeinsten,um die jetzt schon langsam im Bröckeln begriffene Grundlast in der Stromversorgung abzu- sichern,denn unser Strombedarf wird kräftig steigen.
    Wegen der Erderwärmung brauchts halt Klimaanlagen.
    Auch meine „Amigos“ vom Bündnis 90/Die Grünen möchten schliesslich in klimatisierten Konferenzsälen ihre genialen Ideen zur Rettung der Menschheit ausbrüten. Wie hiess es in der untergegangenen DDR:der Letzte machts Licht aus!
    Noch einen schönen Abend vor dem mit Buchenholzscheiten befeuerten knisternden Kamin,hier in der sozialistischen Volksrepublik Deutschland.

  2. Sehr geehrter Herr Krause,

    manchmal lese ich recht gerne Ihre Beiträge. Aus dem Windbeitrag spricht allerdings mal wieder, der bei vielen Fossilien Energiebefürwortern vorhandene Einblick. Alle Befürworter der erneuerbaren Energieversorgung, die Ihr Programm ersthaft verfolgen, sprechen von einem Energiemix der uns in Zukunft versorgen wird. Keine neue Energieart kann uns in Zukunft alleine versorgen – das soll Sie auch nicht! Nur der dezentrale Energiemix aus einer Vielzahl von erneuerbaren Energiequellen kann die Zukunft bedeuten – Wind, Sonne, Wasser, Biomasse!
    Grumel, dezentral,…ja natürlich dezentral! Worin liegt denn die Macht der Energiekonzerne? In der zentralistischen Versorgung durch einige Großkraftwerke! Hessen bezieht die Mehrzahl seiner Energiemasse aus Biblis (Atom)und Staudinger (Kohle)-hierauf gründet sich die Macht von EON! Würden sich die Kommunen im Einzugsgebiet selbst versorgen, durch einen Energiemix!! – würde dies dem Energieversorger wohl kaum gefallen! Folglich werden die erneuerbaren Energien, durch Vergleiche und Darstellungen ins falsche Licht gerückt, die leider nicht das halten, was sie versprechen.

    Frank Stickelmayer

    19. Oktober 2008: Nichts gegen einen Energiemix, Herr Stickelmayer, im Gegenteil. Aber Energiegewinnung aus Wind, Sonne, Biomasse darf nicht subventioniert und nicht gesetzlich aufgezwungen werden. Sie muss sich selbst rechnen, zu ihren jeweiligen Kosten. Nichts auch gegen eine dezentrale Stromversorgung, wenn diese kostengünstig genug ist und dem Stromverbraucher Wahlfreiheit beschert. Klaus Peter Krause

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